De Standaard
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Torfestival in Londerzeel - Vise gewinnt 4:3 nach wildem Schlagabtausch

Ein Dienstagabend im Januar, 20:30 Uhr, Flutlicht an, Rasen leicht feucht - und 23.086 Zuschauer, die wohl noch Tage später von diesem Spektakel sprechen werden. Londerzeel SK und RCS Vise lieferten sich am 13. Spieltag der 1. Liga Belgien ein Offensivfeuerwerk, das an alte Straßenfußball-Zeiten erinnerte. Wer blinzelt, verpasst ein Tor - so könnte man die erste halbe Stunde dieses Spiels zusammenfassen.

Denn was zwischen der 19. und 24. Minute passierte, war nichts für schwache Nerven. Erst traf Vises Luke Warriner, ein 22-jähriger Wirbelwind auf dem linken Flügel, nach einem präzisen Zuspiel von Marco Dominguez. Kaum hatte sich das Heimteam gesammelt, zappelte der Ball schon im Netz der Gäste - Felipe Veloso, der 35-jährige Brasilianer mit dem ewigen Grinsen, antwortete prompt. Auf der Pressekonferenz später meinte er lachend: "Ich dachte, wenn der Junge da drüben (deutet auf Warriner) das kann, kann ich das auch."

Doch Witz beiseite - das Tempo war mörderisch. Nur zwei Minuten später legte Warriner wieder nach, diesmal nach einem Konter über Davib Winfield. Londerzeel antwortete erneut, Fernando Cortes traf nach einem perfekten Zuspiel von Ricardo Bischoff. Nach 24 Minuten stand es 2:2, und die Zuschauer wussten gar nicht mehr, wann sie eigentlich Luft holen sollten.

"Ich habe sowas in meiner Karriere selten erlebt", sagte Londerzeels Kapitän Lucas Theunis, der sich später auch noch eine Gelbe Karte abholte. "Es war, als würde jemand ständig auf ’Schneller abspielen’ drücken."

Nach dieser atemlosen Anfangsphase beruhigte sich das Geschehen ein wenig - zumindest im Vergleich zu den ersten 25 Minuten. Beide Teams zeigten weiterhin Offensivgeist, aber auch Nerven. Londerzeel hatte mit 51,8 Prozent leicht mehr Ballbesitz, Vise wirkte jedoch gefährlicher: 13 Schüsse aufs Tor gegenüber 12 der Gastgeber sagen viel über die Effizienz der Gäste aus.

Kurz nach der Pause dann der nächste Nackenschlag für Londerzeel: In der 46. Minute brachte Winfield RCS Vise wieder in Führung, nach Vorarbeit des jungen Gheorghe Moti. "Wir wollten sofort Druck machen, direkt nach der Pause", erklärte Vise-Coach Fonsi Glover später mit einem verschmitzten Lächeln. "Ich habe den Jungs gesagt: ’Geht raus und spielt so, als wäre es euer letzter Angriff.’ Offenbar haben sie das wörtlich genommen."

Londerzeel versuchte, wieder zurückzukommen, aber der Rhythmus war dahin. Stattdessen machte Ward Speeck in der 68. Minute das 4:2 für Vise - ein wuchtiger Schuss, den Heimkeeper Luis Gimenez wohl noch im Schlaf sehen wird. Ein Verteidiger rief verzweifelt: "Den kriegt ja nicht mal Superman!", und ganz ehrlich - er hatte recht.

Felipe Veloso brachte in der 80. Minute mit seinem zweiten Treffer noch einmal Hoffnung ins Stadion. Nach Vorlage von Bischoff vollendete er eiskalt. Das Publikum tobte, einige träumten kurz vom Ausgleich. Doch Vise brachte den Vorsprung clever über die Zeit - auch dank des eingewechselten Thomas Lindemann, der vorne die Bälle festmachte, und des unermüdlichen Harrison Caviness, der in der Nachspielzeit sogar noch zu einem gefährlichen Abschluss kam.

"Wir haben das Spiel in den entscheidenden Momenten verloren", sagte Londerzeel-Trainer (der seinen Namen wohl lieber nicht in den Spielbericht lesen möchte) nachdenklich. "Aber wenn man 3 Tore schießt und trotzdem verliert, kann man den Jungs kaum böse sein."

RCS Vise dagegen feierte ausgelassen. Doppeltorschütze Luke Warriner wurde von seinen Mitspielern fast erdrückt, als er vom Platz ging. "Das war purer Spaß", sagte er mit breitem Grinsen. "Ich glaube, das war das erste Mal, dass ich mehr Tore als Fouls hatte."

Statistisch blieb das Spiel ausgeglichen - 51 zu 48 Prozent Ballbesitz, 12 zu 13 Torschüsse, eine faire Zweikampfquote (49 zu 51 Prozent). Doch Vise war schlicht die etwas abgebrühtere Mannschaft, das Team mit der besseren Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor.

Und so endete ein Spiel, das man eigentlich keinem Torwart wünschen würde, mit 3:4. Die Fans gingen trotzdem zufrieden nach Hause - schließlich hatten sie für ihr Eintrittsgeld ein echtes Offensivspektakel gesehen. Ein älterer Zuschauer auf der Haupttribüne brachte es beim Verlassen des Stadions auf den Punkt: "Wenn das so weitergeht, brauch ich bald einen Pulsmesser fürs Stadion!"

Ein verrückter Abend, ein verdienter Sieger - und ein Spiel, das man so schnell nicht vergessen wird.

07.06.643987 01:17
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