Haaretz Sports
+++ Sportzeitung für Israel +++

Tirat Carmel FC zerlegt Kiryat Shmona Red - Oliveira mit Dreierpack im Rausch

Wenn ein Team mit einem Offensivkonzept anreist, das "Wings" heißt, und danach aussieht, als hätte es Düsenantrieb, dann wird’s für den Gegner ungemütlich. Genau das erlebten die 37.301 Zuschauer in Kiryat Shmona an diesem kühlen Januarabend. Tirat Carmel FC kam, sah und schoss - und zwar fünfmal ins Netz. 0:5 (0:2) hieß es am Ende gegen die ratlosen "Reds".

Schon nach wenigen Minuten wurde klar, dass Trainerin Babsi Klemm ihre Jungs auf Angriff programmiert hatte. Ihre Mannschaft presste, sprintete und flankte, als gäbe es doppelte Punktzahl für Flankenläufe. "Wir wollten zeigen, dass Offensive auch in Israel Spaß machen darf", grinste Klemm später, während sie sich demonstrativ den Staub von den weißen Sneakers klopfte.

Den Anfang des Torfestivals machte Bram Sleeper, der linke Mittelfeldläufer mit dem Namen eines Thrillers. In Minute 22 zog er nach Doppelpass mit Innenverteidiger Leandro Djalo ab - und traf trocken ins lange Eck. Vier Minuten später war es Ricardo Gutierrez, der Rechtsverteidiger mit Offensivdrang, der nach einer Ecke von Djalo auf 0:2 erhöhte. Kiryat Shmonas Keeper Juanito Garcez sah den Ball wohl erst, als er schon wieder aus dem Netz rollte.

Die Gastgeber schienen sich kurz zu fangen, hatten sogar zwei ordentliche Chancen - Slaven Labak (7.) und Luís Futre (32.) prüften Tirats Torwart Georg Danielsen, der aber in nordischer Gelassenheit beide Male sicher zupackte. "Ich hab mehr geschwitzt, als das Flutlicht ausging", witzelte Danielsen später.

Nach der Pause wurde es dann bitter. Drei Tore innerhalb von vier Minuten - ein Hattrick, wie er im Lehrbuch steht, und zwar von einem Mann, der offenbar beschlossen hatte, heute Geschichte zu schreiben: Isidoro Oliveira. In der 49. Minute setzte er sich wuchtig im Strafraum durch; in der 51. verwertete er eine butterweiche Flanke von Bram Sleeper; und in der 52. schob er nach Zuspiel von Rasmus Clausen cool zum 0:5 ein. Ein Dreierpack in drei Minuten!

"Ich dachte ehrlich, das Spiel ist noch gar nicht wieder angepfiffen", meinte Kiryat Shmonas Verteidiger Tomislav Vuk, der wenig später auch noch Gelb sah (71.) - wohl aus purem Frust. Oliveira selbst blieb bescheiden: "Ich wollte einfach Spaß haben. Und Tore machen ist nun mal mein Hobby."

Kiryat Shmona Red versuchte es danach mit Schadensbegrenzung. Trainer Shmuel Ben-Hadar (dessen Gesichtsausdruck wahlweise "Fassungslosigkeit" oder "innere Emigration" bedeutete) wechselte in der 66. Minute den jungen Mosche Lapid ein. Der Teenager hielt allerdings nur wenige Minuten durch - Verletzung, ausgewechselt, Tränen. "Das war sinnbildlich für unser Spiel", seufzte Ben-Hadar später. "Wir wollten kämpfen, aber selbst unsere Hoffnungsträger brechen uns weg."

Die Statistik spricht eine ebenso klare Sprache wie das Ergebnis: 18 Torschüsse für Tirat Carmel, nur 5 für Kiryat Shmona. Der Ballbesitz war mit 52 zu 48 Prozent fast ausgeglichen - doch was nützt Ballbesitz, wenn der Gegner jedes Mal mit Karacho kontert?

Auffällig war auch, dass Tirat Carmel nie den Fuß vom Gas nahm. Selbst beim Stand von 0:5 pressten sie noch, als ginge es um den Titel. "Ich hab ihnen gesagt: Wir spielen, bis der Schiedsrichter pfeift - nicht bis der Gegner aufgibt", erklärte Babsi Klemm trocken. Man glaubt ihr das sofort.

Als der Schlusspfiff ertönte, applaudierten selbst einige Heimfans - eine Geste, die man in Kiryat Shmona selten sieht. Vielleicht, weil man anerkennen musste: Das war einfach richtig guter Fußball.

Und während Oliveira den Spielball einsackte und Sleeper ihm scherzhaft zurief, er solle ihn bloß nicht bei eBay verkaufen, trotteten die "Reds" vom Platz - begleitet von einem gütigen, aber mitleidigen Applaus.

Fünf Tore kassiert, kein eigenes erzielt, eine Gelbe Karte, eine Verletzung - es war einer jener Abende, an denen man als Heimfan nur hoffen kann, dass der Bus zum Trainingszentrum keine Schlaglöcher hat.

Schlusswort? Nun, wenn Tirat Carmel FC weiter so spielt, sollte man in der Liga bald weniger über Tabellenplätze und mehr über Tordifferenzen sprechen. Und Kiryat Shmona Red? Die sollten vielleicht mal prüfen, ob "Balanced Alignment" nicht doch nur ein anderer Ausdruck für "zu freundlich zum Gegner" ist.

03.05.643987 15:47
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Mich nerven Trainingslager. Weil ich am liebsten bei meiner Frau bin. Doch inzwischen bin ich genauso oft mit Helmer auf der Bude - aber immer mit dem Hintern zur Wand.
Mehmet Scholl über Trainingslager
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager