Außenseiter
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Torlos, aber nicht trostlos: Pirmasens verzweifelt an Leipzigs Mauer

3460 Zuschauer im fröstelnden Sportpark Pirmasens sahen am Samstagabend ein 0:0 der besonderen Sorte - eines, das gleichzeitig frustrierte, faszinierte und den Torhüter von Blau-Weiß Leipzig zu einem kleinen Helden machte. Während FK Pirmasens einen Sturmlauf nach dem anderen startete, buddelten sich die Gäste aus Sachsen tief ein - so tief, dass man vermuten konnte, Trainer Rainer Neuhaus habe vor dem Spiel Schaufeln verteilt.

Von Beginn an spielte die Mannschaft von Gudrun Schweitzer mit offenem Visier. Bereits in der sechsten Minute prüfte Alex Coviello den Leipziger Keeper Linus Keller mit einem satten Schuss aus 14 Metern - der Auftakt zu einem einseitigen Belagerungsszenario. Nur zwei Minuten später versuchte es der junge Noah Specht gleich dreimal - in der 7., 9. und 10. Minute - und ließ den Torhüter jedes Mal heldenhaft aussehen. "Ich dachte irgendwann, der Ball will einfach nicht rein", seufzte Specht später mit einem gequälten Lächeln.

Pirmasens kombinierte, drückte, spielte Passfolgen zum Zungeschnalzen. 20 Torschüsse standen am Ende auf dem Zettel der Statistiker - gegenüber einem einzigen Versuch der Leipziger, der ausgerechnet von Innenverteidiger Günther Sturm kam. "Wir wollten zeigen, dass wir uns auch mal trauen", grinste Sturm nach dem Spiel, während Neuhaus ihn streng ansah.

Taktisch war das Ganze ein Schachspiel mit ungleichen Figuren: Schweitzer ließ offensiv und mit Kurzpassspiel agieren, während Neuhaus’ Elf in stoischer Ruhe ihr defensives Bollwerk hielt. Kein Pressing, kein Risiko - und kein Platz für Ästhetik. "Schön war’s nicht", gab Neuhaus ehrlich zu, "aber manchmal ist Fußball eben kein Ballett."

Die erste Halbzeit endete torlos, doch keineswegs ereignislos. Leipzigs Innenverteidiger Luis Vollmer sah nach einem rustikalen Einsteigen gegen Dani Tabenkin früh Gelb (12.), und spätestens da war klar, dass Blau-Weiß den Beton anrührte. Pirmasens wollte, Leipzig konnte - und Keller hielt.

Nach der Pause ging es weiter im gleichen Takt: Coviello, Specht, Dotschew, Tabenkin - jeder durfte mal, keiner traf. In der 47. Minute brachte Schweitzer mit Archie MacAlister frische Energie für Hugo Alves, der erschöpft von den ständigen Läufen über die linke Seite wirkte. "Ich habe gefühlt mehr Kilometer gemacht als der Linienrichter", scherzte Alves beim Abgang.

Das Leipziger Spiel blieb ein Muster an Defensive. Selbst als Tom Korn (59.) und später Ralph Fuhrmann (88.) Gelb sahen, veränderten die Gäste ihre stoische Haltung nicht. "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn ihr schon keine Tore schießt, dann wenigstens keine reinlassen", erzählte Neuhaus später mit einem Augenzwinkern.

Pirmasens hatte indes in der Schlussphase Chancen im Minutentakt. Coviello versuchte es in der 73., 75. und 83. Minute, doch Keller hielt, flog, fauchte und griff in aller Seelenruhe nach dem Ball, als hätte er einen gemütlichen Sonntag im Park. Selbst als in der 91. Minute der eingewechselte Alexander Satchmore noch einmal aus spitzem Winkel abzog, blieb es beim 0:0.

Trainerin Schweitzer versuchte das Positive zu sehen: "Wir haben alles getan außer treffen. Wenn wir weiter so spielen, platzt der Knoten bald - vermutlich mit einem lauten Knall." Neben ihr nickte Coviello und fügte trocken hinzu: "Oder mit einem Eigentor, wenn’s sein muss."

Am Ende blieb Pirmasens mit 48,6 Prozent Ballbesitz leicht unterlegen, aber im Abschluss deutlich überlegen. Leipzig hingegen brachte in 90 Minuten mehr Zeit in der eigenen Hälfte zu als jeder Yoga-Kurs in der Stadt. Der eine Schuss auf das Tor des FK - ein harmloser Versuch von Sturm in der 16. Minute - war eher eine Erinnerung daran, dass auch die Gäste theoretisch am Spiel teilnahmen.

Der Schlusspfiff brachte sowohl Erleichterung als auch Ratlosigkeit. Leipzig jubelte, als hätte man gewonnen, Pirmasens schlich vom Platz, als hätte jemand die Tore abgeschraubt. Für die Zuschauer blieb immerhin das Gefühl, ein kämpferisches Spiel gesehen zu haben - und einen Torhüter, der wohl noch heute Nacht von fliegenden Bällen träumt.

"Wenn du 20 Mal aufs Tor schießt und nichts passiert, musst du entweder lachen oder weinen", sagte Schweitzer zum Schluss. "Ich hab mich für Lachen entschieden. Aber nächste Woche möchte ich bitte wieder Tore sehen - egal von wem."

Ein 0:0, das keiner so schnell vergessen wird - weil es zeigte, dass Fußball auch ohne Tore Geschichten schreiben kann. Und manchmal sind es die Torhüter, die dabei die schönsten Kapitel verfassen.

07.11.643990 23:26
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