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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob der Fußball tatsächlich gerecht ist - oder einfach nur eine Laune des Schicksals in kurzen Hosen. 36.000 Zuschauer im Petah-Stadion sahen am Dienstagabend ein 2:3 (1:2), das den "Reds" aus Petah noch lange in den Knochen stecken dürfte. Tirat Carmel FC, angeführt von der unermüdlichen Trainerin Babsi Klemm, entführte drei Punkte - nicht unverdient, aber mit jener Prise Glück, die man gemeinhin "Kaltschnäuzigkeit" nennt. Dabei begann alles wie gemalt für die Hausherren. In der zweiten Minute - der Stadionsprecher hatte den Anpfiff kaum beendet - flog der Ball schon in die Maschen. Jitzchak Eban, der Mann mit der linken Klebe, verwandelte einen Pass von Innenverteidiger Vratislav Stastny so trocken, dass selbst das Tornetz kurz zögerte, ob es wirklich schon dran war. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Eban später, "aber der Ball hatte andere Pläne." Doch Tirat Carmel reagierte, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Trainerin Klemm gestikulierte wild an der Seitenlinie, zupfte am Blazer und rief: "Über die Flügel, Jungs! WIR haben Flügel!" - und ihre Mannschaft folgte. In der 16. Minute bediente Ivica Jovanovic den bulligen Mittelstürmer Claude Gaudin, der aus kurzer Distanz einschob. 1:1 und plötzlich wirkte die Defensive der Reds so nervös wie ein Teenager beim ersten Date. Nur 13 Minuten später wiederholte sich das Schauspiel - diesmal mit Joel Cantwell in der Hauptrolle. Wieder kam der Pass von Jovanovic, wieder stand die Abwehr zu weit weg, und Cantwell vollendete eiskalt. 1:2, und Babsi Klemm klatschte so heftig, dass der vierte Offizielle kurz die Tafel fallen ließ. Bis zur Pause hatten beide Teams fast identische Ballbesitzwerte (Petah 50,6 %, Carmel 49,4 %) - statistisch also ein offenes Spiel, gefühlt aber hatten die Gäste die Hand am Steuer. Die Reds mühten sich, doch ihre Pässe wirkten wie Liebesbriefe ohne Empfänger. Nach dem Seitenwechsel wurde es ruppiger. Sigfrid Brun sah in der 48. Minute Gelb, vermutlich fürs zu laute Atmen in der Nähe von Gaudin. "Er ist halt ein emotionaler Typ", kommentierte Trainer-Assistent Gil Mosseri trocken. Dann die entscheidende Phase: In der 54. Minute schnappte sich wieder Joel Cantwell den Ball, tanzte an zwei Verteidigern vorbei und schob zum 1:3 ein - Doppelpack! "Ich dachte, ich sei im Training, keiner hat mich gestört", meinte Cantwell mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Bescheidenheit und Überheblichkeit pendelte. Nur 60 Sekunden später aber meldete sich Eban zurück. Nach einem feinen Zuspiel des jungen William Girard knallte er den Ball zum 2:3 ins Netz. Ein Hoffnungsschimmer, der das Stadion aufweckte. "Da war kurz Feuer drin", sagte Girard, "aber dann haben wir den Schlauch vergessen." Die Reds warfen alles nach vorn - insgesamt zehn Torschüsse, fast alle von Eban, der zwischenzeitlich mehr Flanken als Atemzüge hatte. Doch Tirat Carmels Keeper Edward Whitman hielt, was zu halten war, und manchmal auch das, was eigentlich nicht zu halten war. In der 89. Minute zirkelte Eban noch einmal aufs lange Eck, Whitman kratzte den Ball heraus, als hätte er Spiderman-Gene. Zum Ende hin häuften sich die Karten: Warschawski (67.) und Stastny (84.) sahen Gelb, während Carmels Rechtsverteidiger Jelle Brill in der 88. Minute ebenfalls verwarnt wurde - vermutlich, um die Statistik auszugleichen. "Wir haben nie aufgehört, ans Gute zu glauben", sagte Klemm nach Abpfiff und grinste - vielleicht über ihre eigene defensive Wackelpartie, vielleicht über den Sieg. Auf der anderen Seite stand Petahs Coach, der nur murmelte: "Wenn du 50 Prozent Ballbesitz hast und trotzdem verlierst, musst du was Neues glauben - vielleicht an schwarze Katzen." Fakt ist: Tirat Carmel schoss öfter (12:10), war galliger in den Zweikämpfen (52 % gewonnen) und nutzte seine Chancen konsequenter. Die Reds hingegen kämpften tapfer, doch ohne Fortune. Ein kleiner Junge im Publikum fasste es nach dem Spiel treffend zusammen: "Mama, warum haben die in Rot so oft geschossen und trotzdem verloren?" - Mama zuckte die Schultern. Vielleicht wusste sie, was Fußball manchmal ist: kein Mathematikunterricht, sondern reine Poesie mit Stolperfallen. So bleibt den Petah Reds nur der Trost, dass man mit so viel Herzblut selten wirklich verliert - höchstens auf der Anzeigetafel. Für Tirat Carmel dagegen war es ein Abend, an dem alles passte: Flügelspiel, Effizienz, und ein Cantwell, der wohl noch im Traum an Friedmanns Tor vorbeidribbelt. Und irgendwo in der Kabine summte Babsi Klemm leise: "Wir haben Flügel - und diesmal sind wir geflogen." 14.06.643993 02:40 |
Sprücheklopfer
Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.
Berti Vogts