Anpfiff
+++ Sportzeitung für Deutschland +++

Torloser Sturm: Racing Club GE verzweifelt an Tuggen

5779 Zuschauer erlebten am Mittwochabend im Stade de la Jonction ein merkwürdig intensives 0:0 zwischen Racing Club GE und dem SC Tuggen - ein Spiel, das in seiner Absurdität beinahe poetisch war. Racing stürmte, kombinierte, flankte, drosch - und fand doch keinen Weg vorbei an einem Tugger Beton, der eher nach altem Bunker als nach Abwehrkette roch.

Trainer Truthan Trainer (ja, er heißt wirklich so, und ja, er ist der Coach von Racing Club GE) stand nach 94 Minuten an der Seitenlinie, Hände in den Taschen, und grinste schief: "Wir hätten noch bis Mitternacht spielen können - der Ball wäre trotzdem nicht reingegangen."

Dabei hatte seine Mannschaft alles versucht. Schon in der 4. Minute prüfte Robert Kinmont den Tugger Keeper Stefan Belanger mit einem satten Schuss - ein Vorgeschmack, dachte man. Zehn Minuten später wieder Kinmont, dann Johann Benz, dann Patryk Wasilewski, dann wieder Benz, dann Rune Halvorsen. Der Ballbesitz? 50,1 Prozent für Racing, also nahezu Ausgleich - doch die Zahlen lügen. Das Spiel fand praktisch ausschließlich in der Tugger Hälfte statt.

Belanger, der Torwart, wuchs über sich hinaus. In der 33. Minute fischte er einen Benz-Schlenzer aus dem Winkel, als wolle er sagen: "Nicht heute, Freunde." In der 59. Minute war es dann Wasilewski, der nach feiner Vorarbeit von Haupt den Ball aus fünf Metern übers Tor jagte. Der Ball verließ das Stadion, man munkelt, er wurde in einem nahen Park wiedergefunden.

SC Tuggen? Nun, sie waren da. Offiziell zumindest. Zwei Torschüsse in 90 Minuten - beide in der Schlussphase, beide so überraschend, dass selbst die heimischen Balljungen kurz zögerten. Claude Ulrich in der 88. Minute zwang Olivier Benoist im Racing-Tor zu seiner einzigen echten Parade. "Ich war froh, dass ich auch mal was zu tun bekam", scherzte der 18-jährige Keeper später. "Sonst wäre mir fast kalt geworden."

Das Spiel hatte auch seine ruppigen Momente. Gleich fünf Gelbe Karten für Tuggen - Devereux, Rochefort, Gariepy, alle mit robustem Körpereinsatz. Auch Racing durfte zweimal Gelb sehen: Kian Kinmont gleich nach der Pause, Bruder Robert Featherstone (nicht verwandt, aber zufällig gleiches Trikot) in der 74. Minute. Linksverteidiger Mathias Eder legte in der 77. nach, was Trainer Truthan später charmant als "leidenschaftliche Verteidigung des Nullers" bezeichnete.

Und doch: Trotz 15:2 Torschüssen, trotz 58 Prozent gewonnener Zweikämpfe, trotz allem Laufen, Drängen, Hoffen - es blieb beim 0:0. "Vielleicht hätten wir einfach das Tor etwas größer machen sollen", murmelte Wasilewski beim Verlassen des Platzes. Kinmont, der drei Riesenchancen vergab, grinste gequält: "Ich hab das Gefühl, der Ball war heute rund, aber das Tor sechseckig."

Tuggen hingegen feierte das Unentschieden wie einen Sieg. Trainer Rolf Wanner (der Mann, der die Defensive offenbar mit Betonmischern trainiert) klopfte jedem Spieler einzeln auf die Schulter. "Wir wollten kompakt stehen", sagte er mit ernster Miene. "Und das ist uns gelungen. Sehr kompakt. Vielleicht zu kompakt, um überhaupt zu spielen, aber was soll’s."

Den lautesten Applaus bekam am Ende Torwart Belanger. "Er war heute unser bester Stürmer", witzelte Kollege Ulrich, "weil er uns das 0:0 gerettet hat."

In der Nachspielzeit versuchte Racing noch einmal alles: Kinmont in der 92., Wasilewski zweimal in der 93. und 94. Minute - aber immer war ein Bein, ein Handschuh oder einfach Pech dazwischen. Das Publikum seufzte kollektiv, als der Schlusspfiff ertönte.

Vielleicht war es kein großes Fußballfest - aber sicher eines dieser Spiele, über die man beim nächsten Training noch lacht. Oder flucht. Oder beides.

"Wir nehmen den Punkt und das Gefühl, eigentlich hätten’s drei sein müssen", resümierte Truthan Trainer und zuckte mit den Schultern. "Aber immerhin haben wir gezeigt, dass wir 15 Mal aufs Tor schießen können, ohne zu treffen. Das schafft auch nicht jeder."

Und so ging ein Abend zu Ende, an dem Racing Club GE alles tat, außer Tore zu schießen - und der SC Tuggen alles tat, um das zu verhindern. Mit Erfolg.

Vielleicht war das 0:0 am Ende gerecht - aber sicher war es das lauteste, aktivste und ironischste 0:0, das die 3. Liga Schweiz in dieser Saison gesehen hat.

18.06.643987 15:22
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Jens Jeremies erinnert mich an den jungen Lothar Matthäus.
Lothar Matthäus
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager