Außenseiter
+++ Sportzeitung für Deutschland +++

Travassos trifft früh - Essen ringt Bayern Hof nieder

Rot-Weiss Essen hat am 10. Spieltag der Oberliga H einen knappen, aber verdienten 1:0-Heimsieg gegen Bayern Hof eingefahren. Vor 3.801 Zuschauern an der Hafenstraße reichte ein früher Treffer von Miguel Travassos, um drei Punkte einzufahren - und das trotz eines Ballbesitznachteils und einer zweiten Halbzeit, die eher an einen Geduldstest als an Spektakel erinnerte.

Schon in den ersten Minuten machte die junge Essener Mannschaft klar, dass sie trotz ihrer jugendlichen Frische keine Scheu vor großen Namen hat. Bereits in der 2. Minute zog Nelson Ramallo erstmals gefährlich ab. Ein Warnschuss, der die Richtung vorgab: Essen wollte. Und Essen konnte.

In der 16. Minute dann der Moment, der das Spiel entschied: Rechtsverteidiger John Longfellow, offenbar mit Flügeln ausgestattet, tankte sich über die rechte Seite durch und flankte punktgenau auf Travassos. Der 18-Jährige nahm den Ball direkt und versenkte ihn trocken ins rechte Eck - 1:0. Der Jubel war laut, aber kurz. Trainer Luca Orlando brüllte seine Jungs sofort zurück in die Ordnung. "Wir wollten gar nicht zu euphorisch werden", grinste er nach dem Spiel. "Bei uns führt zu viel Freude manchmal zu Chaos."

Essen blieb offensiv, fast stur offensiv. Die Taktik war von Anfang an auf Angriff gestellt - "OFFENSIVE", wie es das Datenblatt trocken ausdrückt, aber auf dem Platz war es eher "Alles nach vorn, Jungs!". Travassos, Ramallo und Harrington wirbelten, Henrique und Richter schoben aus der Mitte nach. Bayern Hof dagegen wirkte, als hätten sie den Bus in der Kabine vergessen - defensiv zwar bemüht, aber oft zu spät.

Trotz 55 Prozent Ballbesitz fand Hof kaum Wege nach vorne. Zwei Torschüsse in 90 Minuten - das ist weniger Angriff als höfliches Anklopfen am Strafraum. Essens Torwart Petri Rautiainen hätte sich eine Decke und ein Buch mitbringen können.

Nach der Pause wurde das Spiel zäher. Essen schoss weiter aus allen Lagen - insgesamt 19 Mal, statistisch also rund alle fünf Minuten ein Versuch. Nur eben kein zweiter Treffer. "Wir hätten das Ding längst zumachen müssen", schimpfte Orlando, "aber meine Jungs wollten’s wohl spannend halten."

Bayern Hofs Trainer Samih Uresen sah das naturgemäß anders: "Wir waren geduldig. Vielleicht zu geduldig." Spätestens nach den Gelben Karten für Eder (49.), Busch (50.) und Binder (75.) schien Geduld aber das Einzige zu sein, was noch übrig blieb. Raphael Franz holte sich in der 81. Minute ebenfalls Gelb - und damit die symbolische Krönung einer ziemlich ruppigen Schlussphase.

Ein seltenes Aufbäumen der Gäste gab es in der 62. Minute, als Tim Eder plötzlich frei vor Rautiainen auftauchte. Der Finne im Essener Tor blieb jedoch cool, wie er später lachend erzählte: "Ich dachte, das ist Training - so frei steht bei uns im Spiel normalerweise keiner."

In der 83. Minute versuchte es Pierre Hubbert nochmal, doch auch sein Schuss landete in den sicheren Armen des Esseners. Danach kam nur noch Zeitspiel und Wechselroutine: Thuringer für Henrique, Densham für Sentürk, Repetto für Harrington - alle zwischen der 66. und 69. Minute. Uresen verzichtete auf Veränderungen; vielleicht aus Hoffnung, vielleicht aus Ratlosigkeit.

Als Schiedsrichterin Susanne Kröger nach 96 Minuten endlich abpfiff, war der Jubel bei den Rot-Weissen groß. Travassos wurde umringt, während Longfellow sich verschmitzt eine Cola aus der Kabine holte. "Ich hab den Ball einfach reingeworfen", witzelte er, "aber psst, das bleibt unter uns."

Statistisch war’s ein klarer Fall: 19:2 Torschüsse, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Essen. Nur beim Ballbesitz lag Hof vorn, was aber eher daran lag, dass sie hinten quer spielten, als dass sie etwas kreierten.

Für Essen war es ein Sieg der Moral - und des jugendlichen Übermuts. Trainer Orlando fasste es treffend zusammen: "Wir sind jung, wild und manchmal naiv. Aber hey - 1:0 ist 1:0."

Und so ging ein kalter Februarabend an der Hafenstraße mit warmen Herzen zu Ende. Ein Spiel, das vielleicht kein Fußballmärchen war, aber doch eine ehrliche Geschichte: von Mut, Laufbereitschaft und einem 18-Jährigen, der an diesem Abend der Held von Essen wurde.

Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen murmelte: "Die Jungs da vorne, die machen’s wenigstens spannend. Früher hat man ja auch nicht immer 5:0 gewonnen." Recht hat er. Manche Siege sind kleiner - aber dafür umso schöner.

11.09.643990 02:07
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Der Dieter Hoeneß hat die Glatze noch ganz nass gehabt. Da geht es um 30 bis 35 Millionen. Das ist Monopoly original.
Rainer Calmund zur großen Bedeutung der Partie zwischen Hertha und Leverkusen in der Saison 2000/2001
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager