Haaretz Sports
+++ Sportzeitung für Israel +++

Tirat Carmel fegt die Blues vom Platz - frühes Feuerwerk in Tel Aviv

Ein kühler Abend in Tel Aviv, 40.000 Zuschauer, Flutlicht, 14. Spieltag der 1. Liga Israel - und ein Spiel, das die Heimmannschaft wohl lieber schnell vergessen möchte. Tirat Carmel FC siegte verdient mit 3:1 gegen die Tel Aviv Blues, und das, obwohl die Statistik auf den ersten Blick gar nicht so eindeutig erscheint. 52 Prozent Ballbesitz für die Blues klingt nach Kontrolle, aber was nützt das, wenn der Gegner mit 16 Torschüssen (gegenüber 7 der Gastgeber) so zielstrebig agiert wie ein Matador vor dem finalen Stich?

Schon nach fünf Minuten brandete das erste Raunen durchs Stadion. Joel Cantwell, der rechte Flügelflitzer der Gäste, setzte nach einem weiten Ball von Rechtsverteidiger Hjalmar Dalgaard zum Sprint an, ließ seinen Gegenspieler stehen und knallte den Ball unhaltbar ins lange Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Cantwell nach dem Spiel, "aber der Ball hat sich für den Weg ins Glück entschieden." Trainerin Babsi Klemm grinste daneben: "Wenn alle meine Spieler so unabsichtlich treffen, bin ich zufrieden."

Kaum hatten die Blues den Schock verdaut, klingelte es schon wieder. In der zehnten Minute kombinierte sich Tirat Carmel über die linke Seite durchs Mittelfeld. Espen Brinkerhoff steckte den Ball elegant durch, und Tikhon Makarow vollendete eiskalt zum 0:2. Trainerin Tzipi Bar-Lew von den Blues schüttelte nur den Kopf: "Wir waren wohl noch beim Einlaufen. Leider schon im Spiel."

Danach versuchten die Blues, Ordnung in ihr Spiel zu bringen. Ihr 52-prozentiger Ballbesitz war zwar Beweis für Engagement, aber nicht für Gefahr. Giacomo Greco prüfte in der 6. Minute und später Adam Neil in der 24. Minute den gegnerischen Keeper Edward Whitman, der jedoch mit sicherer Hand parierte. Die Gäste blieben gefährlicher - bis sie in der 33. Minute einen Dämpfer erhielten: Stürmer Claude Gaudin verletzte sich bei einem Zweikampf und musste ausgewechselt werden. Für ihn kam Isidoro Oliveira, der später noch mehrfach auffällig werden sollte.

Mit 0:2 ging es in die Kabine - begleitet von einem gellenden Pfeifkonzert. Ein älterer Zuschauer auf der Tribüne rief resigniert: "Wir haben mehr Ballbesitz, aber weniger Tore. Vielleicht zählen bald Pässe statt Punkte!"

Nach der Pause kam Leben in die Blues, und mit der 54. Minute endlich auch Hoffnung: Alfie Lansbury erzielte nach Vorarbeit von Nestor Mendez den Anschlusstreffer. Ein schöner, flach platzierter Schuss - und plötzlich glaubte Tel Aviv wieder an das Wunder. "Da war kurz Feuer drin", sagte Lansbury später. "Aber dann kam das kalte Wasser."

Das "kalte Wasser" war in diesem Fall ein gewisser Hjalmar Dalgaard, der Rechtsverteidiger mit Offensivdrang. In der 86. Minute stürmte er nach vorne, bekam den Ball von Sigurd Carlsen und drosch ihn humorlos zum 1:3-Endstand in die Maschen. "Ich habe nur gemacht, was Joel in der ersten Halbzeit vorgemacht hat", meinte Dalgaard. "Offenbar darf man hier als Verteidiger auch mal Spaß haben."

Die letzten Minuten waren geprägt von kleinen Nickeligkeiten - eine Gelbe Karte für Amram Gurion (73.) und später auch für Leandro Djalo (88.) zeigen, dass die Emotionen hochkochten. Für den neutralen Zuschauer war es ein unterhaltsamer Abend. Für die Blues eher ein Lehrfilm in Sachen Effizienz: Tirat Carmel traf aus allen Lagen ("ANYTIME" - der Taktikbericht lügt nicht), während Tel Aviv trotz "SURE"-Schussphilosophie die Sicherheit vor dem Tor vermissen ließ.

Trainerin Bar-Lew fasste es trocken zusammen: "Wir spielen schön, Tirat Carmel spielt erfolgreich. Ich weiß, was mir lieber wäre." Auf der anderen Seite lobte Klemm ihr Team: "Wir waren mutig. Und manchmal reicht Mut, wenn der Gegner zu sehr denkt."

Als die Zuschauer aus dem Stadion strömten, hörte man noch ein Kind sagen: "Mama, warum haben die Blauen mehr Ball, aber weniger Tore?" Die Mutter seufzte: "Weil Fußball manchmal wie das Leben ist, mein Schatz - nicht gerecht, aber spannend."

Und so bleibt den Blues nichts als der Blick nach vorn. Vielleicht hilft ein wenig weniger Ball, dafür mehr Ziel. Tirat Carmel hingegen reist mit breiter Brust nach Hause - und mit dem Gefühl, dass Flügelspiel, Mut und ein Schuss Humor manchmal die beste Taktik sind.

18.06.643987 14:12
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