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Es war einer dieser Abende im Petah-Stadion, an denen 27.000 Zuschauer zunächst dachten, sie sähen ein klassisches Null-zu-Null-Spiel - und dann doch noch zweimal aufspringen durften, wenn auch meist die falschen Fans. Tirat Carmel FC gewann am Donnerstagabend beim 26. Spieltag der 1. Liga Israel mit 2:0 gegen die Petah Blues, weil sie in den letzten zehn Minuten begriffen, dass Tore nun mal zum Fußball dazugehören. Dabei hatten die Blues über weite Strecken gar nicht so schlecht ausgesehen. 51 Prozent Ballbesitz, ruhiger Aufbau, kaum Hektik - alles da, was man im Lehrbuch findet. Nur: Tore standen auf einer anderen Seite des Lehrplans. Die Gäste aus Tirat Carmel, gecoacht von Babsi Klemm, wirkten anfangs wie ein wilder Haufen aus der Stürmer-Schule "Versuch macht klug". Elf Torschüsse standen am Ende zu Buche - viele davon eher in die Kategorie "na ja, wenigstens versucht". Schon in der 10. Minute prüfte Rahim Erkin den jungen Blues-Keeper Andre Lehmann mit einem satten Schuss von links. Drei Minuten später zog Bram Sleeper ebenfalls ab, und erneut rauschte der Ball knapp vorbei. "Ich hatte das Gefühl, die Jungs wollten das Tornetz warm schießen, bevor sie treffen", witzelte Klemm später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Ironie und Stolz pendelte. Die Petah Blues dagegen zeigten in der Offensive jene Zurückhaltung, die sonst eher in Bibliotheken zu Hause ist. Amram Galili, eigentlich Innenverteidiger, war es, der in der 3. Minute den ersten und für lange Zeit gefährlichsten Schuss der Gastgeber abgab. "Ich dachte, vielleicht überrascht das mal jemanden, wenn ein Verteidiger schießt", meinte er nach der Partie - und grinste schief. Kurz vor der Pause hatte Benjamin Liwni noch eine halbe Chance. Der Ball flog aber so deutlich über das Tor, dass selbst die Balljungen sich weigerten, ihm hinterherzulaufen. Zur Halbzeit stand es 0:0, und selbst die Stadionkatze gähnte. Dann kam die zweite Hälfte - und mit ihr eine gewisse Unruhe. Petah wirkte bemüht, aber ohne zündende Idee. Caio Gonzalez versuchte es in der 56. Minute aus der Distanz, doch Tirats Keeper Edward Whitman pflückte den Ball seelenruhig aus der Luft. Auf der anderen Seite schickte Klemm zur Pause den bulligen Isidoro Oliveira in die Spitze, und das sollte sich später auszahlen. In Minute 82 fiel endlich das, was sich über 80 Minuten angekündigt, aber nie materialisiert hatte: ein Tor. Oliveira stand nach einem Durcheinander im Strafraum plötzlich frei und schob trocken zum 1:0 ein. Der Jubel war so laut, dass man kurz dachte, Tirat Carmel hätte gerade die Meisterschaft gewonnen. "Ich hab einfach gehofft, keiner pfeift ab, bevor der Ball drin ist", grinste Oliveira. Die Blues versuchten daraufhin, wenigstens den Ausgleich zu erzwingen. Trainerstimmen wurden laut, Spieler gestikulierten, und selbst der Stadionsprecher klang plötzlich nervös. Doch statt des 1:1 kam die kalte Dusche: Der eingewechselte Joel Cantwell nutzte in der 89. Minute einen Konter und traf zum 2:0-Endstand. "Ich hab Babsi angeschaut, und sie hat nur genickt. Da wusste ich, ich darf schießen", erzählte Cantwell später mit einem Augenzwinkern. Die Statistik sprach am Ende eine klare Sprache: 11:3 Schüsse auf das Tor für die Gäste, mehr Zweikampfquote, mehr Effizienz. Petah hatte zwar den Ball - aber Tirat Carmel hatte den Plan. "Wir wollten über die Flügel Druck machen und geduldig bleiben", erklärte Klemm. "Geduld ist ja sonst nicht so unser Ding, aber heute hat’s funktioniert." Bei den Blues herrschte Frust. Ein Spieler, der lieber anonym bleiben wollte, murmelte: "Wir spielen 80 Minuten solide, und dann reicht einmal Unachtsamkeit. Vielleicht sollten wir mal offensiver denken - oder Kaffee trinken vor dem Spiel." Trainer der Blues? Nun, der wollte sich zunächst gar nicht äußern - was in diesem Fall mehr sagte als jede Analyse. Und so bleibt nach einem Abend in Petah das Gefühl, dass Fußball manchmal ein Geduldsspiel ist - vor allem, wenn man die Geduld des Gegners unterschätzt. Tirat Carmel FC nimmt drei Punkte mit, die Blues bleiben mit leeren Händen und leeren Gesichtern zurück. "Wir kommen wieder", versprach Galili beim Abgang - und vielleicht meint er das ernst. Aber bis dahin dürfen sich Rahim Erkin und Co. noch ein wenig in der Sonne ihres verdienten Auswärtssiegs wärmen. Abpfiff, Statistik, Staub - und irgendwo auf der Tribüne summte einer: "Zwei Tore spät, doch nie zu spät." Ein Satz, der an diesem Abend das Spiel wohl am besten zusammenfasste. 17.07.643993 22:39 |
Sprücheklopfer
Oliver Kahn konnte ich gerade noch davon abhalten, sich zu ertränken. Der Rest hat sich auf der Toilette eingesperrt.
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