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Manchmal erzählt ein 0:0 mehr Geschichten als ein Torfestival - zumindest, wenn 40.000 Zuschauer im Londoner Norden kollektiv zwischen Hoffnung, Verzweiflung und leichtem Spott pendeln. Beim Duell zwischen den London Gunners und dem FC Millwall am 21. Spieltag der 1. Liga England war alles dabei: Tempo, Chancen, Gelbe Karten - nur keine Tore. Schon nach drei Minuten deutete Jose Suarez an, dass er heute gern den Helden gegeben hätte. Sein Schuss rauschte knapp über die Latte, begleitet vom erleichterten Seufzen der Gäste und einem ironischen Applaus von der Haupttribüne. "Ich schwöre, der Wind hat den Ball hochgezogen", grinste Suarez später - eine Ausrede, die wohl nur bei Windstärke 8 durchgeht. Doch Millwall ließ sich nicht lange bitten. Elliot Lockwood prüfte in der fünften Minute den Gunners-Keeper Dorian Verguts, der mit einer Hand zur Ecke lenkte. Es war der Beginn eines Spiels, das in seiner Symmetrie fast schon mathematisch wirkte: Zehn Torschüsse auf jeder Seite, annähernd 50 Prozent Ballbesitz für beide. Statistiker hätten ihre Freude gehabt, Romantiker weniger. In der 17. Minute zog Adam Ross ab - vorbei. In der 18. antwortete Millwalls Tyler Boyle - auch vorbei. Zwischen der 25. und 33. Minute dann eine kleine Schussorgie: Daniel Darabont, Riley Charpentier, Noah Clancy für Millwall, danach Lewis MacLaren gleich dreimal für die Gunners. Trainer Mario Roth trommelte währenddessen nervös auf die Coachingzone ein. "Wenn wir wenigstens das Tornetz treffen würden, wäre das ein Fortschritt", murmelte er Richtung Bank, halb scherzhaft, halb verzweifelt. Zur Pause stand es 0:0, aber langweilig war es nicht. Beide Teams spielten im Grunde denselben Fußball - ausgewogen, fleißig, aber ohne Risiko. London hielt sich an Roths "balanced"-Mantra, Millwall-Coach Sonny Crocket ließ seine Jungs mit "starker Aggressivität" anlaufen, was in der Praxis bedeutete: viel Körpereinsatz und zwei gelbe Karten. Bradley Crichton sah in der 74. Minute Gelb, Joel Satchmore zog acht Minuten später nach, ehe er kurz darauf ausgewechselt wurde. Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte: mit einem Schuss - diesmal Jay Densham in der 46. Minute, dann Lionel Manu in der 47. Beide Male hielt der junge Millwall-Keeper Ethan Caviness stark. "Ich hab mir einfach gedacht: Bitte nicht heute", sagte Caviness nach dem Spiel und grinste, "mein Vater ist Arsenal-Fan." In der 55. Minute wieder Suarez, diesmal flach aufs rechte Eck - Caviness erneut da. Wer so oft den Ball aufs Tor bringt und trotzdem kein Tor erzielt, könnte meinen, er sei in einem alten Gunners-Fluch gefangen. Und tatsächlich: Das Publikum murmelte schon über "die ewige Null". Millwall hatte in der Schlussphase noch einmal Oberwasser. Daniel Darabont (67.), Tyler Boyle (80.), Noah Clancy (82.) und Christopher Thackeray (84.) schossen, was das Zeug hielt. Doch der Ball wollte einfach nicht ins Netz. Dorian Verguts flog, hechtete, brüllte - und hielt. "Ich hab mich gefühlt wie in einem Handballspiel", lachte der Keeper später, "nur dass keiner getroffen hat." Als in der 96. Minute Lewis MacLaren noch einmal aus 18 Metern abzog, hielt das ganze Stadion den Atem an. Der Ball zischte über die Latte, Roth warf die Arme hoch - und dann war Schluss. Null zu Null. Eine gerechte Punkteteilung, wenn man es freundlich ausdrückt. Oder, wie ein Zuschauer beim Verlassen des Stadions meinte: "Das war wie ein Date, bei dem beide höflich bleiben, aber keiner küsst." Mario Roth zeigte sich nach dem Spiel pragmatisch: "Wir haben stabil gestanden, das war wichtig. Tore? Die kommen schon noch." Sonny Crocket hingegen grinste breit: "Ein Punkt bei den Gunners ist nie schlecht. Und wir haben immerhin keine Geschenke verteilt." So bleibt am Ende ein Spiel, das in seiner Ausgeglichenheit fast schon meditativ wirkte. 40.000 Menschen, zehn Schüsse pro Team, zwei Gelbe Karten, kein Tor - und doch jede Menge Gesprächsstoff. Oder wie der Stadionsprecher beim Abpfiff trocken meinte: "Danke fürs Kommen - und fürs Hoffen." Ein Satz, der das Gefühl des Abends wohl besser beschreibt als jede Statistik. 19.09.643987 04:30 |
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Der Serbe an sich ist leichtsinnig im Umgang mit Chancen.
Lothar Matthäus