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Ein lauer Märzenabend, 37.082 Zuschauer im Stadion von Tirat Carmel, und am Ende ein klarer Sieger: Tirat Carmel FC schlägt die Kafr Kanna Greens mit 3:0 - und das auch in dieser Höhe völlig verdient. Was nach einem Routineerfolg klingt, war tatsächlich ein Fußballabend mit allem, was dazugehört: Tempo, Tore, Gelbe Karten und ein Platzverweis, der in die Kategorie "unnötig, aber unterhaltsam" fällt. Schon früh deutete sich an, dass Trainerin Babsi Klemm ihre Elf hellwach eingestellt hatte. "Wir wollten von Anfang an zeigen, wer hier zu Hause ist", grinste sie später. Ihre Mannschaft setzte das um - mit einer Angriffswucht, die den Gästen kaum Zeit zum Luftholen ließ. Bereits in der 14. Minute prüfte Frans Dahl den gegnerischen Keeper mit einem satten Schuss, der erste Warnschuss eines Abends, der für Kafr Kanna noch lang werden sollte. In der 20. Minute war es dann so weit: Ethan Marley, der Dreh- und Angelpunkt im Mittelfeld, steckte den Ball perfekt in die Gasse, und Isidoro Oliveira machte das, was Mittelstürmer eben tun - einschieben, jubeln, lächeln. "Ich habe nur kurz hochgeschaut und wusste, dass Isidoro da sein würde", sagte Marley nach dem Spiel mit einem Schulterzucken, als sei das alles reine Physik. Und kaum hatten sich die Greens vom Rückstand erholt, klingelte es erneut. Acht Minuten später traf Sigurd Carlsen nach erneutem Zuspiel von Marley - 2:0. Der Norweger, ohnehin bekannt für seine elegante Schusstechnik, drosch den Ball diesmal mit der Wucht eines Presslufthammers ins Netz. "Ich wollte eigentlich flanken", witzelte Carlsen später. "Aber der Ball hatte andere Pläne." Kafr Kanna, das laut Statistik mit knapp 51 Prozent Ballbesitz sogar leicht überlegen war, fand offensiv kaum statt. Vier Torschüsse standen am Ende zu Buche - so viel wie Carlsen allein in der ersten Halbzeit verbuchte. "Wir hatten den Ball, aber keine Ideen", seufzte Gästetrainer (dessen Name die Statistik uns frech verschweigt) nach dem Spiel. Nach dem Seitenwechsel schien es kurz spannend zu werden - zumindest für drei Minuten. Dann setzte Bram Sleeper in der 48. Minute mit einem trockenen Linksschuss aus 18 Metern den Schlusspunkt. Vorlagegeber war ausgerechnet Innenverteidiger Leandro Djalo, der sich nach vorn geschlichen hatte, als wäre er versehentlich in der falschen Hälfte des Spielfelds gelandet. "Ich hab nur gedacht: Warum nicht?", sagte Djalo, "und dann war der Ball plötzlich bei Bram - und im Tor." Danach war das Spiel im Grunde entschieden. Tirat Carmel kontrollierte das Geschehen, kombinierte munter weiter und ließ noch einige Chancen liegen - 21 Torschüsse insgesamt sprechen Bände. Selbst Torhüter Georg Danielsen durfte bis zur 70. Minute mitspielen, ehe ihn Edward Whitman ablöste, offenbar um ihm auch mal etwas Spielpraxis zu gönnen. Einziger Wermutstropfen: der späte Platzverweis für Adriano Figo. Der Linksverteidiger sah in der 93. Minute Gelb und legte in Minute 95 prompt die Gelb-Rote nach. "Ich wollte nur sicherstellen, dass der Schiedsrichter mich nicht vergisst", grinste Figo auf dem Weg in die Kabine. Trainerin Klemm nahm’s gelassen: "Adriano hat heute doppelt so viel gearbeitet - und zweimal Gelb bekommen. Das ist immerhin konsequent." Die Kafr Kanna Greens, die in der Schlussphase immerhin drei halbwegs gefährliche Abschlüsse zustande brachten, konnten froh sein, dass es bei drei Gegentoren blieb. Ihr Torhüter Morgan Lewis verhinderte Schlimmeres. "Manchmal habe ich das Gefühl, ich spiele gegen zwei Mannschaften - den Gegner und meine Abwehr", murmelte er, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte. Taktisch blieb Babsi Klemm ihrer offensiven Linie treu. Offensive Ausrichtung, ausbalanciertes Passspiel, mutiges Pressing - so stand es im Datenblatt, und genauso sah es auch aus. Die Greens dagegen versuchten es mit einer offensiven Haltung, aber ohne Pressing - eine Strategie, die ungefähr so gut funktionierte wie ein Regenschirm im Sturm. Am Ende stand ein 3:0, das Tirat Carmel FC in der Tabelle weiter nach oben bringt und den Fans einen Abend voller Spielfreude bescherte. Im Stadion sangen die Anhänger noch lange nach dem Schlusspfiff, während die Spieler lachend applaudierten. "Das war heute Fußball, wie ich ihn liebe", sagte Klemm beim Hinausgehen. "Nur der Platzverweis - den hätte ich in der 95. nicht mehr gebraucht. Da wollte ich eigentlich schon feiern." Und wer weiß - vielleicht war das ja erst der Anfang. Wenn Tirat Carmel so weitermacht, wird man in dieser Liga noch öfter von ihnen hören. Und die Greens? Nun, die dürften sich wünschen, sie hätten an diesem Abend einfach den Bus verpasst. 31.01.643994 12:46 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack