Haaretz Sports
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Tirat Carmel tanzt in Haifa - 3:0! Ein Abend zum Vergessen für Maccabi

Es gibt Fußballabende, da läuft einfach alles schief - und manchmal läuft beim Gegner einfach alles rund. Der 9. Spieltag der 1. Liga Israel bescherte Maccabi Haifa im heimischen Stadion vor 36.401 Zuschauern genau so einen Abend: 0:3 hieß es am Ende gegen einen entfesselten Tirat Carmel FC, der seine Flügelspieler so geschickt einsetzte, dass Trainer David Goldmann nur noch fassungslos die Hände in die Taschen steckte.

Schon in den ersten Minuten deutete sich an, dass Tirat Carmel an diesem Abend mit mehr Lust und weniger Respekt angereist war. Isidoro Oliveira, der bullige Mittelstürmer, prüfte Haifas Torwart Haim Amir bereits in der 5. Minute - ein Vorgeschmack auf das, was kommen sollte. Maccabi spielte zwar gefällig mit, hatte 50,6 Prozent Ballbesitz, doch die optische Überlegenheit blieb, wie so oft, brotlos.

In der 28. Minute dann der Dosenöffner: Ethan Marley, der zentrale Mittelfeldmotor der Gäste, chippte den Ball gefühlvoll in den Lauf von Oliveira, der eiskalt einschob. 1:0 für Tirat Carmel - und 36.000 Kehlen verstummten gleichzeitig. "Ich hab’ einfach gespürt, dass er den Ball will", grinste Marley später und tippte sich an die Schläfe. "Telepathie, Bruder."

Nur acht Minuten später folgte der nächste Schlag. Die Flügelzange der Gäste, Frans Dahl und Joel Cantwell, spielte Maccabis Abwehr schwindelig. Dahl flankte, Cantwell nickte ein - 2:0 (36.). Während Cantwell jubelnd in Richtung Gästeblock stürmte, sah man Maccabis Rechtsverteidiger Menachem Eschkol fluchend die Grasnarbe begutachten, als habe sie den Gegentreffer verschuldet.

Zur Halbzeit blieb Goldmann ungewöhnlich ruhig. "Wir müssen nur das Tor treffen", sagte er in die Mikrofone, wobei selbst die Kameras eine leise Ironie in seiner Stimme registrierten. In der Kabine soll er laut Augenzeugen allerdings etwas deutlicher geworden sein.

Nach dem Wechsel zeigte Haifa tatsächlich mehr Initiative. Miroslav Kona und Odysseas Halkias prüften Gäste-Keeper Georg Danielsen, der seine 27 Jahre alte Erfahrung in jeder Parade ausspielte. "Ich hatte heute einfach das Gefühl, dass nichts reingeht", klagte Haifas Stürmer Diego Espriu später. "Vielleicht hätten wir das Tor ein bisschen größer zeichnen sollen."

Während Maccabi auf den Anschlusstreffer drängte, blieb Tirat Carmel eiskalt. Offensiv, aggressiv, entschlossen - genau so, wie Trainerin Babsi Klemm ihr Team eingestellt hatte. "Wir wollten Haifa nicht spielen lassen. Und wenn sie’s doch versuchen, dann eben über unsere Flügel laufen", erklärte sie nach dem Spiel mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Zufriedenheit und gespielter Bescheidenheit lag.

In der 79. Minute fiel schließlich der endgültige Knockout: Nach einer Ecke von Rasmus Clausen stieg Innenverteidiger Robert Catalano höher als alle anderen und wuchtete den Ball per Kopf ins Netz. 3:0 - und das Stadion wurde schlagartig leiser als eine Bibliothek am Schabbat.

Die letzten Minuten waren ein Schaulaufen für die Gäste. Oliveira hatte noch Lust auf ein viertes Tor, traf aber nur das Außennetz. Maccabi dagegen sammelte fleißig Gelbe Karten - Eschkol (8.) und Rauch (88.) - mehr blieb ihnen an diesem Abend nicht.

Statistisch gesehen war es ein ausgeglichenes Spiel: 5 Torschüsse für Haifa, 10 für Tirat Carmel, fast identischer Ballbesitz. Doch während die Gäste aus ihren Chancen Kapital schlugen, blieb bei den Hausherren alles Stückwerk. "Wir haben ordentlich gespielt, aber Fußball wird nun mal nach Toren bewertet", seufzte Goldmann.

Im Gästeblock dagegen tanzten die Fans, als ginge es um den Meistertitel. Rasmus Clausen schwang nach dem Abpfiff lachend sein Trikot über dem Kopf, rief in Richtung Presse: "Heute hat’s einfach geklickt. Wenn wir so weitermachen, müssen wir bald Eintritt verlangen für unsere Trainings!"

Maccabi Haifa hingegen wird sich einige unbequeme Fragen stellen müssen. Die Balance zwischen Sicherheit und Kreativität, zwischen Ballbesitz und Durchschlagskraft - an diesem Abend war sie schlicht nicht vorhanden. Vielleicht hilft eine alte Fußballweisheit: Manchmal ist der Ball eben rund, und manchmal läuft er einem davon.

Und während Tirat Carmel im Bus nach Hause noch laut singend den Sieg feierte, blickte Haifa-Trainer Goldmann stumm in die Nacht hinaus. Ein Reporter fragte, woran es gelegen habe. "An drei Toren", sagte Goldmann trocken. Mehr Analyse braucht es wohl nicht.

22.02.643994 18:10
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