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Ein lauer Abend in Tirat Carmel, 20:30 Uhr, Flutlicht, 40.044 Zuschauer - und eine Heimmannschaft, die offenbar beschlossen hatte, das Fußballspielen neu zu definieren. Tirat Carmel FC überrollte die Kafr Kanna Greens mit 4:1 (3:0) und machte dabei deutlich, dass Ballbesitzstatistiken zwar nett für Analysten sind, Tore aber immer noch die Währung des Spiels bleiben. Dabei begann alles, wie man so schön sagt, mit einem klassischen Fehlstart - für die Gäste. Schon nach 21 Minuten klingelte es im Kasten von Morgan Lewis. Bram Sleeper, der linke Mittelfeldmotor mit der Dynamik eines Espresso-Doppels, drosch den Ball nach Vorlage von Abwehrstratege Leandro Djalo unhaltbar in die Maschen. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du triffst, sieht’s immer nach Absicht aus", grinste Sleeper später. Sechs Minuten später folgte die nächste Demütigung: Joel Miller, der 32-jährige Mittelfeldkapitän, traf aus 20 Metern - nach feinem Zuspiel von Rasmus Clausen. Während die Greens noch versuchten, ihre Formation zu sortieren, hatte Tirat Carmel längst auf Offensivmodus geschaltet. Trainerin Babsi Klemm kommentierte trocken: "Wir haben einfach aufgehört, höflich zu sein." Kurz vor der Pause dann das 3:0: Isidoro Oliveira, der bullige Mittelstürmer, verwertete eine butterweiche Vorlage von Miller. "Joel hat Augen im Nacken", schwärmte Oliveira, der später noch einmal zuschlagen sollte. Zu diesem Zeitpunkt stand das Stadion Kopf, während Gäste-Coach Adrian Pederson ratlos an der Seitenlinie gestikulierte. "Wir hatten mehr Ballbesitz, aber irgendwie immer den falschen Ball", seufzte er nach dem Spiel. Zur Halbzeit versuchte Pederson’s Team, mit etwas mehr Mut zu agieren. Und tatsächlich: Fünf Minuten nach Wiederanpfiff erzielte Joseph Saint-Pierre nach Vorarbeit von Uzi Pizanti das 3:1. Ein Hoffnungsschimmer, der allerdings so kurzlebig war wie ein Schokoriegel in einer Kinderhand. Nur neun Minuten später stellte Oliveira mit seinem zweiten Treffer den alten Abstand wieder her - 4:1. Von da an war die Partie entschieden, doch die Emotionen blieben. Vier Gelbe Karten sammelte Tirat Carmel - offenbar übermotiviert von der eigenen Dominanz. Besonders Ricardo Gutierrez, der rechte Außenverteidiger, hatte seine hitzigen Momente. "Ich hab nur laut nach dem Ball gerufen", verteidigte er sich lachend nach dem Abpfiff. Die Greens, die mit 54 Prozent Ballbesitz eigentlich die tonangebende Mannschaft hätten sein sollen, wirkten ideenlos. Acht Torschüsse, davon kaum einer gefährlich - während Tirat Carmel sechzehn Mal auf das Tor zielte, als gäbe es Punkte für Mut. Vor allem der flinke Joel Cantwell machte der Gästeabwehr das Leben schwer, auch wenn ihm ein Treffer verwehrt blieb. Zur Pause wechselte Klemm clever: Djalo und Miller durften sich früh in den Feierabend verabschieden, um Platz für frische Kräfte zu machen. "Ich wollte, dass Ansgar Henriksson auch mal Gras sieht", witzelte Klemm später. Die Maßnahme zahlte sich aus, denn das Team behielt Rhythmus und Aggressivität, ohne hektisch zu werden. Die Greens hingegen schienen trotz ihrer "balancierten" Taktik ständig aus dem Gleichgewicht zu geraten. Kein Pressing, wenig Biss, und auch die sonst so verlässliche Passmaschine Haim Zorea blieb blass. Nur Keeper Lewis verhinderte mit mehreren Paraden Schlimmeres - und wurde nach dem Spiel von seinen Mitspielern tröstend umarmt, als habe er eine Naturkatastrophe überstanden. Nach dem Abpfiff fasste Oliveira das Spiel mit einem breiten Grinsen zusammen: "Wir hätten noch mehr Tore machen können, aber dann hätten wir ja nächste Woche nichts zum Steigern." Und Trainerin Klemm ergänzte, halb im Spaß, halb im Ernst: "Wenn meine Jungs weiter so spielen, muss ich bald Eintritt zahlen, um sie zu sehen." Fazit: Tirat Carmel FC war an diesem Abend schlicht eine Klasse besser - aggressiv, effizient und mit dem Mut zum Risiko. Kafr Kanna Greens dagegen wirkte wie ein Team, das den Ball lieber liebkost als nutzt. 4:1 - ein Ergebnis, das klarer ist als jede Statistik. Oder, wie ein Zuschauer beim Verlassen des Stadions bemerkte: "Manchmal ist Fußball eben einfach - wer trifft, hat recht." 27.08.643987 00:53 |
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Matthias Sammer