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Tigers zerlegen Dragons: 9:0-Schützenfest in Hull

Ein Spiel, das in die Vereinschronik eingehen wird - und für die Gäste wohl in den Albtraum-Archiven landet. Die Hull Tigers haben am Dienstagabend im heimischen Stadion die Wrexham Dragons mit 9:0 aus dem Stadion geschossen. 29.240 Zuschauer sahen, wie eine Mannschaft Fußball spielte und die andere versuchte, das Konzept "Laufen ohne Ball" neu zu interpretieren.

Schon nach acht Minuten begann das Unheil für die Dragons: Günther Götz, quirlig wie ein Espresso auf zwei Beinen, zimmerte den Ball nach Vorlage von Agemar Conceição in den Winkel. "Ich hab’ einfach mal draufgehalten", grinste Götz später, "der Ball wollte wohl rein." Acht Minuten später legte Jürgen Petersen nach, ebenfalls nach Zuspiel des omnipräsenten Conceição. Spätestens da wurde klar: Das hier ist kein ausgeglichenes Duell - das ist ein Trainingsspiel mit Publikum.

Wrexham-Trainer Viktor Kazyrow gestikulierte wild an der Seitenlinie, während seine Spieler offenbar eine spontane Kunstperformance aufführten: "Defensivexpressionismus in neun Akten". Cesc Zapatero (40.) und Luca Engelhardt (42.) erhöhten noch vor der Pause auf 4:0. "In der Kabine hab’ ich nur gesagt: Jungs, lasst den Ball laufen - und sie haben mich wohl wörtlich genommen", schmunzelte Tigers-Coach Mathias Oergel nach der Partie.

Nach Wiederanpfiff wurde es nicht besser für die Dragons. Billy Chamberlain (60.) eröffnete den zweiten Akt des Torfestivals, flankiert von Zapatero, der später selbst (84.) erneut traf. Dazwischen durfte sich auch Verteidiger Gerd Laursen (77.) in die Torschützenliste eintragen - verteidigen kann er offenbar ebenso gut wie abschließen. "Ich hab nur geschossen, weil keiner kam, um mich zu stoppen", erklärte er trocken.

Zwischenzeitlich versuchte Wrexham, irgendwie Stabilität zu finden. In der 52. Minute musste Filipe Conceição verletzt raus, Solveig Fjortoft kam - und brachte immerhin frischen Wind, wenn auch nur im eigenen Strafraum. Tiago Melendez prüfte in der 58. Minute mit einem zarten Schüsschen Hull-Keeper Joel Eliot - der sich anschließend beim Publikum entschuldigte, dass er tatsächlich eingreifen musste.

Doch die Tigers hatten längst Blut geleckt. Chamberlain (87.) und Götz (91.) setzten die letzten Nägel in den ohnehin löchrigen Drachenpanzer. Das Endergebnis: 9:0. Die Zuschauer klatschten, lachten, staunten - und einige sollen laut Augenzeugen tatsächlich den Schiedsrichter gefragt haben, ob das noch als Profifußball zählt.

Die Statistiken sprechen eine ebenso deutliche Sprache: 23:3 Torschüsse, 61 Prozent Ballbesitz, eine Zweikampfquote von 58 Prozent für Hull. Die Dragons dagegen wirkten, als hätten sie erst am Vortag das Wort "Pressing" gegoogelt und dann beschlossen, es lieber nicht zu übertreiben.

Ein kleiner Moment des Chaos in der Nachspielzeit, als Hull-Verteidiger Joao Munoz sich noch eine Gelbe Karte abholte - vermutlich, um wenigstens auch mal im Spielbericht vorzukommen. Zuvor hatte Wrexhams Sam Mercator (90.) ebenfalls Gelb gesehen, wohl aus Frust darüber, dass selbst der Ball inzwischen schienbar über sie lachte.

Nach dem Spiel suchte Trainer Kazyrow nach Worten - und fand keine passenden. "Manchmal ist Fußball grausam", sagte er schließlich mit leerem Blick. "Heute war er sadistisch." Oergel hingegen grinste breit: "Ich sag den Jungs immer: Wenn ihr Spaß habt, hat das Publikum Spaß. Nur Wrexham hatte heute leider keinen Spaß."

Die Tigers spielten von Anfang bis Ende mit einer Selbstverständlichkeit, die fast unheimlich wirkte. Kein wildes Pressing, kein übertriebener Einsatz - laut Taktikdaten: ausgewogen, stark in der Aggressivität, aber mit "schwachem Einsatz". Wenn das schwach war, möchte man nicht wissen, was passiert, wenn sie mal wirklich Gas geben.

Zum Schluss stand im Stadion eine Mischung aus Staunen und Mitleid. Ein älterer Fan auf der Tribüne fasste es wohl am besten zusammen: "Ich bin seit 40 Jahren hier - aber das war kein Spiel, das war Kunst. Und Wrexham war die Leinwand."

Ein Abend, der in Hull als Gala gefeiert wird - und in Wrexham wohl als Lehrfilm: "Wie man in 90 Minuten Demut lernt."

16.11.643987 00:19
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Verstärken können die sich, aber nicht auf der rechten Seite. Da bin ich. Ich komme selber aussem Pott. Mein Vater war auf der Hütte. Wenn ich wieder fit bin, zeig ich denen, wat malochen heißt.
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