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Torlos, aber nicht harmlos: FC Höchst und Krems trennen sich 0:0

Wenn ein 0:0 nach Fußball aussieht, dann war’s wohl dieses. Der FC Höchst und der SC Krems trennten sich am 17. Spieltag der 2. Liga Österreich mit einem torlosen Unentschieden, das sowohl den Statistikliebhaber als auch den Romantiker ratlos zurückließ. 23.640 Zuschauer im Höchster Stadion sahen ein Spiel voller Chancen, Emotionen - und eines Torwarts, der sich wohl den Spitznamen "Mauer von Krems" verdient hat.

Von der ersten Minute an machte der FC Höchst klar, wem das Flutlicht gehört. Bereits nach drei Minuten prüfte Adam Malfoy den jungen Kremser Keeper Bernd Strauss mit einem satten Schuss, und in der sechsten Minute durfte Tiago Morte ebenfalls mal die Handschuhe des Torwarts auf Temperatur bringen. "Ich dachte, nach zehn Minuten steht’s schon 2:0 für uns", grinste Trainer Ronnie Ekström später bitter. "Aber dann hat Strauss beschlossen, heute Superman zu sein."

Strauss war tatsächlich der Mann des Abends. Ganze 16 Torschüsse feuerte Höchst ab, von Malfoy über Morte bis hin zum Innenverteidiger-Talent Timo Miller - doch der 20-jährige Kremser Schlussmann pflückte sie alle weg. Seine Vorderleute, angeführt vom erfahrenen Friedrich Schulz, der sich in der 50. Minute noch eine Gelbe Karte abholte, kämpften tapfer gegen die Höchster Angriffswellen. "Wenn du dauernd den Ball hinterherläufst, lernst du Demut", meinte Schulz nach dem Spiel und grinste müde.

Krems selbst versuchte es mit vier Torschüssen - höfliche Andeutungen, dass man theoretisch auch hätte treffen können. Sascha Wegener und Patrik Dahlstrom hatten die besten Gelegenheiten, doch Höchsts Torwart Alexandre Marchand bekam kaum Gelegenheit, sich zu beklagen, dass ihm kalt sei.

Vor allem in der zweiten Halbzeit zog Höchst die Daumenschrauben an. Ekström brachte in der 59. Minute den 18-jährigen Timo Miller, kurz darauf den bulligen Peter Sommer für Malfoy. Die Fans hofften auf frischen Wind - und tatsächlich, Sommer hatte in der 67. Minute die Riesenchance: frei vor Strauss, doch der Ball flog Richtung Parkplatz. "Ich hab ihn perfekt getroffen", beteuerte Sommer hinterher. "Leider war das Tor woanders."

Auch Youngster Hanns Schreiber durfte noch ran und versuchte, auf der rechten Seite Wirbel zu machen. Doch Krems blieb stoisch. Trainer Andreas Novak - ein Mann, der selbst beim 0:0 so aussieht, als hätte er gerade 3:0 gewonnen - lobte sein Team: "Wir haben diszipliniert verteidigt. Und wenn man 48 Prozent Ballbesitz hat, darf man sich auch mal freuen."

Die Statistik sprach klar für Höchst: 51,8 Prozent Ballbesitz, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 16:4 Torschüsse. Doch das Runde wollte nicht ins Eckige. "Vielleicht hätten wir das Tor größer malen sollen", spottete Ekström auf der Pressekonferenz. "Oder den Ball kleiner."

Die Zuschauer nahmen’s mit Humor. Einer rief in der 80. Minute: "Gebt dem Strauss doch mal den Ball, vielleicht schießt er selbst eins!" - woraufhin der Torwart tatsächlich kurz grinste.

Taktisch blieb Höchst über 90 Minuten bei einem ausgewogenen, aber mutigen Ansatz, während Krems laut Datenblatt "offensiv" spielte - was man aber erst in der Theorie bemerkte. In Wahrheit war’s eine Defensivlektion mit Herz.

Am Ende applaudierten die Fans beiden Teams. Höchst, weil sie’s versucht hatten, und Krems, weil sie’s überlebt hatten. Marchand klopfte seinem Gegenüber Strauss anerkennend auf die Schulter, und Malfoy, der fünf Mal aufs Tor schoss, meinte trocken: "Ich hab heute alles getroffen - nur kein Netz."

So bleibt der FC Höchst im Mittelfeld der Tabelle stecken, während Krems einen wertvollen Punkt aus Vorarlberg entführt. Es war eines jener Spiele, bei denen der Schiedsrichter am meisten zufrieden ist: keine roten Karten, keine Verletzten, und am Ende sind alle irgendwie froh, dass’s vorbei ist.

"Fußball ist manchmal wie ein Gedicht ohne Reim", philosophierte Ekström beim Hinausgehen. "Schön gespielt, aber keiner weiß, wie’s ausgeht."

Ein 0:0 mit viel Drama, wenig Zählbarem und einem Torwart, der die Schlagzeilen stiehlt - für die Höchster Fans war’s ein Abend zwischen Verzweiflung und Bewunderung. Und für Krems? Ein Punkt, der sich anfühlt wie drei.

23.07.643987 10:52
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