Haaretz Sports
+++ Sportzeitung für Israel +++

Tirat Carmel FC zerlegt Sakhnin United - ein 5:0 mit Ansage und Augenzwinkern

Es war ein Abend, an dem Tirat Carmel FC alles gelang - und Sakhnin United alles missriet. Vor 44.013 Zuschauern fegte die Elf von Trainerin Babsi Klemm am 32. Spieltag der 1. Liga Israel mit 5:0 (3:0) über die Gäste hinweg. Und das war noch schmeichelhaft. Wäre das Tor größer gewesen, vielleicht ein Scheunentor, hätte es zweistellig enden können.

Von Beginn an war klar, wer hier das Sagen hatte. Tirat Carmel presste früh, spielte zielstrebig und hatte mit Sigurd Carlsen auf rechts einen Mann, der an diesem Abend einfach nicht zu stoppen war. Schon in der 6. Minute prüfte Rasmus Clausen den gegnerischen Keeper Daniel Brady mit einem satten Schuss, der noch geklärt werden konnte. Doch in der 27. Minute war es soweit: Carlsen nahm einen feinen Pass von Bram Sleeper auf, ließ zwei Verteidiger stehen und schob eiskalt ein - 1:0. "Ich hatte das Gefühl, ich könnte heute auch mit verbundenen Augen treffen", grinste Carlsen nach dem Spiel, während Sleeper daneben trocken anmerkte: "Ich hab ihm den Ball halt so hingelegt, dass er gar nicht anders konnte."

Sakhnin United versuchte, sich zu wehren, doch ihre Angriffe wirkten so gefährlich wie ein Papiertiger im Regen. Ganze fünf Torschüsse verbuchten sie in 90 Minuten, meist harmlose Distanzversuche. In der 43. Minute erhöhte Innenverteidiger Eugenio Conte nach einer Ecke per Kopf auf 2:0 - ein Tor, das er offenbar selbst kaum glauben konnte. "Ich bin Verteidiger, ich krieg sonst nur Kopfbälle ab, nicht ins Tor", witzelte Conte später.

Und als ob es das noch gebraucht hätte, legte kurz vor der Pause (45.) Bram Sleeper selbst nach, diesmal auf Zuspiel von Ansgar Henriksson. 3:0 - zur Halbzeit war das Ding durch, das Publikum sang und tanzte, während Sakhnins Trainer Dani Schu mit verschränkten Armen an der Seitenlinie stand und aussah, als würde er innerlich die Uhr zurückdrehen wollen. "Wir wollten kompakt stehen. Leider standen wir meistens im Weg", kommentierte er später mit Galgenhumor.

Nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig. Tirat Carmel blieb offensiv, Sakhnin blieb ratlos. In der 56. Minute nutzte Tikhon Makarow eine Vorlage von Carlsen zum 4:0. Der Treffer war ein Lehrbuchbeispiel für schnelles Umschaltspiel - und für Sakhnin das endgültige Signal zur Resignation. "Da war der Wille gebrochen", fasste eine Radioreporterin trocken zusammen.

Doch Babsi Klemm, bekannt für ihren unbändigen Ehrgeiz, ließ ihre Mannschaft auch danach nicht vom Gas gehen. "Ich hab ihnen gesagt: Wenn wir schon tanzen, dann bis zum letzten Takt", erklärte sie später mit einem Lächeln. Und so fiel in der 68. Minute auch noch das 5:0: Rasmus Clausen krönte seine starke Leistung, nachdem Joel Miller ihn mustergültig bedient hatte.

Die letzten zwanzig Minuten waren Schaulaufen. Clausen kassierte in der 81. Minute noch Gelb, offenbar aus purer Langeweile, und Conte sah kurz darauf ebenfalls Gelb, wohl um seinem Verteidigerkollegen nicht das Alleinstellungsmerkmal zu lassen. Auf der anderen Seite sammelten Pinchas Liwni (58.) und Jitzchak Eschkol (73.) bei Sakhnin ebenfalls Verwarnungen - ein schwacher Trost.

Die Statistik sprach ohnehin Bände: 24 Torschüsse zu 5, 51 Prozent Ballbesitz, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Und das alles mit einem offensiven Ansatz, der so mutig war, dass man meinen konnte, Babsi Klemm hätte das Pressing mit einem Vorschlaghammer erfunden.

Kurz sorgte eine Verletzung in der 59. Minute für Aufregung, als Leandro Djalo nach einem Zusammenprall ausgewechselt werden musste. Für ihn kam Robert Catalano, der seine Sache souverän machte. "Das war kein Foul, das war Physik", erklärte Djalo später augenzwinkernd mit einer Eistüte auf dem Knie.

Als der Schlusspfiff ertönte, lag Jubel, Erleichterung und ein Hauch von Stolz über dem Stadion. Tirat Carmel hatte nicht nur gewonnen, sondern ein Statement gesetzt. Sakhnin United hingegen verließ das Feld mit gesenkten Köpfen, wohl wissend, dass sie an diesem Abend schlicht überrollt worden waren.

"Wir haben gezeigt, dass wir mehr sind als ein Geheimtipp", sagte Klemm in der Pressekonferenz. "Aber jetzt heißt es: Füße auf dem Boden, auch wenn die Tore in der Luft lagen."

Ein Spiel, das in Erinnerung bleibt - nicht wegen seiner Spannung, sondern wegen seiner Klarheit. Und vielleicht auch wegen des kleinen Dialogs zwischen zwei Fans auf der Tribüne, direkt nach dem 5:0:
"Sag mal, ist das hier Fußball oder Ballett?"
"Beides", antwortete der andere, "nur dass bei Ballett weniger geschossen wird."

Ein Abend, an dem Tirat Carmel FC tanzte - und Sakhnin United zusah.

02.04.643990 02:38
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Ich habe versucht, den Spielern das Gefühl zu geben, dass sie Fehler machen dürfen. Das haben sie bis auf wenige Ausnahmen gut gemacht.
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