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Der SV Tumlingen hat am Freitagabend ein Torfestival geliefert, das selbst eingefleischte Statistikfreunde zum Schmunzeln brachte. 6374 Zuschauer im Tumlinger Stadion sahen beim 11. Spieltag der 3. Liga Deutschland (2. Div) ein 4:3 (3:1) gegen Weiler im Allgäu - ein Spiel, das mehr Wendungen hatte als ein Tatort-Drehbuch und in dem Brandon Prinsloo endgültig zur lokalen Legende avancierte. Schon nach vier Minuten begann das Spektakel: Daniele Benedetto legte elegant quer, Prinsloo zog ab - und ehe sich Weilers Torwart Costica Rotariu sortieren konnte, zappelte der Ball im Netz. Tumlingen jubelte, die Gästebank suchte noch den Notizblock. Trainer Buddy Brown grinste später: "Wir wollten früh zeigen, dass wir Lust auf Tore haben. Hat geklappt, würde ich sagen." Weiler schüttelte sich kurz und antwortete in Minute 23. Ronald Bertram flankte von rechts, Linus Berger stieg am höchsten und köpfte zum 1:1-Ausgleich. Tumlingens Keeper Jan Kluge sah dem Ball nur hinterher - und murmelte beim Aufstehen angeblich: "Den hab ich im Wind verloren." Doch Tumlingen ließ sich davon nicht beirren. Rechtsverteidiger Julian Gama, sonst mehr für die Linie als für den Strafraum zuständig, zog in der 35. Minute nach innen und traf trocken zum 2:1. "Ich wollte eigentlich flanken", lachte Gama später, "aber wenn der Ball so schön bittet, darf man ja auch mal egoistisch sein." Kurz vor der Pause setzte erneut Prinsloo den Schlusspunkt einer furiosen ersten Halbzeit - wieder nach Vorarbeit von Benedetto, der mit seinen 20 Jahren spielte, als hätte er 200 Drittligaspiele auf dem Konto. 3:1 nach 43 Minuten, Tumlingen jubelte, Weiler wirkte bedient. Doch die Allgäuer kamen mit Wut und Pressing aus der Kabine. Trainer Mino Raiola hatte gleich dreifach gewechselt und offenbar auch die Lautstärke im Teamradio hochgedreht. "Ich hab ihnen gesagt, sie sollen endlich aufwachen", knurrte er später. Und tatsächlich: Erst traf Samuel Erskine (60.), dann wieder Linus Berger (63.) - plötzlich stand es 3:3, und die Heimfans rieben sich die Augen. Die Partie kippte fast zugunsten der Gäste. Weiler presste, Tumlingen schwamm. Daniele Benedetto kassierte Gelb für ein rustikales Foul, Buddy Brown sprang wild gestikulierend an der Seitenlinie herum. "Ich dachte kurz, er zieht gleich selbst das Trikot an", witzelte Ersatzkeeper Petar Petrow nach dem Spiel. Aber dann kam die 73. Minute - und wieder dieser Prinsloo. Nach einem feinen Pass von Danilo Paludi zog der Südafrikaner von links nach innen, ließ zwei Verteidiger stehen und versenkte eiskalt zum 4:3. Tumlingen tobte, Brown riss die Arme hoch, und Weiler blieb nur konsterniertes Kopfschütteln. Die letzten 20 Minuten waren dann ein wilder Ritt. Tumlingen verwaltete mit 54 Prozent Ballbesitz das Geschehen, während Weiler verzweifelt anrannte. Ein letzter Schuss von Ronald Bertram in der Nachspielzeit (91.) strich knapp über die Latte, und Brown atmete hörbar auf. "Ich schwöre, ich hab das Pfeifen des Balles gehört", meinte er mit einem Grinsen. Statistisch war Tumlingen das etwas aktivere Team: 12 Torschüsse gegenüber 7 bei Weiler, eine Zweikampfquote leicht über 52 Prozent - keine Dominanz, aber genug, um am Ende die Punkte daheim zu behalten. Für Weiler bleibt vor allem die Erkenntnis, dass Linus Berger mit seinen zwei Treffern in bestechender Form ist, aber auch, dass Abwehrarbeit keine Kür ist. Trainer Raiola fasste es trocken zusammen: "Wir haben offensiv gespielt, aber leider auch defensiv." In Tumlingen hingegen wurde gefeiert, als hätte man den Aufstieg eingetütet. Prinsloo, dreifacher Torschütze, wurde noch lange nach Abpfiff gefeiert. "Ich wollte einfach Spaß haben heute", sagte er, während ihm ein Fan einen Schal umlegte. "Und wenn Spaß Tore bringt, dann bitte gern öfter." Ein sarkastischer Reporter‑Kollege murmelte auf der Pressetribüne: "Wenn Tumlingen so weitermacht, müssen wir bald über Champions‑League‑Rechte reden." Nun ja - ein Schritt nach dem anderen. Aber an diesem Abend gehörte die 3. Liga ganz klar dem SV Tumlingen und seinem lächelnden Dreifachtorschützen. Und irgendwo auf der Bank von Weiler im Allgäu wünschte sich Mino Raiola wohl, er hätte einfach defensiv angefangen. 22.09.643990 17:19 |
Sprücheklopfer
Ich werde einen Teufel tun und Ewald widersprechen. Der Ewald hat sich ja alles ganz genau notiert.
Felix Magath über eine Spielanalyse von Ewald Lienen