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Es gibt Spiele, bei denen man schon nach wenigen Minuten ahnt, wie der Abend enden wird. Das Duell zwischen Trinca Irapuato und Plateado Sinaloa am 6. Spieltag der 2. Liga Mexico war genau so eines. 34.288 Zuschauer im Estadio Irapuato sahen eine Vorstellung, die man als Lehrfilm über Spielfreude, Effizienz und jugendliche Unbekümmertheit archivieren könnte - wenn man denn Fan der Gastgeber ist. Für die Gäste aus Sinaloa war es dagegen ein 90-minütiger Albtraum in Zeitlupe: 4:0 hieß es am Ende, und ehrlich gesagt war das noch schmeichelhaft. Trainer Janos Ginsten hatte seine Mannschaft perfekt eingestellt: "Wir wollten von Anfang an Druck machen, aber ohne in Hektik zu verfallen", erklärte der Coach später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Stolz und Überraschung pendelte. Seine Elf setzte das souverän um. Schon in der 4. Minute prüfte Antonio Frechaut den gegnerischen Keeper Andre Bosworth mit einem ersten Warnschuss - ein Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte. In der 17. Minute war es dann soweit: Rui Tonel, der quirlige Rechtsaußen mit dem ewigen Grinsen, verwertete eine butterweiche Flanke von Frechaut zum 1:0. Während der Ball noch im Netz zappelte, reckte Tonel die Arme in den Abendhimmel, und man hörte ihn später sagen: "Ich wollte eigentlich flanken. Aber manchmal hat der Fußball eben Humor." Ein gelungener Auftakt für Trinca Irapuato, der Rest der ersten Halbzeit war kontrolliertes Dominieren - 53 Prozent Ballbesitz, zahlreiche Chancen, aber kein weiteres Tor. Nach der Pause drehte Irapuato dann auf wie ein gut geölter Motor. In der 51. Minute erhöhte Julien Madigan auf 2:0, nach mustergültiger Vorarbeit von Joshua MacBean. Der 20-jährige MacBean, der mit seinem roten Stirnband und seiner unerschütterlichen Energie ohnehin auffiel, grinste nach dem Treffer: "Ich hatte eigentlich gar keine Luft mehr zum Passen. Aber Julien hat mich so böse angeschaut - da musste ich!" Zehn Minuten später folgte das 3:0 durch Vincenzo Talao, der aus spitzem Winkel traf, nachdem Madigan ihm den Ball auf dem Silbertablett serviert hatte. Das Stadion tobte, der Trainer klatschte, und selbst der Linienrichter wirkte kurz, als wolle er mitjubeln. Den Schlusspunkt setzte erneut ein junger Wilder: In der 71. Minute traf Joshua MacBean selbst - ausgerechnet nach Vorlage von Mario Vazques, der zuvor einige Male unglücklich abgeschlossen hatte. "Ich hab ihm gesagt: Schieß du mal", verriet Vazques später mit einem Augenzwinkern. "Er hört ja sonst nie auf mich." Während Trinca Irapuato eine Angriffswelle nach der anderen rollte, schien Plateado Sinaloa zunehmend den Glauben zu verlieren. Zwar hatten sie mit Jacob Edwards (64. und 72. Minute) und Carlos Gomes (77.) noch ein paar halbherzige Torschüsse, doch Torhüter Xavi Ruy im Irapuato-Kasten verbrachte einen der ruhigeren Abende seiner Karriere. Einzig einmal - in der 43. Minute durch Michael Burton - musste er sich richtig strecken. "Wir waren heute einfach nicht da", murmelte Sinaloas Trainer nach dem Spiel, während er demonstrativ die Hände in die Taschen steckte. "Aber wenigstens wissen wir jetzt, wie man es nicht macht." Immerhin gab es noch ein paar gelbe Karten, um die Statistik aufzuhübschen: Sergio Vico für Irapuato nach einem rustikalen Einsteigen (58.) und Connor McAteer für Sinaloa in der Nachspielzeit - gewissermaßen der Schlusspunkt in einem Spiel, das längst entschieden war. Statistisch gesehen war es eine klare Sache: 14:6 Torschüsse für die Hausherren, 54 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 53 Prozent Ballbesitz - und, wichtiger als alles andere, vier blitzsaubere Treffer. "Das war heute Teamfußball vom Feinsten", bilanzierte Trainer Ginsten. "Wenn die Jungs so weitermachen, müssen wir uns nächste Woche eher über Sonnencreme als über Taktik unterhalten." Und wirklich: Dieses Irapuato wirkt wie ein Team, das gerade entdeckt hat, wie schön es ist, Fußball zu spielen. Schnell, kreativ, mit Spielfreude und einem Schuss jugendlicher Frechheit. Plateado Sinaloa hingegen wirkte, als hätte man ihnen den Ball heimlich mit Sekundenkleber an den Schuh geheftet - viel Kontakt, wenig Bewegung. Als die Fans nach dem Schlusspfiff noch minutenlang sangen und die Spieler winkend in die Kabine verschwanden, blieb das Gefühl: Hier wächst etwas. Vielleicht kein Meisterteam - aber eine Mannschaft, die verstanden hat, dass Leidenschaft manchmal mehr wert ist als jede Statistik. Oder, wie Rui Tonel es beim Rausgehen formulierte: "Vier Tore sind schön. Aber das Lächeln vom Trainer - das war das fünfte." 18.03.643987 00:18 |
Sprücheklopfer
Hoch gwinnen wern ma nimma.
Toni Polster in der Halbzeitpause des Länderspiels Spanien gegen Österreich beim Spielstand von 5:0 (Endstand 9:0 für Spanien)