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Tirat Carmel zerlegt Rehovot - ein Offensivfeuerwerk zum Staunen

Was für ein Abend in Rehovot! 39.318 Zuschauer sahen ein Spiel, das alles hatte: Tempo, Tore, Gelbe Karten und eine Gastmannschaft, die das Stadion in eine Lehrstunde verwandelte. Tirat Carmel FC gewann beim Rehovot Blacks spektakulär mit 5:2 (3:2) - und das Ergebnis war so verdient wie deutlich.

Schon in der 7. Minute begann das Unheil für die Gastgeber: Tikhon Makarow, der Mann mit der linken Klebe und dem ewigen Stirnband, zog nach Vorarbeit von Rasmus Clausen ab - 0:1. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Makarow später, "aber manchmal hat der Ball halt eigene Pläne."

Rehovot war kaum aus dem Schock, da stand es schon 0:2. Sigurd Carlsen, der Wikinger im Sturm, vollendete in der 16. Minute eiskalt nach einer butterweichen Flanke von Adriano Figo. Trainer Hhbb Hjj sprang an der Seitenlinie auf und fuchtelte wild mit den Armen - vermutlich eine Mischung aus Wut und verzweifelter Motivation.

Dann die erste Lebenszeichen der Hausherren: Marc Doreste, der erfahrene Linksaußen, traf in der 21. Minute nach schöner Vorlage von Tzipi Mitzna. Das Stadion erwachte, die Fans sangen, die Hoffnung kehrte zurück - kurzzeitig. Denn Tirat Carmel blieb gnadenlos. Rasmus Clausen, der schon zwei Assists auf dem Konto hatte, machte in der 32. Minute sein eigenes Tor. 1:3. Die Blacks wirkten wie eine Band mit kaputten Instrumenten: viel Bewegung, wenig Harmonie.

Doch Doreste hatte noch nicht genug. Nur zwei Minuten später (34.) brachte er mit seinem zweiten Treffer, diesmal nach Zuspiel von Stilian Slawkow, wieder Spannung in die Partie. 2:3 - und plötzlich glaubte man wieder an das Fußballmärchen. Leider nur bis zur Pause.

In der Kabine muss Babsi Klemm, Tirats Trainerin, die richtigen Worte gefunden haben. "Ich habe ihnen gesagt: Wenn ihr schon so gut seid, dann zeigt es auch!", verriet sie nach dem Spiel mit einem sarkastischen Lächeln. Gesagt, getan: Kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, traf erneut Makarow (48.). Wieder war Clausen der Vorlagengeber - das Duo harmonierte wie Espresso und Zucker.

Nur neun Minuten später machte Innenverteidiger Eugenio Conte den Deckel drauf. Nach einer Ecke von Henriksson wuchtete er den Ball per Kopf zum 5:2 ins Netz (57.). Das war die endgültige Entscheidung, und Rehovot hatte nichts mehr entgegenzusetzen - außer Frustration und Gelbe Karten.

Marc Doreste sah in der 36. Minute Gelb, Rikard Lindström (54.) und Stilian Slawkow (61.) folgten. "Wir wollten zeigen, dass wir da sind", sagte Slawkow später mit einem bitteren Lächeln, "aber anscheinend haben wir das mit den Fouls übertrieben."

Statistisch war das Spiel ausgeglichener, als das Ergebnis vermuten lässt: 49,7 Prozent Ballbesitz für Rehovot, 50,3 für Tirat Carmel. Doch die Gäste waren schlicht effizienter - 19 Torschüsse gegenüber 12. Und während Rehovot seine Chancen eher in Richtung Tribüne zielte, traf Tirat Carmel mit chirurgischer Präzision.

"Wir haben uns auf die Flügel konzentriert, wollten mutig nach vorne spielen", erklärte Babsi Klemm, deren Team mit offensiver Ausrichtung und starkem Pressing agierte. "Und wenn man fünf Tore auswärts schießt, darf man ruhig ein bisschen stolz sein."

Rehovots Coach Hhbb Hjj suchte nach dem Spiel die Worte: "Wir waren nicht schlechter, nur weniger effektiv. Und vielleicht ein bisschen zu nett." Dabei hatte seine Mannschaft durchaus engagiert begonnen, aber Tirat Carmels aggressives Flügelspiel war schlicht zu viel.

In der Schlussphase wechselte Klemm noch munter durch - unter anderem kam Torwart Edward Whitman für Georg Danielsen ins Spiel, "damit er auch mal Schwitzen darf", wie sie lachend erklärte. Selbst da blieb Tirat Carmel die dominierende Mannschaft, während die Blacks nur noch versuchten, den Schaden zu begrenzen.

Als Schiedsrichter Almog Ben-Ari pünktlich abpfiff, gab es Applaus - vor allem von den 2.000 mitgereisten Fans aus Tirat Carmel, die ihre Mannschaft feierten, als hätte sie gerade die Meisterschaft gewonnen.

Und wer weiß - wenn sie weiter so spielen, könnte das gar nicht so weit hergeholt sein.

Am Ende blieb Rehovot nur die Erkenntnis, dass Fußball eben kein Wunschkonzert ist. Oder, wie Doreste trocken meinte: "Fünf Minuten Applaus sind schön, fünf Gegentore weniger wären besser gewesen."

Ein Spiel, das man so schnell nicht vergisst - zumindest nicht in Rehovot.

09.12.643987 03:55
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