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Es war ein Abend, an dem die Abwehrreihen beider Mannschaften offenbar beschlossen hatten, kollektiv Urlaub zu nehmen. Unter Flutlicht in Boreham und vor 35.389 begeisterten Zuschauern entwickelte sich am 7. Spieltag der englischen Liga ein wilder Schlagabtausch, den Boreham Wood mit 6:4 gegen den FC Southampton für sich entschied. Von der ersten Minute an war klar: Hier würde kein Zuschauer frieren, denn die Partie brannte sofort lichterloh. Southampton begann forsch, Jan Ovesen prüfte bereits in der ersten Minute den Heimkeeper Rhys Crichton - ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte. Die Gäste pressten hoch, Boreham Wood konterte mit simpler, aber effektiver Direktheit. In der 25. Minute brach der Bann: Davib Broderick, der bullige Linksaußen, traf nach Vorarbeit von Ragip Toraman zur Führung. Nur neun Minuten später legte derselbe Broderick nach - diesmal nach feinem Doppelpass mit Ellis Roades. "Da hab ich einfach nicht nachgedacht, sondern draufgehalten", grinste Broderick später in die Kameras. Southampton wirkte konsterniert, doch Ovesen brachte die Gäste mit einem satten Schuss aus spitzem Winkel zurück ins Spiel (39.). Dann wurde es wild: Ellis Roades stellte auf 3:1 (43.), nur um zwei Minuten später zuzusehen, wie Gabri Yanez für Southampton den Anschluss markierte. Zur Pause stand es 3:2 - und jeder im Stadion wusste, dass das noch nicht das Ende der Geschichte war. "Ich hab in der Kabine gesagt: Jungs, das sieht zwar aus wie ein Tennisergebnis, aber wir spielen Fußball", witzelte Boreham-Coach Sven Schliffke später. Seine Elf nahm sich den Spruch offenbar zu Herzen - oder auch nicht, denn kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, traf Samuel Davonport zum 4:2 (46.). Der junge Flügelstürmer rannte jubelnd zur Eckfahne, während Southampton-Trainer Michael Böning fassungslos auf seine Notizen starrte. Doch die Saints schlugen zurück: Ovesen (54.) und Beecroft (57.) glichen binnen drei Minuten aus. "Wir haben gedacht, jetzt kippt’s", gab Schliffke zu. Aber an diesem Abend war Boreham Wood einfach zu gierig. Ellis Roades - der Mann des Spiels - drosch in der 70. Minute eine Hereingabe von Innenverteidiger Izquierdo zum 5:4 in die Maschen. "Ich hab nur gehofft, dass der Ball nicht im Parkplatz landet", sagte Roades später lachend. Southampton drängte, aber die Defensive blieb wacklig wie ein Kartenhaus im Sturm. In der 85. Minute machte Davonport mit seinem zweiten Treffer alles klar. Der junge Engländer, gerade 22, stand goldrichtig, als ein abgefälschter Schuss vor seinen Füßen landete. 6:4 - und das Stadion tobte. Die Statistiken spiegelten das Spektakel wider: 17 Torschüsse für Boreham Wood, 10 für Southampton, Ballbesitz fast ausgeglichen (51:49). Gelbe Karten gab’s für Lankford, Hardin und Southamptons Broderick - allein die drei hätten wohl genug Stoff für ein eigenes Comedy-Format geboten, wenn man ihre Diskussionen mit dem Schiedsrichter verfilmt hätte. Böning war nach dem Spiel merklich bedient: "Offensive schön und gut, aber wenn jeder Angriff des Gegners nach einem Elfmeter aussieht, dann haben wir ein Problem." Sein Torwartwechsel zur Halbzeit - Gabriel Clancy kam für Alberto Mancuso - brachte keine Stabilität. Clancy musste dreimal hinter sich greifen, ehe er überhaupt warmgelaufen war. Schliffke dagegen genoss den Moment: "Wir haben das Publikum unterhalten. Und ehrlich gesagt: Mir ist ein 6:4 lieber als ein 1:0. Vielleicht nicht meinem Blutdruck, aber den Fans." Die Fans stimmten ihm zu. Noch lange nach Abpfiff sangen sie, während Broderick und Roades Arm in Arm über den Rasen schlenderten - zwei Helden eines Abends, der wohl in Boreham noch lange erzählt werden wird. Und irgendwo im Presseraum murmelte ein Kollege: "Wenn das so weitergeht, brauchen wir bald Taschenrechner für die Ergebnisanzeige." Vielleicht hat er recht. Aber eines ist sicher: Wer am 13. Februar 2026 im Stadion war, der hat kein gewöhnliches Fußballspiel gesehen - sondern ein Fest des Chaos, der Leidenschaft und des ungebändigten Angriffsfußballs. Boreham Wood steht damit in der Tabelle zwar weiterhin nicht ganz oben, aber sie haben bewiesen, dass sie mit den Großen tanzen können - selbst wenn sie dabei auf jedem zweiten Schritt über ihre eigenen Füße stolpern. Doch was soll’s: Wer 6:4 gewinnt, darf das. 07.08.643990 13:43 |
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Otto Rehhagel