Anpfiff
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TSV Rain zerlegt Hagenow - Irwin-Brüder tanzen im Dauerregen

Was als Fußballspiel begann, endete als Lehrstunde in Effizienz und Spielfreude: Der TSV Rain fegte am Freitagabend bei AWO Hagenow mit 5:0 (4:0) über den Platz - und das, obwohl die Gastgeber vor 5750 Zuschauern eigentlich mit breiter Brust auftreten wollten. Am Ende konnten sie froh sein, dass Schiedsrichter Bender pünktlich abpfiff.

Schon nach wenigen Minuten war klar, dass der Regenschauer über Hagenow nicht nur meteorologisch gemeint war. TSV Rain brachte eine Offensivwelle nach der anderen in den Strafraum - und die Irwin-Brüder, Connor und John, spielten Katz und Maus mit der überforderten Hagenower Hintermannschaft. In der 18. Minute klingelte es zum ersten Mal: Connor Irwin, der linke Flügelflitzer mit dem Gesicht eines Chorknaben und der Kaltschnäuzigkeit eines Straßenfußballers, traf nach einem Solo, das man eigentlich nur aus Videospielen kennt.

"Ich hatte das Gefühl, die haben alle auf einen Pfiff gewartet, der nie kam", grinste Connor nach dem Spiel. "Dann dachte ich: Na gut, wenn keiner was macht, mach ich’s halt selbst."

Nur neun Minuten später tanzte er wieder durch die Abwehr, diesmal nach feinem Zuspiel seines Bruders John - 0:2, und die Hagenower Fans begannen, sich für die Halbzeitpause warme Getränke zu wünschen.

Aber Rain hatte noch lange nicht genug. In der 30. Minute legte Luís Diez nach, der rechte Sturmkollege Connors, nach Vorlage von Mittelfeldmotor Vitorino Frechaut. Zwei Minuten später war es wieder Diez, der einen Abpraller kompromisslos unter die Latte hämmerte. 0:4 nach 32 Minuten - und Trainer Martin Schmittel von AWO Hagenow stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, als wolle er sich selbst daran hindern, in den Kabinentrakt zu flüchten.

"Wir wollten eigentlich kompakt stehen", murmelte Schmittel später in der Pressekonferenz, "aber offenbar war das Wort ’kompakt’ für meine Jungs heute ein Fremdwort."

In der zweiten Halbzeit schaltete Rain einen Gang zurück - nicht aus Gnade, sondern weil sie es konnten. Hagenow kam nun wenigstens zu ein paar Torschüssen (insgesamt sechs), doch TSV-Keeper Miguel Coluna parierte alles, was in seine Richtung kam. Die Gäste hatten mit 58 Prozent Ballbesitz und 20 Torschüssen die Statistik klar auf ihrer Seite.

Die einzige Gelbe Karte für Rain sah in der 28. Minute Rechtsverteidiger Silvestre Couto, der offenbar vergessen hatte, dass Grätschen von hinten auch im Regen nichts Romantisches hat. Hagenows Innenverteidiger Thomas Haas revanchierte sich in der 49. Minute mit einer eigenen Verwarnung - sinnbildlich für den Frust, der sich in den Reihen der Gastgeber breitgemacht hatte.

Schmittel reagierte spät, brachte in der 65. Minute Marcel Wolff für den glücklosen Deha Parlak, später Daniel Greiner für Marco Giorgio. Die Einwechslungen änderten wenig an der Marschrichtung: Rain spielte weiter wie ein Team, das selbst im Schlaf Kombinationen trainiert.

In der 88. Minute setzte Connor Irwin den Schlusspunkt. Wieder war es Frechaut, der mit einem perfekten Pass die Lücke fand. Irwin nahm den Ball an, lupfte ihn über den herausstürzenden Keeper Helmut Schultz - und grinste beim Jubel, als hätte er gerade ein Kunstwerk vollendet. 0:5, und diesmal applaudierten sogar einige Hagenower Zuschauer - aus Respekt vor der Darbietung.

"Wenn man so einen Tag hat, läuft einfach alles", sagte Rain-Trainer Patrick Müller nach der Partie. "Ich musste eigentlich gar nichts mehr sagen. Ich habe mir in der 60. Minute einen Tee geholt und gedacht: Lasst sie einfach spielen."

Ganz anders die Gefühlslage bei Schmittel: "Wir müssen jetzt aufstehen und weitermachen. Oder uns wenigstens hinsetzen und überlegen, warum wir nicht aufgestanden sind."

Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: 20:6 Schüsse, 58:42 Prozent Ballbesitz, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe für den TSV Rain. AWO Hagenow hatte Momente, die man mit viel Wohlwollen als "mutige Versuche" bezeichnen konnte - etwa den Distanzschuss von Louis Böttcher in der 8. Minute, der allerdings mehr zur Balljagd auf der Tribüne führte als zu Torgefahr.

Selbst die Ordner am Spielfeldrand mussten sich das Schmunzeln verkneifen, als ein Fan rief: "Lasst uns wenigstens einen Eckball feiern!"

Am Ende blieb Hagenow nur der Trost, dass es in dieser Liga immer ein nächstes Spiel gibt - und vielleicht ein Gegner, der nicht Irwin heißt.

Oder, wie ein älterer Zuschauer beim Hinausgehen murmelte: "Wenn’s schon regnet, dann wenigstens mit Stil - und der kam heute eindeutig aus Rain."

20.12.643987 21:00
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Man soll auch die anderen Mannschaften nicht unter dem Teppich kehren lassen.
Olaf Thon
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