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Wenn man 43.510 Zuschauer in einem brodelnden Stadion unterbringt, darf man Spektakel erwarten - und Tirat Carmel FC lieferte. Mit einem überzeugenden 3:1-Heimsieg über die Rehovot Blacks am 3. Spieltag der 1. Liga Israel zeigte das Team von Trainerin Babsi Klemm, dass es nicht nur offensiv denkt, sondern auch weiß, wann man die Axt auspacken muss - im übertragenen Sinne, versteht sich. Schon die ersten Minuten ließen erahnen, dass Carmel an diesem Abend keinen Schönheitspreis, sondern drei Punkte wollte. Sigurd Carlsen prüfte den gegnerischen Torwart Michel Ze Castro bereits in der ersten Minute, und von da an rollte Angriff um Angriff auf das Tor der Gäste. "Wir wollten gleich zeigen, wer hier das Licht anmacht", grinste Carlsen nach dem Spiel. In der 28. Minute fiel dann das erste Mal die Entscheidung in Richtung Heimmannschaft: Frans Dahl, quirlig wie ein Espresso nach Mitternacht, vollendete eine Vorlage von Ansgar Henriksson zum 1:0. Die Fans tobten, Dahl rannte jubelnd zur Eckfahne - und Babsi Klemm klatschte so heftig, dass selbst der vierte Offizielle irritiert aufs Handgelenk schaute. Rehovot, das laut Statistik mit 54 Prozent Ballbesitz eigentlich die Kontrolle hatte, wirkte seltsam zahnlos. Der erfahrene Goran Koroman feuerte zwar dreimal in Folge auf das Tor (Minuten 11, 12 und 16), aber Tirats Keeper Georg Danielsen ließ sich davon nicht beirren. "Ich hab ihn schon beim Aufwärmen beobachtet. Wenn er aus der zweiten Reihe zieht, kann man fast schon den Kaffee aufsetzen", witzelte Danielsen später. Kurz vor der Pause gab’s dann noch Gelb für Kacper Wojciechowski, der offenbar der Meinung war, dass man Flügelspieler auch mit einem beherzten Griff stoppen darf. "Ich wollte nur einen freundschaftlichen Schulterklopfer", verteidigte er sich lachend. Die zweite Halbzeit begann, wie die erste endete: mit einem Tor für Tirat Carmel. Keine 60 Sekunden nach Wiederanpfiff legte Henriksson wieder auf - diesmal für Isidoro Oliveira, der den Ball kompromisslos in die Maschen jagte. 2:0, und Rehovot sah plötzlich aus, als hätte jemand den Stecker gezogen. Trainer Babsi Klemm, stets zwischen Begeisterung und Analyse pendelnd, rief ihren Spielern zu: "Weiter, Jungs, wir haben noch Platz auf der Anzeigetafel!" Und tatsächlich, in der 68. Minute erfüllte Sigurd Carlsen diesen Wunsch. Nach einem schnellen Angriff über die linke Seite flankte Dahl präzise, Carlsen zog direkt ab - 3:0. Ein Tor, das man auch in Zeitlupe nicht schöner zeichnen könnte. Danach gönnte sich Carmel ein bisschen Luxus: Babsi Klemm wechselte in der 62. Minute Adriano Figo ein, der prompt das Publikum mit einem eleganten Außenristpass begeisterte. Auch Claude Gaudin kam kurz darauf für den Torschützen Oliveira und hatte zwei gute Chancen (70. und 81.), scheiterte aber jeweils knapp. Rehovot wehrte sich spät, aber immerhin mit Stil. In der 87. Minute traf Marc Doreste nach schöner Vorarbeit von Richard Bolf zum 3:1. Der Jubel war verhalten, aber immerhin: ein Ehrentreffer, der verhinderte, dass die Rückfahrt nach Rehovot völlig schweigsam ausfallen musste. Trainer Hhbb Hjj (ja, das ist wirklich sein Name) zeigte sich nach dem Spiel stoisch: "Wir hatten den Ball, sie die Tore. Vielleicht sollten wir das nächste Mal tauschen." Ein Satz, der wohl in die Zitatensammlung der Saison eingehen wird. Statistisch betrachtet war’s kurios: Tirat Carmel hatte mit 45 Prozent Ballbesitz weniger vom Spiel, aber doppelt so viele Ideen - und satte 20 Torschüsse gegenüber nur sieben der Blacks. Das nennt man Effizienz mit Schmackes. Babsi Klemm fasste es zum Schluss charmant zusammen: "Wir trainieren nicht fürs Auge, sondern fürs Ergebnis. Und das gefällt mir heute ziemlich gut." Dann zwinkerte sie, drehte sich um und verschwand Richtung Kabine - wahrscheinlich, um dort erst einmal die Stimmbänder zu kühlen. So bleibt ein Abend in Erinnerung, an dem Tirat Carmel FC nicht nur drei Punkte, sondern auch jede Menge Sympathien sammelte. Und Rehovot? Nun, die werden wohl noch eine Weile an diesem Spiel zu knabbern haben. Aber wer weiß - vielleicht kommt die Revanche schneller, als man denkt. Und am Ende bleibt die alte Fußballweisheit: Ballbesitz schießt keine Tore - aber Tore schießen Punkte. Tirat Carmel hat das eindrucksvoll bewiesen. 22.06.643990 03:10 |
Sprücheklopfer
Weisweiler und Happel sind tot, Hitzfeld ist bei den Bayern. RWO hat den besten Trainer, den man kriegen kann.
Aleksandar Ristic zur Trainerdiskussion in Oberhausen.