Fréttablaðið
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Tindastoll siegt spät - Völsungur verzweifelt an der Effizienz

Es war einer dieser isländischen Fußballabende, an denen man sich fragt, ob der Wind nicht doch der zwölfteste Mann auf dem Platz ist. 10.724 Zuschauer in Húsavík froren, litten und jubelten beim 1:2 (1:1) zwischen dem FC Völsungur und Tindastoll - einem Spiel, das mehr Spannung als Eleganz bot, aber genau deshalb so unterhaltsam war.

Schon nach sieben Minuten war die heimische Ordnung dahin. Manuel Juanez, der zentrale Mittelfeldmotor der Gäste, hatte genug Platz, um einen Campingstuhl aufzustellen. Nach einem feinen Steckpass von Nevio Martinez schob er den Ball lässig an Zurawski vorbei - 0:1. "Ich hab einfach geschossen, weil keiner kam", grinste Juanez später, "vielleicht war’s der Wind, der mich angetrieben hat."

Doch Völsungur reagierte mit Stolz und nordischer Sturheit. Der erfahrene Innenverteidiger Otto Hanson - sonst mehr für rustikale Klärungsaktionen bekannt - wuchtete in der 38. Minute eine Flanke von Rechtsverteidiger Eskil Gunnlaugsson per Kopf ins Netz. Der Jubel war so laut, dass selbst die Möwen kurz die Richtung wechselten. "Ich hab seit drei Jahren kein Tor mehr gemacht", lachte Hanson, "vielleicht sollte ich öfter vorne bleiben."

Zur Pause stand’s 1:1, und das war leistungsgerecht: 50,9 Prozent Ballbesitz für Völsungur, 49,1 für Tindastoll, je ein Tor, fast gleich viele Torschüsse - 14 zu 13. Nur: Während Völsungur meist gefällig kombinierte, wirkten die Gäste gefährlicher, zielstrebiger.

Trainer Jörg Wenneker, der deutsche Steuermann an der Seitenlinie der Gäste, blieb währenddessen stoisch. "Wir spielen offensiv, immer. Selbst wenn’s schneit quer", sagte er mit seiner typischen Mischung aus Trotz und Charme. Sein Team hielt Wort: weiter mutig, weiter offensiv, während Völsungur zwar viel den Ball hatte, aber immer wieder an der eigenen Harmlosigkeit scheiterte.

Christophe Berard, der 33-jährige Linksaußen der Hausherren, war so etwas wie der tragische Held des Abends. Fünf Torschüsse, keiner drin. In der 62. Minute verzog er aus fünf Metern, und selbst der Stadionsprecher murmelte: "Das war die Chance." Berard winkte später ab: "Ich hab den Ball gesehen, aber der Ball mich wohl nicht."

Und so kam es, wie es im Fußball oft kommt, wenn man vorne zu freundlich ist: hinten wird man bestraft. In der 88. Minute, als die Zuschauer schon die Nachspielzeit herbeisehnten, setzte sich Tindastolls rechter Mittelfeldmann Shulamit Vilnai auf der Außenbahn durch, flankte präzise in den Rücken der Abwehr - und der 21-jährige Johannes Thiel drosch den Ball volley in den Winkel. 1:2, und plötzlich war es im Stadion still wie in einer Eisdiele im Winter.

"Das war kein Zufall", erklärte Thiel nach dem Spiel. "Wir trainieren solche Szenen. Und ehrlich gesagt - ich wollte gar nicht volley schießen, aber der Ball hat’s anders entschieden."

Völsungur warf in den letzten Minuten alles nach vorne. Ralph Lohmann prüfte Torwart Bischoff in der 91. Minute mit einem satten Schuss, doch der junge Keeper blieb cool. Kurz darauf Berard noch einmal - drüber. Trainer und Spieler blickten sich an, als hätten sie gemeinsam einen schlechten Witz gehört.

"Wir hatten genug Chancen für zwei Spiele", knurrte ein sichtlich genervter Otto Hanson. "Aber Fußball ist kein Wunschkonzert." Trainer Wenneker hingegen grinste nur in die Kameras: "Ich hab gesagt, wir bleiben dran bis zum Schluss. Und siehe da - manchmal lohnt sich Geduld."

Statistisch gesehen war’s fast ein Unentschieden, emotional war’s ein Raubzug. Tindastoll entführt mit Effizienz und jugendlicher Frechheit drei Punkte, während Völsungur sich mit viel Aufwand und wenig Ertrag an den Rand der Verzweiflung spielt.

Als die Flutlichter langsam erloschen, blieben ein paar Fans noch sitzen - vielleicht, um das Ergebnis zu verdauen, vielleicht, um den Wind zu übertönen. Einer rief Richtung Platz: "Beim nächsten Mal schießen wir in der ersten Minute!" Darauf Berard, mit einem Lächeln: "Dann treffen wir vielleicht in der letzten."

So endete ein Abend, der alles hatte: Tempo, Drama, Pfostenpech - und wieder einmal den Beweis, dass Fußball in Island auch im März heiß sein kann, selbst bei eisigem Wind.

07.07.643993 11:08
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