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Ein Abend voller Emotionen, gelber Karten - und einem Hauch von Chaos: Turbion Mamore siegte am Montagabend in der 1. Liga Bolivien mit 2:1 gegen Pumas Santa Cruz. 21.995 Zuschauer im Estadio Mamore sahen eine Partie, die früh entschieden schien - und dann doch noch einmal gefährlich kippte. Gerade hatten sich die Fans auf ihren Sitzen eingerichtet, da zappelte der Ball schon im Netz der Gäste. In der 2. Minute nutzte Serge Amyot einen Fehler im Aufbauspiel der Pumas, nahm den Pass von Lars Westphal mit der Brust an und drosch den Ball aus zwölf Metern in den Winkel. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Amyot später. Trainer Andre Niesenhaus sah das etwas analytischer: "Wir wollten sie früh stressen - das hat besser funktioniert, als ich zu hoffen wagte." Die Pumas hingegen wirkten, als hätten sie den Anpfiff verschlafen. Gelbe Karten für Vincent Varela (4.) und Guillermo Canalejas (33.) zeugten davon, dass sie eher mit den Nerven als mit dem Ball spielten. "Wir haben uns selbst in Schwierigkeiten gebracht", knurrte Pumas-Kapitän Wolfgang Stahl nach dem Spiel. Turbion Mamore blieb hungrig. Vor der Pause spielte sich die Mannschaft in einen Rausch: Freddie Poe, Xabier Beto und Amyot prüften Keeper Carlos Bischoff gleich mehrfach, ehe in der 44. Minute das 2:0 fiel. Wieder über rechts, wieder mit Tempo: Beto flankte präzise, Elmo Buckhout stieg höher als alle und köpfte ein. "Ich hab nur die Augen zugemacht und gehofft, dass er reingeht", lachte Buckhout, als er später den Spielball im Arm hielt. Mit 2:0 ging’s in die Pause - und ehrlich gesagt, niemand im Stadion glaubte noch an eine Wende. Doch Fußball wäre kein Fußball, wenn es nicht die berühmte zweite Halbzeit gäbe. Die Pumas kamen mit Wut und deutlich mehr Ballbesitz zurück. 54 Prozent standen am Ende zu Buche, doch was nützt das, wenn man ständig in Unterzahl verteidigt? In der 58. Minute verkürzte Duarte Mudarra nach feiner Vorarbeit von Roberto Custodio auf 1:2 - und plötzlich lag wieder Spannung in der Luft. Nur eine Minute später sah Santa Cruz-Trainer sein Team endgültig auf der Kippe: Canalejas, schon verwarnt, ging zu rustikal in ein Duell - Gelb-Rot, Abmarsch! "Ich hab den Ball gespielt", beteuerte der Linksverteidiger später mit leerem Blick. Der Schiedsrichter sah das anders. Ab da war es eine Abwehrschlacht für die Gäste - und ein Geduldsspiel für Mamore. Niesenhaus reagierte, brachte den jungen Luís Carreras für Poe (60.) und später Daniel Otto für Luke Morriss (65.). "Wir wollten das Tempo kontrollieren", erklärte der Coach - was im Klartext hieß: Bloß nichts mehr riskieren. Trotzdem blieb es ein offener Schlagabtausch. Carreras prüfte Bischoff mehrfach (67., 72., 74.), während Pumas trotz Unterzahl durch Jyrki Kallio (80.) und Custodio (85.) noch gefährlich wurden. Als der Schlusspfiff ertönte, fiel Andre Niesenhaus seinem Co-Trainer um den Hals. "Drei Punkte, und keiner verletzt - was will man mehr?", grinste er. Auf der anderen Seite stapfte Pumas-Kapitän Stahl in die Kabine und murmelte: "Wir haben uns selbst geschlagen." Statistisch gesehen war es eine knappe Kiste: 15 Torschüsse für Mamore, 9 für Santa Cruz, dazu ein leichtes Ballbesitzplus für die Gäste. Doch die Effizienz machte den Unterschied. Turbion Mamore spielte offensiv, zielstrebig - und hatte in den entscheidenden Momenten einfach mehr Biss. "Das frühe Tor hat alles verändert", bilanzierte Niesenhaus später trocken. "Manchmal reicht ein guter Start, um den Rest des Abends zu überstehen." Ein Zuschauer auf der Tribüne brachte es auf den Punkt, während er nach Abpfiff sein Bier hob: "Kein schönes Spiel - aber ein schönes Ergebnis." Und schöner kann Fußball für Mamore an diesem Abend wirklich nicht gewesen sein. Denn am Ende zählt nur das, was auf der Anzeigetafel steht: 2:1. Drei Punkte. Und jede Menge Gesprächsstoff für die nächste Trainingswoche. 15.11.643987 20:12 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack