Noticiero VeneVision
+++ Sportzeitung für Venezuela +++

Torfestival mit Nachspielzeit - Anzoategi und Aragua liefern 5:5-Wahnsinn

Wenn ein Fußballspiel gleichzeitig an Slapstick, Dramatik und Genie erinnert, dann war es wohl das Duell zwischen Atletico Anzoategi und Aragua FC am 22. Spieltag der 1. Liga Venezuela. 38.812 Zuschauer erlebten am Freitagabend ein 5:5-Spektakel, das jeden Spielbericht zu kurz erscheinen lässt - und vermutlich auch die Nerven beider Trainer überstrapazierte.

Dabei schien nach einer halben Stunde alles entschieden. Anzoategi führte 4:1, spielte wie entfesselt, und Trainer Oliver Sutter grinste in der Coaching-Zone, als hätte ihm jemand heimlich verraten, dass er heute Lotto gewinnt. "Wir hatten alles im Griff", sagte er später mit einem Seufzen, "bis wir uns entschieden, das Spiel noch einmal spannend zu machen."

Schon in der 7. Minute eröffnete Jelle Roemer den Torreigen, nach feiner Vorarbeit von Lionel Varela. Aragua antwortete in der 22. Minute durch Jason Adam - und was für ein Treffer das war: aus spitzem Winkel, nach einem Pass von Pol Arino, der später noch wegen einer Gelben Karte maulen sollte ("Ich habe doch nur freundlich gewunken!"). Doch die Freude der Gäste währte kurz. Nur eine Minute später war wieder Roemer zur Stelle, diesmal nach einer Vorlage von Diego Postiga.

Und dann kam die Postiga-Show: In der 28. und 29. Minute traf der rechte Mittelfeldspieler doppelt, erst nach Zuspiel von Roemer, dann nach einem Eckball von Innenverteidiger Joan Cascon. 4:1 - und das Stadion tobte. Sogar der Stadionsprecher verlor kurz die Übersicht und kündigte Postigas zweites Tor mit den Worten an: "Und wieder Postiga - oder war’s doch Roemer?"

Kurz vor der Pause meldete sich Aragua zurück: Felipe Gomez verkürzte in der 42. Minute nach feiner Vorarbeit von Martin Semedo auf 4:2. "Wir wussten, dass wir noch was im Tank haben", erklärte Araguas Trainerin Claire Werk später mit einem ironischen Grinsen, "auch wenn es anfangs eher ein leerer Tank war."

Nach dem Seitenwechsel schien Anzoategi die Kontrolle zurückzuerlangen. Varela traf in der 50. Minute zum 5:2 - und die Heimmannschaft schien endgültig durch. 59 Prozent Ballbesitz, neun Torschüsse, eine offensive Grundhaltung - alles sprach für die Gastgeber. Doch das Spiel sollte noch in die venezolanische Fußballgeschichte eingehen.

Ab der 70. Minute übernahm Aragua das Kommando. Werk hatte mutig offensiv umgestellt, ließ pressen und "aus allen Lagen draufhalten", wie sie lachend erklärte. Semedo musste verletzt raus (65.), doch die Einwechslungen von Belanger und Carvalho brachten frischen Wind. Aragua schoss sich förmlich in einen Rausch: Jason Adam, an diesem Abend mit drei Treffern der Mann des Spiels, traf in der 86. Minute zum 5:3, vorbereitet von Belanger.

Dann begann das, was man in Venezuela wohl als "Nachspielzeit-Wahnsinn" in die Geschichtsbücher eintragen wird. In der 93. Minute netzte Linksverteidiger Rafael Carvalho nach Adams Vorlage zum 5:4 ein. Nur eine Minute später - die Stadionuhr zeigte 94 - war es erneut Adam, der nach einer butterweichen Flanke von Radu Cocis zum 5:5-Ausgleich traf. Während die Aragua-Spieler jubelnd über den Platz tanzten, sank Anzoategis Torwart Vilmos Orth fassungslos in den Rasen.

"Ich dachte, der Schiedsrichter pfeift einfach früher ab", murmelte Orth später mit leerem Blick. "Aber anscheinend wollte er auch noch ein Tor sehen."

Die Statistiken erzählen die Geschichte eines wilden Spiels: 11 zu 9 Torschüsse für Aragua, 59 Prozent Ballbesitz für Anzoategi, drei Gelbe Karten, eine Verletzung und 10 echte Tore. Jeder Angriff schien ein Treffer zu werden, jede Abwehraktion ein Risiko. "So ein Spiel willst du eigentlich nur sehen, wenn du kein Trainer bist", sagte Sutter nach dem Abpfiff trocken.

Die Fans allerdings bekamen für ihr Eintrittsgeld mehr als nur Unterhaltung. "Das war kein Fußballspiel", jubelte ein Zuschauer mit schweißnasser Fahne, "das war eine Telenovela mit Ball!"

In der Kabine von Aragua FC herrschte nach dem Schlusspfiff Partystimmung. Jason Adam, der mit seinem Hattrick den Punkt rettete, grinste breit: "Ich wusste, wir kriegen sie noch - irgendwann muss ja auch mal Glück sein." Claire Werk klopfte ihm auf die Schulter und sagte: "Wenn wir das nächste Mal so anfangen, wie wir aufgehört haben, gewinne ich vielleicht ein Jahr weniger graue Haare."

Und Oliver Sutter? Der nahm’s sportlich. "Fünf Tore schießen und doch nicht gewinnen - das ist schon fast Kunst", meinte er, bevor er in Richtung Pressevertreter zwinkerte: "Aber schreiben Sie ruhig, dass wir das schönste Unentschieden der Saison gespielt haben."

Vielleicht hatte er recht. Denn was diese 90-plus-x Minuten boten, war nicht weniger als eine Mischung aus Chaos, Leidenschaft und purem Wahnsinn - kurz: der Grund, warum Fußball manchmal besser ist als jede Logik.

30.09.643987 18:05
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Wenn ich den Martin Schneider weiter aufstelle, glauben die Leute am Ende wirklich noch, ich sei schwul.
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