// Startseite
| Notbremse |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
An einem frostigen Januarabend in Erndtebrück wurde Fußballgeschichte geschrieben - zumindest für die Landesliga 20. 2062 Zuschauer trotzten der Kälte, um ein Spektakel zu erleben, das sie so schnell nicht vergessen werden: TuS Erndtebrück fegte den VfB Fallersleben mit 6:0 vom Platz. Und das Ergebnis schmeichelt den Gästen fast noch. Von Beginn an war klar, wer hier das Kommando hat. Erndtebrück, unter der Leitung von Trainer Sigurd Stuhl, spielte nicht einfach offensiv - sie spielten, als wollten sie das Torverhältnis der gesamten Liga in einer Partie aufpolieren. Schon in der 8. Minute klingelte es zum ersten Mal: Ellis Allington, der 30-jährige Routinier im linken Sturm, traf nach einem Pass von Innenverteidiger Davib Fryer. "Ich dachte eigentlich, ich bin zu alt für Sprints über 30 Meter", scherzte Allington später. "Aber wenn’s läuft, dann läuft’s." Danach rollte Angriff auf Angriff. Fallersleben, mit Trainer Uwe Korte (der am Spielfeldrand zunehmend an seiner Wasserflasche verzweifelte), fand kaum statt. In der 36. Minute erhöhte der 19-jährige Robin Keil auf 2:0. Und weil’s so schön war, legte Allington sieben Minuten später noch einmal nach - nach einem eleganten Steilpass von Luca Barthez. 3:0, und in der 45. Minute sorgte Keil mit seinem zweiten Treffer für das 4:0 zur Pause. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Keil nach Spielschluss, "aber der Ball hat sich wohl gedacht, er geht lieber rein." Fallersleben? Nun ja. Nach zwei Gelben Karten (Nowak in der 18., Sommer in der 38.) und einer Gelb-Roten für besagten Nowak in der 49. Minute war klar: Der Rest des Spiels würde ein Überlebenskampf werden. Und das mit 38 Prozent Ballbesitz und genau einem einzigen Torschuss - von Ernst Völker in der 53. Minute, der dem Ball immerhin so viel Richtung gab, dass Erndtebrücks Torwart Felipe Villar sich einmal kurz bewegen musste. "Wir wollten kompakt stehen", erklärte Korte mit einem Gesichtsausdruck, der zwischen Galgenhumor und Entsetzen schwankte. "Hat halt nicht so ganz funktioniert." In der zweiten Halbzeit nahm Erndtebrück das Tempo kurz raus - vielleicht auch, um die Finger am Glühweinstand nicht erfrieren zu lassen. Doch zwischen Minute 78 und 84 zündeten sie noch einmal das Feuerwerk: Erst traf Barthez nach feinem Solo zum 5:0, dann durfte Innenverteidiger Herbert Hauser nach einer Ecke von Fryer zum 6:0 einköpfen. Das Publikum stand, der Stadionsprecher überschlug sich, und selbst die Ersatzspieler grinsten ungläubig. "Das war heute fast schon unheimlich", sagte Trainer Stuhl nach dem Abpfiff. "Wir hätten wahrscheinlich noch drei machen können, wenn die Jungs nicht irgendwann Mitleid gehabt hätten." Die Statistik untermauert die Dominanz: 24 Torschüsse zu einem, 61 Prozent Ballbesitz, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe. TuS Erndtebrück spielte wie ein Team, das sich in einer höheren Liga beweisen will - präzise Pässe, variabler Aufbau, und selbst beim Stand von 5:0 wurde noch nachgesetzt. Die Gäste hingegen wirkten, als hätten sie versehentlich an einem anderen Spiel teilgenommen. Besonders auffällig war das Zusammenspiel der jungen Offensive um Keil, Barthez und den erst 17-jährigen Mika Aaltonen, der mit mehreren gefährlichen Abschlüssen auf sich aufmerksam machte. "Wir haben Spaß am Spielen", sagte Barthez, "und wenn Ellis vorne alles reinmacht, ist das natürlich leicht." Fallersleben verließ das Stadion mit gesenkten Köpfen, begleitet von einem tapferen Applaus der eigenen rund 20 mitgereisten Fans. Torhüter Maurice Jansen fasste das Desaster treffend zusammen: "Ich hab heute mehr Bälle aus dem Netz geholt als in den letzten drei Spielen zusammen. Das ist auch eine Form von Training." Sigurd Stuhl hingegen gönnte sich nach dem Spiel ein Lächeln, das zwischen Stolz und Genugtuung pendelte. "Wir haben gezeigt, was passiert, wenn wir konsequent bleiben. Aber das nächste Spiel wird sicher schwieriger - hoffentlich für den Gegner." Am Ende bleibt ein Abend, der den TuS-Fans in Erinnerung bleiben dürfte: ein 6:0, das nach Fußballfest roch, nach jugendlichem Leichtsinn und erwachsener Präzision. Und vielleicht auch nach der Erkenntnis, dass an Erndtebrück in dieser Form kaum ein Gegner vorbeikommt. Oder, wie ein Zuschauer beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn die so weitermachen, brauchen die bald ein größeres Stadion - oder Gegner mit Helm und Schild." 17.03.643987 21:37 |
Sprücheklopfer
Wichtig ist, dass er nun eine klare Linie in sein Leben bringt.
Lothar Matthäus zum Kokaingeständnis von Christoph Daum