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Torlos, aber nicht leblos - Emsdetten verzweifelt an Lübecks Bollwerk

Ein 0:0 kann manchmal lauter krachen als ein 4:3. Und wenn 1.858 Zuschauer an einem frostigen Februarabend in Lübeck in ihre Schals murmeln, dass "wenigstens der Glühwein warm war", dann weiß man: Es war ein Spiel, das man nicht so schnell vergisst - oder lieber doch. Dornbreite Lübeck und Borussia Emsdetten trennten sich am 11. Spieltag der Landesliga 19 torlos, aber nicht tatenlos.

Von Beginn an legten die Gäste aus Emsdetten los, als wollten sie den Ball samt Netz in die Ostsee befördern. Schon in der zweiten Minute prüfte Mirko Dembinski den Lübecker Keeper Marwin Berndt mit einem Schuss, der die Handschuhe des Torwarts zum Qualmen brachte. Berndt, ein Fels in der Brandung, brüllte anschließend seine Abwehr zusammen: "Leute, das hier ist kein Trainingsspiel!" - und man glaubte ihm aufs Wort.

Emsdetten kam in den ersten 45 Minuten zu sage und schreibe neun Torschüssen, während Dornbreite sich eher auf elegantes Verteidigen und gelegentliche Befreiungsschläge spezialisierte. Besonders auffällig: der 18-jährige Joseba Corona, der zwischen der 17. und 61. Minute gefühlt im Minutentakt schoss, als gäbe es extra Punkte für Zielstrebigkeit. Leider blieb der Lohn aus. "Ich weiß auch nicht, vielleicht war das Tor heute einfach kleiner", grinste Corona nach der Partie mit einem Schulterzucken, das irgendwo zwischen jugendlicher Unbekümmertheit und echter Frustration lag.

Lübeck dagegen konzentrierte sich aufs Wesentliche - das Verhindern von Gegentoren. Mit nur drei eigenen Torschüssen über 90 Minuten war der Angriff eher Zierde als Waffe. In der 27. Minute hatte Günter Adam eine der seltenen Gelegenheiten, als er sich aus 20 Metern ein Herz fasste. Der Ball rauschte aber knapp über die Latte, und ein älterer Herr auf der Haupttribüne rief trocken: "Na ja, wenigstens hat’s mal gewackelt!"

Nach der Pause änderte sich das Bild kaum: Emsdetten drückte, Dornbreite hielt stand. Die Gäste hatten mit 58 Prozent Ballbesitz und 14 Schüssen eindeutig mehr vom Spiel, aber weniger vom Glück. Selbst als Trainer Nico Wolf in der 62. Minute gleich dreifach wechselte - Thomas Meister kam für den jungen Montanes, Mark Winter ersetzte Corona und Julius Simon für Carl Haupt - blieb der ersehnte Treffer aus. "Wir haben alles versucht, aber der Ball wollte einfach nicht rein", seufzte Wolf später. "Vielleicht hätten wir noch bis Mitternacht spielen müssen."

Die Lübecker Defensive, angeführt von Gerhard Haas und Zsolt Bratu, kämpfte aufopferungsvoll. Keeper Berndt wuchs mehrfach über sich hinaus, besonders in der 71. Minute, als Ignati Warlamow aus spitzem Winkel abzog - und Berndt im Superman-Stil den Ball aus dem Winkel fischte. "Ich hab nur gehofft, dass keiner sieht, wie ich danach fast umgefallen bin", witzelte der Torhüter später.

Emsdettens Heinz Reinhardt sah in der 33. Minute Gelb, nachdem er Günter Adam zu ungestüm vom Ball trennen wollte. "Ich wollte nur freundlich guten Tag sagen", sagte Reinhardt mit einem schiefen Lächeln. Der Schiedsrichter sah das anders.

Taktisch blieb Emsdetten von Anfang bis Ende in einer defensiv geordneten Formation - was in Anbetracht von 14 Torschüssen paradox klingt, aber offenbar Methode hatte: sicher stehen, geduldig nach vorne arbeiten, gezielt abschließen. Dornbreite wiederum spielte ausgewogen, diszipliniert und erstaunlich abgeklärt. Kein Pressing, kein Chaos - einfach solide Hausmannskost.

Als der Schlusspfiff ertönte, atmete Lübeck erleichtert auf, während Emsdetten ratlos in die Nacht blickte. "Wir hätten wahrscheinlich noch zehn Chancen gebraucht", meinte Sven Schreiber, der gleich zweimal gefährlich abzog. "Aber hey, wenigstens hat keiner verloren."

Und so blieb es beim 0:0 - ein Ergebnis, das in keiner Highlight-Compilation auftauchen wird, aber für Dornbreite Lübeck wie ein kleiner Sieg schmeckte. Für Emsdetten hingegen fühlte sich das Remis an wie ein verlorenes Finale.

Zum Abschied sagte ein Lübecker Fan mit hanseatischer Gelassenheit: "Manchmal ist Fußball halt wie Matjes - nicht immer aufregend, aber irgendwie doch schön."

Vielleicht war das das passendste Fazit für einen Abend, an dem es keine Tore gab, aber reichlich Geschichten. Und wer weiß - beim Rückspiel könnten die Rollen vertauscht sein. Vorausgesetzt, das Tor ist dann groß genug.

22.09.643990 17:29
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Kopfball war für mich immer so etwas ähnliches wie Handspiel.
Günter Netzer
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