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Ein kalter Januarabend, 46 064 Zuschauer im St. Mary’s Stadium, Flutlicht, Nebel über dem Rasen - und ein FC Southampton, der von Beginn an so tat, als ginge es um ein Champions-League-Finale. Am Ende stand ein knapper, aber verdienter 1:0-Sieg gegen die Manchester Blues - ein Ergebnis, das die Statistik freundlich "ausgeglichen" nennen würde, das Spielgeschehen aber eher "einseitig". Die Saints, gecoacht von Michael Böning, begannen mit einer klar offensiven Ausrichtung. Die Blues, unter Daniel Kontsch wie immer bemüht, das Spiel breit zu machen, wirkten dagegen, als hätten sie die Flügel vergessen. Nur zwei Torschüsse in 90 Minuten sprechen eine deutliche Sprache. "Wir wollten eigentlich mutiger sein", murmelte Kontsch nach Abpfiff, "aber dann fiel das frühe Tor - und irgendwie war dann alles… kompliziert." Dieses frühe Tor: In der 19. Minute kombinierte sich der junge Liam Allington im Mittelfeld durch, sah die Lücke und steckte den Ball punktgenau auf Manuel Tiago durch. Der 27-jährige Mittelstürmer ließ sich nicht zweimal bitten, schob eiskalt ein - 1:0. "Ich hab gar nicht nachgedacht", grinste Tiago später, "wahrscheinlich deshalb war’s drin." Danach spielten die Gastgeber frei auf, als hätte jemand einen roten Knopf mit der Aufschrift "Dauerfeuer" gedrückt. 14 Torschüsse, die meisten davon von Tiago selbst und dem flinken Gabriel Beecroft, ließen den Blues-Keeper Knud Gruber regelmäßig in die Horizontale fliegen. In der 31. Minute rauschte ein Schuss von Tiago nur um Zentimeter am Pfosten vorbei, in der 57. Minute prüfte Nicolaas Derrick Gruber mit einem Flatterball, der eher nach Rugby aussah. Zwischendurch wurde es ruppig: Charles Bail sah Gelb in der 20. Minute, offenbar weil er vergessen hatte, dass Grätschen keine olympische Disziplin ist. Auch Gabri Yanez holte sich Gelb ab (61.), nachdem er den Ball und seinen Gegenspieler in einem Zug "entsorgt" hatte. Auf der Gegenseite kassierte Yannik Gancarczyk schon früh (9.) die Verwarnung - sinnbildlich für einen Angriff, der nie wirklich in Schwung kam. Die Blues versuchten zwar, über die Flügel zu kommen - laut Taktikzettel jedenfalls -, doch am Ende blieb es beim Versuch. Ihre beiden Schüsse aufs Tor: Joao Linares in der 75. Minute, Ophir Naot in der 89. - beide brav, beide ungefährlich. Nach dem Spiel seufzte Naot: "Ich dachte, der Ball geht rein. Dann dachte ich, vielleicht war das nur ein Gedanke." Böning wechselte umsichtig: In der 60. Minute kam Kai Whitman raus, Charles Bail rein, später durfte der Routinier Ari Forssell dem jungen Luca Grisolia Platz machen. Und in der 85. Minute bekam Publikumsliebling Sebastiano Carlucci noch ein paar Minuten, ehe er Gabriel Beecroft ablöste - wohl eine symbolische Geste, um den Applaus einzusammeln. Die zweite Halbzeit wurde mehr zum Geduldsspiel. Southampton verwaltete, Manchester suchte - und fand nichts. Der Ballbesitz ging mit 51,6 Prozent leicht an die Gäste, doch das war Statistik ohne Substanz. Die Saints gewannen 58 Prozent ihrer Zweikämpfe, wirkten präsenter, galliger, schlicht wacher. Trainer Böning fasste es nach Schlusspfiff trocken zusammen: "Das war kein Feuerwerk, aber ein Feuerchen reicht auch, wenn’s warm macht." Sein Gegenüber Kontsch nickte müde: "Wir haben uns an der eigenen Geduld verbrannt." Die Fans sahen’s pragmatisch. "Ein hässlicher Sieg ist auch schön", rief einer auf der Tribüne, während der Nebel über dem Stadion langsam die Anzeigetafel verschluckte. 1:0 stand dort noch - ein Ergebnis, das Southampton in der Tabelle wieder nach oben schiebt und die Blues einmal mehr ratlos zurücklässt. Und so endete der Abend, wie er begonnen hatte: mit kaltem Wind, heißen Diskussionen und einem Gefühl, das irgendwo zwischen Erleichterung und Schadenfreude pendelte. Southampton jubelte, Manchester fror. Manuel Tiago winkte beim Abgang Richtung Fans, rief "Das war erst der Anfang!" - worauf ein Kollege aus der Pressetribüne trocken meinte: "Na dann hoffen wir mal, dass das Ende genauso aussieht." Denn in dieser Liga, das steht fest, gewinnt nicht immer der, der schöner spielt - sondern manchmal einfach der, der zuerst trifft und dann das Licht ausmacht. 24.05.643987 19:35 |
Sprücheklopfer
Ich hatte noch nie Streit mit meiner Frau. Bis auf das eine Mal, als sie mit aufs Hochzeitsfoto wollte.
Mehmet Scholl