Haaretz Sports
+++ Sportzeitung für Israel +++

Tirat Carmel fegt Tel Aviv aus dem Stadion - Oliveira in Torlaune

Ein lauer Märzabend, 20.30 Uhr, Flutlicht über Tirat Carmel. 43.524 Zuschauer hatten sich auf den Rängen des heimischen Stadions eingefunden - und viele dürften sich noch verwundert die Augen gerieben haben, als nach 90 Minuten ein makelloses 4:0 für den Tirat Carmel FC auf der Anzeigetafel prangte. Die Tel Aviv Yellows, sonst eher für kontrolliertes Ballbesitzspiel bekannt, wirkten an diesem 29. Spieltag der 1. Liga Israels phasenweise wie Gäste auf einem fremden Planeten.

Schon nach sechs Minuten ging es los: Joel Cantwell, der flinke Rechtsaußen, schlenzte den Ball nach Vorarbeit von Ivica Jovanovic ins Netz. "Ich hab den Ball einfach laufen lassen - Joel wusste wohl schon vorher, wo das Tor steht", grinste Jovanovic später in der Mixed Zone. Der frühe Treffer setzte den Ton. Während Tel Aviv noch versuchte, den eigenen Rhythmus zu finden, schalteten die Hausherren in den Offensivmodus, als hätten sie einen Espresso zu viel erwischt.

In der 27. Minute folgte der zweite Streich: Isidoro Oliveira, der Mittelstürmer mit der Eleganz eines Tänzers und der Wucht eines Dampfhammers, traf nach feiner Vorarbeit des flügelflinken Bram Sleeper zum 2:0. Das Publikum tobte, Trainerin Babsi Klemm ballte an der Seitenlinie die Faust. "Wir wollten mutig sein, nicht warten, bis Tel Aviv uns erdrückt", sagte sie später - und konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. "Dass es so gut klappt, war natürlich auch für mich eine angenehme Überraschung."

Tel Aviv hatte in der ersten Halbzeit zwar mehr Ballbesitz (52,4 Prozent), doch gefährlich wurde es selten. Sechs Torschüsse insgesamt - und Torhüter Edward Whitman im Carmel-Kasten durfte sich über einen vergleichsweise ruhigen Abend freuen. Selbst als Amaury Jorge in der 30. Minute frei durch war, blieb Whitman seelenruhig: "Ich hab’ nur gedacht: Bitte nicht drüber - aber er hat’s dann doch geschafft, drüberzuschießen."

Nach der Pause versuchte Tel Aviv, das Spiel zu drehen, doch an diesem Abend passte bei den Gästen wenig zusammen. Trainer Rami Ben-Ari (dessen Gesichtsausdruck zwischen Fassungslosigkeit und stiller Resignation schwankte) blieb auf seiner Bank sitzen, als Oliveira in der 66. Minute wieder zuschlug - diesmal nach Pass von Linksverteidiger Adriano Figo. Das 3:0, und der Drops war gelutscht.

Doch Oliveira hatte noch nicht genug. Acht Minuten später, in der 74. Minute, schnürte er nach Vorlage von Jelle Brill seinen Hattrick. Das Stadion kochte, und selbst die sonst zurückhaltende Trainerin Klemm tanzte an der Seitenlinie, als hätte sie gerade die Meisterschaft gewonnen. "Ich hab Isidoro noch vor dem Spiel gesagt: Heute triffst du dreimal. Er meinte, ich soll Lotto spielen. Vielleicht mach ich das jetzt", lachte sie später.

Tel Aviv gelang nichts mehr - stattdessen hagelte es Gelb für Barak Eban (76.), der in seiner Verzweiflung einen Carmel-Angriff rustikal beendete. Auch danach blieb Tirat Carmel gefährlich, Rahim Erkin prüfte den Gäste-Keeper in der 86. und 90. Minute - vergeblich, aber das Publikum feierte jeden Schuss, als wäre es der entscheidende Treffer.

Statistisch betrachtet war das Spiel fast paradox: Tel Aviv hatte mehr Ballbesitz, Carmel aber die klareren Chancen - 15 Torschüsse gegenüber 6. Auch in den Zweikämpfen zeigte die Klemm-Elf mehr Biss (53,9 Prozent gewonnene Duelle). Offensiv, aggressiv, aber nie kopflos - so lässt sich die Spielanlage der Hausherren beschreiben.

Nach Abpfiff blieb Oliveira lange auf dem Rasen stehen, nahm den Ball unter den Arm. "Den krieg ich nicht mehr her", sagte er, während die Fans seinen Namen sangen. "Es war einer dieser Abende, an denen einfach alles klappt. Manchmal triffst du, manchmal nicht - heute war’s wohl beides gleichzeitig."

Und Tel Aviv? Deren Spieler schlichen schweigend in die Kabine. Ein anonymer Verteidiger murmelte noch: "Manchmal ist Fußball halt grausam."

Trainerin Klemm fasste es später süffisant zusammen: "Wir hatten weniger Ball, aber mehr Spaß." Treffender lässt sich dieser Abend kaum zusammenfassen.

Fazit: Tirat Carmel FC liefert das Spiel des Jahres, Oliveira schießt sich in die Herzen der Fans - und Tel Aviv dürfte auf der Heimfahrt viel Zeit haben, über Ballbesitz ohne Wirkung nachzudenken. Fußball kann eben manchmal gnadenlos ehrlich sein.

10.08.643993 23:15
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Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen. Nur in der Halbzeit, da geht nichts.
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