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Was für ein Abend im Municipal Stadium von Rehovot: 36.000 Zuschauer, Flutlicht, gute Stimmung - und am Ende ein klarer Sieger. Tirat Carmel FC fegte die Rehovot Reds mit 4:0 (3:0) vom Platz und ließ die Heimfans ratlos zurück. Es war eines dieser Spiele, bei denen Statistikliebhaber verzweifeln: Die Reds hatten 56 Prozent Ballbesitz, aber Tirat Carmel 21 Torschüsse. Man könnte sagen, Rehovot hatte den Ball, Tirat Carmel das Spiel. Schon nach vier Minuten war das Konzept der Gäste klar: direkt, aggressiv, kompromisslos. Ansgar Henriksson, der Mann fürs Mittelfeld, zog nach Vorlage von Ivica Jovanovic aus 20 Metern ab - und wie! Der Ball zischte flach ins linke Eck, Keeper Baltsar Dahlstrom streckte sich vergeblich. 0:1, und das Publikum ahnte, dass dieser Abend lang werden könnte. In der 12. Minute legte Isidoro Oliveira nach. Nach einem präzisen Flankenlauf über links von Kacper Wojciechowski köpfte der brasilianische Mittelstürmer zum 0:2 ein. "Ich habe nur die Augen zugemacht und gehofft, dass er reingeht", grinste Oliveira später in die Kameras. Er durfte lachen - der Ball saß perfekt. Rehovot versuchte, sich zu schütteln, spielte gefällig im Mittelfeld, ließ den Ball laufen, aber gefährlich wurde es selten. Mehr als ein paar harmlose Schüsse von Hartmut Blume (37., 43.) und Dalia Vollach (36.) sprangen nicht heraus. Auf der Tribüne fragte ein Fan sarkastisch: "Kriegen wir wenigstens Eckenmeister?" - Nein, nicht einmal das. In der 28. Minute dann das 0:3: Espen Brinkerhoff, der bullige Norweger auf der linken Seite, fasste sich ein Herz, zog aus 18 Metern ab - und traf mit einem Strahl, der eher an einen Hockeyschuss erinnerte. Torhüter Dahlstrom war erneut chancenlos. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Brinkerhoff später zu, "aber manchmal hat der Ball einfach eigene Pläne." Mit diesem Zwischenstand ging es in die Pause. Rehovot-Trainer - dessen Namen man sich an diesem Abend besser nicht merken wollte - gestikulierte wild an der Seitenlinie, während Tirat-Coach Babsi Klemm seelenruhig an ihrem Kaugummi kaute. "Wir wussten, dass sie viel Ballbesitz haben würden", erklärte sie später. "Aber Ballbesitz gewinnt keine Spiele, Tore schon." Die zweite Hälfte begann, wie die erste aufgehört hatte: Tirat Carmel zielstrebig, die Reds ideenlos. Kaum war die Uhr auf 49 Minuten gesprungen, traf Innenverteidiger Robert Catalano nach einer Ecke von Joel Cantwell zum 0:4. Ein Innenverteidiger! Wenn selbst die Abwehr trifft, ist es für den Gegner Zeit, über die Berufswahl nachzudenken. Danach schalteten die Gäste einen Gang zurück. Sie ließen den Ball laufen, standen kompakt, und wenn Rehovot mal nach vorne kam, war spätestens bei Leandro Djalo oder Jelle Brill Schluss - letztere holten sich zwar noch Gelb (85. und 94.), aber das konnte Klemm verschmerzen. Rehovot hingegen verlor zunehmend die Fassung. Abbas Scharanski sah Gelb nach einem rustikalen Einsteigen (70.), Manus Donis ebenfalls in der Nachspielzeit. Es war der sichtbare Frust einer Mannschaft, die viel probierte, aber nie den Schlüssel fand. Nach dem Schlusspfiff klatschten die Tirat-Spieler ausgelassen vor dem Gästeblock, während die Reds mit hängenden Köpfen vom Platz trotteten. Espen Brinkerhoff, mit einem Tor und einer Gelben Karte, fasste es trocken zusammen: "Wir hätten auch fünf machen können, aber man soll ja nicht unhöflich sein." Die Zahlen unterstreichen den Eindruck: 21 Torschüsse für Tirat Carmel, nur 5 für Rehovot. Und das, obwohl die Gastgeber 56 Prozent Ballbesitz hatten. Es war, als hätte jemand den Begriff "Effizienz" neu definiert. Trainer Klemm nahm’s sportlich: "Ich bin stolz auf die Jungs. Wir haben gezeigt, dass man mit Mut und Flügelspiel auch auswärts dominieren kann." Damit spielte sie auf die offensive Grundausrichtung an - offensiv, über die Flügel, aggressiv - die schon in der ersten Minute auf dem Matchplan stand. Im Rehovot-Lager herrschte dagegen Nachdenklichkeit. "Wir wollten das Spiel kontrollieren", murmelte Kapitän Aki Kuqi, "aber Kontrolle ohne Tore ist wie ein Taxi ohne Motor. Sieht gut aus, fährt aber nicht." So blieb es beim 0:4 - einem Ergebnis, das den Spielverlauf sogar noch schmeichelhaft beschreibt. Tirat Carmel FC nimmt drei Punkte und eine Menge Selbstvertrauen mit nach Hause. Die Reds dagegen? Müssen sich fragen, ob 56 Prozent Ballbesitz wirklich ein Trost sind, wenn am Ende nur die Gäste jubeln. Ein Zuschauer brachte es beim Rausgehen auf den Punkt: "Rehovot hatte mehr vom Ball, aber Tirat Carmel hatte mehr vom Leben." Und das trifft es ziemlich genau. 19.11.643990 13:14 |
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In Offenbach brauchst Du eher einen Wohnwagen als eine Wohnung, so schnell bist Du wieder weg.
Peter Neururer