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Ein Winterabend in Innsbruck, minus drei Grad, aber 26.429 Zuschauer mit heißem Atem auf den Rängen - und am Ende ein Ergebnis, das niemanden so richtig glücklich machte. Tirol Innsbruck und der FC Höchst trennten sich am 6. Spieltag der 1. Liga Österreich mit einem 1:1, ein Resultat, das so gerecht war, dass sogar der Linienrichter nickte. Von Beginn an entwickelte sich ein Spiel, das eher an ein Schachduell erinnerte als an einen offenen Schlagabtausch. Tirol hatte mit 53 Prozent Ballbesitz die eleganteren Züge, während Höchst mit neun Torschüssen den aggressiveren König spielte. "Wir wollten das Spiel kontrollieren, nicht jagen", erklärte Tirol-Trainerin Tamara Müller mit jener stoischen Ruhe, die sie berühmt gemacht hat. "Leider hat uns das Schicksal in der 53. Minute kurz die Figuren umgeworfen." Bis dahin sah alles nach einem Heimsieg aus. In der 44. Minute, kurz bevor der Schiedsrichter schon nach der Pfeife tastete, schlug Florian Krause zu. Nach einer butterweichen Hereingabe von Jamie Bridges - ja, dem Innenverteidiger! - nahm Krause das Leder direkt und drosch es in den Winkel, als wolle er alten Zweifeln an seiner Torquote ein Ende machen. Die Tribüne tobte, und Krause grinste später: "Ich wollte eigentlich flanken, aber wenn’s schön aussieht, sag ich das nicht mehr weiter." Doch wer Höchst kennt, weiß: Diese Mannschaft hat eine fatale Abneigung gegen Niederlagen - und eine Vorliebe für den frühen Gegenschlag. Nur acht Minuten nach Wiederanpfiff war es Tiago Morte, der seinem Namen alle Ehre machte. Ein trockener Schuss ins rechte Eck, und Innsbrucks Keeper Archie Linney griff ins Leere. "Ich hab den Ball spät gesehen", murmelte Linney, "wahrscheinlich war er schüchtern." Danach wogte das Spiel hin und her. Innsbruck kombinierte gefällig, suchte aber zu oft den perfekten Pass - Kurzpassspiel in Reinform, aber ohne das nötige Messer zwischen den Zähnen. Höchst hingegen spielte gradliniger, manchmal rustikal. Peter Sommer erhielt in der 62. Minute Gelb, nachdem er dachte, dass "Ball und Gegner eine untrennbare Einheit" seien, wie ein Mitspieler später lachend meinte. Tamara Müller versuchte von der Seitenlinie alles, um ihre Mannen noch einmal zu wecken. "Ich hab ihnen gesagt, sie sollen sich vorstellen, der Ball sei ein Stück Apfelstrudel", verriet sie nach der Partie. "Aber irgendwie hatten alle schon gegessen." Auf der Gegenseite reagierte Ronnie Ekström taktisch klug: Er brachte junge Beine - Matthew MacDougall und später Robert Bossong - und ließ seine Elf in den letzten Minuten auf Pressing umschalten. Höchst roch den Sieg, Innsbruck verteidigte mit allem, was übrig war, und ein beherzter Kopfball von Sommer in der 87. Minute hätte fast das Spiel gekippt. Statistisch blieb’s eng: 8:9 Torschüsse, 49 zu 51 Prozent Zweikampfquote, zwei Teams auf Augenhöhe. Die Zuschauer klatschten nach dem Schlusspfiff, vielleicht aus Dankbarkeit, dass niemand erfroren war, vielleicht auch, weil sie ein ehrliches Fußballspiel gesehen hatten. Im Spielertunnel herrschte dann jene Mischung aus Erleichterung und leichtem Grant, die zu einem 1:1 einfach dazugehört. Krause klopfte Morte auf die Schulter - "Na warte, im Rückspiel bring ich den Ball einmal mehr rein." Morte grinste: "Dann bring ich zwei." Ronnie Ekström zeigte sich zufrieden: "Ein Punkt auswärts in Innsbruck ist kein schlechtes Ergebnis. Auch wenn wir am Ende mehr wollten, nehme ich das." Müller hingegen wirkte etwas nachdenklicher: "Wir müssen lernen, dass das Spiel 90 Minuten dauert - und nicht 44." So blieb es beim Remis, und während die Fans in ihre Autos stapften, summte jemand auf der Tribüne "Winter Wonderland". Vielleicht passte das sogar: Ein kalter Abend, ein heiß umkämpftes Spiel, zwei Tore, und am Ende ein Gleichstand, der keiner Mannschaft weh tat - aber auch keinen Helden gebar. Oder, wie ein älterer Tirol-Fan beim Hinausgehen sagte: "Wenn’s so weitergeht, wird uns wenigstens nicht langweilig. Und das ist ja auch schon was." 26.07.643990 20:31 |
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