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Ein kalter Januarabend, Flutlicht, 27.000 Zuschauer im Stadion von Cremona - perfekte Bedingungen für ein Pokal-Wunder. Nur leider blieb das Wunder aus. Stattdessen zeigte Yuventus Turin, wie man mit kühler Effizienz auswärts auftritt, und schickte die tapfer kämpfenden Tigri Cremonesi mit einem sauberen 0:3 nach Hause. Dabei hatte Trainerin Tigri Lilly ihr Team mutig eingestellt: offensiv, voller Tatendrang, Pressing? Fehlanzeige. "Wir wollten das Spiel mit Ball lösen, nicht hinterherrennen", erklärte sie später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Galgenhumor und Stolz pendelte. Und tatsächlich: 47 Prozent Ballbesitz, sieben Torschüsse - für die Tigri kein schlechtes Blatt. Nur: Tore gab’s keine. Yuventus dagegen spielte, als hätten sie die Taktiktafel gleich mit auf den Platz genommen. Ausgewogen, zielstrebig, aber nie hektisch. Schon in der Anfangsphase prüften Simpson, Gülec und Benett mehrfach den Cremonesi-Keeper Antonio Coluna, der sich mit Glanzparaden in die Herzen des Publikums hechtete. In der 33. Minute war dann aber auch er machtlos: Ellis Benett, der flinke Rechtsaußen, zog nach Pass von Innenverteidiger Gianluca Puglisi trocken ab - 0:1. "Ich hab gar nicht gesehen, dass der Ball drin war, bis mir Ari Sainio auf den Kopf sprang", grinste Benett später. Die Gastgeber wirkten kurz geschockt, fanden aber über Santoro und De Graff zurück ins Spiel. Zwei ordentliche Distanzschüsse (36. und 37. Minute) brachten immerhin ein Raunen durchs Stadion. Doch just, als man dachte, das Spiel könnte kippen, drehte Yuventus erneut auf: Innenverteidiger Gabriele Marcedusa (!) stieg nach einer Ecke am höchsten und köpfte zum 0:2 (42.) ein. Die Vorlage kam vom unermüdlichen Sainio, der kurz vor der Pause mit einem schmerzverzerrten Gesicht vom Platz musste - Muskelverletzung. "Ich wollte noch weitermachen, aber der Oberschenkel hatte andere Pläne", sagte er später lakonisch. In der zweiten Halbzeit versuchte Tigri Cremonesi alles. Roger Castel rannte sich auf der linken Seite die Seele aus dem Leib, Daniele Bernardi zog aus der zweiten Reihe ab, und sogar Innenverteidiger Teodor Gregersen rückte phasenweise bis zur Mittellinie auf. Doch die Abwehr der Turiner stand wie eine Mauer aus Beton und italienischem Selbstbewusstsein. Yuventus-Coach Mario Girotti beobachtete das mit verschränkten Armen und einem Gesichtsausdruck, der irgendwo zwischen gelangweilt und zufrieden lag. "Wir haben das Spiel kontrolliert. Das war kein Feuerwerk, aber effizient. Und Effizienz gewinnt Pokale", sagte er nach dem Spiel. In der Schlussphase durfte dann noch einmal der Mann des Abends ran: Okay Gülec, stets gefährlich über links, nahm in der 87. Minute einen feinen Pass von Manuel Acquaformosa auf, zog nach innen und verwandelte eiskalt ins lange Eck - 0:3. "Ich hatte das Gefühl, der Ball wollte einfach rein", erklärte Gülec, während seine Mitspieler ihm auf die Schultern klopften. Die letzten Minuten waren Formsache. Yuventus schaltete auf Kurzpassspiel, das Publikum auf Galgenhumor: "Wir woll’n die Tigri seh’n!", sang die Kurve, während Trainerin Lilly noch einmal lautstark dirigierte. Doch selbst mit vollem Einsatz und offener Formation blieb das Ergebnis bestehen. Statistisch gesehen war’s kein Klassenunterschied, aber ein Lehrstück in Abgeklärtheit. 16 Torschüsse für Yuventus, sieben für die Tigri, Ballbesitz fast pari, Tacklingquote 53 zu 47 Prozent - Zahlen, die auf Augenhöhe klingen. Nur eben ohne Tore auf der einen Seite. Nach dem Abpfiff klatschten die Zuschauer ihre Tigri trotzdem ab. "Wir haben nicht gewonnen, aber wir haben uns gezeigt", sagte Kapitän Bernardi, während er sich das Trikot über den Kopf zog. Vielleicht war genau das der Pokal-Moment des Abends: Mut, Leidenschaft - und die Erkenntnis, dass gegen so abgebrühte Gäste wie Yuventus Turin manchmal selbst ein Tigerzahn stumpf bleibt. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen murmelte: "Wenn wir schon rausfliegen, dann wenigstens gegen ein Team, das Fußball spielt wie aus dem Lehrbuch." Zustimmung ringsum. Und irgendwo am Stadionausgang lächelte Trainerin Lilly - leise, aber trotzig. 11.07.643987 15:03 |
Sprücheklopfer
Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
Andreas Brehme