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Türkiyemspor 1978 zerlegt Pirmasens - ein Abend voller Lehrstunden

Wenn eine Partie schon nach 45 Minuten entschieden ist, dann ist das für den neutralen Zuschauer meist unterhaltsam - für die Heimmannschaft jedoch eine bittere Pille. So geschehen am Donnerstagabend in der Regionalliga B, als der FK Pirmasens vor 3 396 Zuschauern mit 1:5 (0:4) gegen Türkiyemspor 1978 unterging.

Schon nach wenigen Minuten war klar, wer hier den Ton angeben würde. Die Gäste aus Berlin begannen defensiv sortiert, aber mit messerscharfen Kontern. In der 9. Minute zappelte der Ball das erste Mal im Netz: Nelio Valente nahm sich aus rund 18 Metern ein Herz - 0:1. "Ich hab einfach draufgehalten, weil Jerzy mir so schön aufgelegt hat", grinste Valente später. Der zitierte Jerzy Sobolewski nickte daneben nur und meinte trocken: "Das war so geplant. Naja, halb."

Was dann folgte, war eine Lehrstunde in Effizienz. Während Pirmasens mit 40 Prozent Ballbesitz zwar bemüht war, aber kaum Struktur ins Spiel brachte, kombinierte sich Türkiyemspor mit kurzen Pässen, als hätten sie das Spielfeld vermessen. In der 27. Minute erhöhte Radek Danek nach Vorarbeit von Dries Zaman auf 0:2. Vier Minuten später kam es noch dicker: Vratislav Kisel traf zum 0:3 (31.), ehe derselbe Mann in der 39. Minute aus ähnlicher Position nachlegte - 0:4.

"Da war die Messe eigentlich gelesen", seufzte FK-Trainerin Gudrun Schweitzer. "Wir wussten, dass die stark im Umschalten sind, aber dass sie uns so zerlegen, das hat uns überrollt." Ihre Mannschaft wirkte tatsächlich überfordert. Die Passquote stimmte, die Zuordnung jedoch nicht. Als zur Pause die Fangesänge leiser wurden, versuchten sich die Pirmasenser Spieler gegenseitig mit aufmunternden Schulterklopfern Mut zu machen.

Mit Beginn der zweiten Halbzeit stellte Schweitzer auf offensiver ausgerichtetes Spiel um, und siehe da: Kurz nach Wiederbeginn (52.) gelang der Ehrentreffer. Der 19-jährige Vitorino Ramallo traf nach Vorarbeit von Linksverteidiger Samuel Reid - ein Lichtblick in einem ansonsten tristen Abend. "Ich hab den Ball gesehen und gedacht: Das ist mein Moment", sagte Ramallo, der sich später ein Autogramm von seinem Gegenspieler holte - "nur als Erinnerung, dass ich mal gegen so starke Leute gekickt habe."

Doch wer dachte, das Blatt könnte sich wenden, wurde eines Besseren belehrt. Nur fünf Minuten nach dem Heimtor (47.) hatte Kisel bereits wieder zugeschlagen - sein dritter Treffer des Abends. Damit war der Deckel endgültig drauf: 1:5. Der Rest war Schaulaufen und Schadensbegrenzung.

Statistisch unterstrich das Ergebnis die Überlegenheit der Gäste: 19 Torschüsse gegenüber 5, knapp 60 Prozent Ballbesitz, mehr gewonnene Zweikämpfe - und obendrein ein bemerkenswert diszipliniertes Defensivverhalten. Selbst die einzige Gelbe Karte für Türkiyemspor (Jiri Pudil, 22.) war eher ein taktisches Foul als ein Ausrutscher. Auf Pirmasenser Seite sah Kornej Babinow Gelb (73.), vermutlich aus Frust, nachdem er zuvor mehrfach vergeblich versucht hatte, Kisel zu stoppen.

"Wir haben’s einfach genossen", sagte Gästecoach Ata Mramor nach Abpfiff. "Wenn du siehst, dass deine Jungs sogar bei 4:0 noch sprinten, dann weißt du, dass sie Spaß haben." Die Freude war sichtbar: Nach dem Spiel tanzte Kisel mit Valente im Mittelkreis, während Danek seinen Stutzen in Richtung der Fans hob.

Die Stimmung bei den Gastgebern: eher gedrückt. Torwart Dennis Frei schüttelte nach dem fünften Gegentor nur den Kopf und murmelte etwas, das klang wie "Wir hätten heute bis Mitternacht spielen können…". Trainerin Schweitzer nahm’s mit Galgenhumor: "Immerhin haben wir das letzte Tor geschossen. Das ist ja auch was."

Was bleibt, ist eine Erkenntnis: Türkiyemspor 1978 ist nicht nur defensiv clever, sondern offensiv eiskalt - und wenn Kisel in dieser Verfassung bleibt, wird er noch manchen Gegner zur Verzweiflung bringen. Pirmasens dagegen muss sich fragen, wie man nach 19 Torschüssen des Gegners überhaupt noch mit einem 1:5 "davonkommt".

Zum Schluss, als die Flutlichtmasten langsam erloschen, hörte man vom leeren Stehplatzrang noch einen Fan murmeln: "Naja, wenigstens war’s kein Sechserpack." Humor ist, wenn man trotzdem lacht - und genau das tat auch Gudrun Schweitzer beim Hinausgehen. "Wir kommen wieder", sagte sie. Und man nahm es ihr ab.

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26.12.643993 01:45
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Man darf das Spiel doch nicht so schlecht reden wie es wirklich war.
Olaf Thon
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