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Es war ein Fußballabend, wie ihn selbst die abgebrühtesten Fans der "Manchester Devils" nicht so schnell vergessen werden. 37.658 Zuschauer im Old Trafford ließen sich am Dienstagabend von einem Drama fesseln, das alles bot: fünf Tore, eine Verletzung, eine Rote Karte - und einen Helden, der sich erst die Gelbe abholte und dann den Sieg schoss. Endstand: 3:2 (1:1) gegen die "London Gunners". Schon vor dem Anpfiff roch es nach Theater. Gunners-Trainer Hubert Wetzel stapfte mit verschränkten Armen über den Rasen, murmelte etwas von "kontrollierter Offensive", während Devils-Coach Ronnie Ekström seinem Team zurief: "Besser ihr schießt aus allen Lagen, sonst haben wir wieder 70 Prozent Ballbesitz und nichts davon!" - ein Satz, der prophetisch werden sollte. Denn die Devils feuerten im Laufe des Spiels ganze 23 Torschüsse ab - mehr als doppelt so viele wie die Gäste (9). Doch der Anfang gehörte den Gunners. In der 28. Minute zeigte Maurice Blanchet, warum er in London als "leise Klinge" gilt: unscheinbar, bis er plötzlich trifft. Nach feinem Zuspiel von Stefan Balakow schlenzte er den Ball unhaltbar ins lange Eck - 0:1. Ekström klatschte höhnisch in die Hände. "Sieht ja aus wie Training", rief er in Richtung seiner Abwehr. Die Antwort kam prompt: Sechs Minuten später, in der 34. Minute, tankte sich Christopher Bancroft über links durch und legte quer auf Agafon Swetlow, der mit einem humorlos harten Schuss den Ausgleich erzielte. Swetlow grinste später: "Ich dachte erst, der Ball wär schon draußen. Aber wenn man nicht sicher ist - einfach draufhalten." Mit 1:1 ging es in die Pause, und während Wetzel in der Kabine angeblich die Taktiktafel zerkratzte, wechselte Ekström in aller Ruhe: John Devaney raus, Manuel Pastorino rein - ein Wechsel, der sich bezahlt machen sollte. Denn kurz nach Wiederanpfiff, in der 54. Minute, belohnte Bancroft das druckvolle Spiel der Devils. Nach Vorarbeit von Innenverteidiger Timofej Tertyschny drosch er den Ball trocken ins linke Eck - 2:1. Kurz darauf musste Bancroft allerdings verletzt vom Platz. "Er hat sich beim Jubeln mehr wehgetan als beim Zweikampf", witzelte Ekström später, "klassischer Bancroft." Die Gunners versuchten, das Spiel mit drei Wechseln bei Minute 56 zu drehen. Doch statt neuer Energie gab’s Chaos. Kai MacAulay, der Mittelstürmer, musste weichen - für einen Innenverteidiger. "Das war kein Wechsel, das war ein Hilferuf", spottete ein Fan von der Tribüne. Das Spiel wurde ruppiger. Jamie Kirwan und Pastorino holten sich Gelb ab, die Gunners kämpften sich mit Aggressivität und Pressing zurück. Und tatsächlich: In der 90. Minute schien alles wieder offen, als Verteidiger Agemar Brito plötzlich im Strafraum der Devils auftauchte. Nach Pass von Humberto Varela traf er zum 2:2. Brito jubelte ekstatisch, sah dann aber Gelb, weil er sich beim Feiern das Trikot über den Kopf zog. Doch das Schicksal hatte noch Sinn für Ironie. Nur Sekunden später, in der 95. Minute, war es ausgerechnet der zuvor verwarnte Kirwan, der nach Vorarbeit von Swetlow den Ball aus 18 Metern ins rechte Eck drosch - 3:2! Der Stadionsprecher kam kaum hinterher mit dem Jubel. "Ich wusste, ich muss was Gutmachen nach der Gelben", sagte Kirwan nach Abpfiff lachend. Und als wäre das Drehbuch nicht schon verrückt genug, holte sich Brito in der 96. Minute noch glatt Rot ab - ein übermotiviertes Einsteigen, direkt vor der Trainerbank. Wetzel schlug die Hände über dem Kopf zusammen. "Wenn du als Verteidiger zwei Tore machst - eins vorne, eins hinten - dann war’s wohl kein guter Abend", knurrte er. Die Statistik sprach am Ende eine klare Sprache: 56 Prozent Ballbesitz, 23 Torschüsse, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe - die Devils waren schlicht die aktivere Mannschaft. Ekström fasste es gewohnt trocken zusammen: "Wenn du so oft aufs Tor schießt, muss irgendwann einer rein. Oder drei." So steht nach zwei Spieltagen die Erkenntnis: Die Devils bleiben teuflisch effizient, die Gunners müssen ihre Abwehr sortieren - und Brito wird das nächste Spiel von der Tribüne aus sehen. Ein Abend voller Drama, Pathos und britischem Humor - und am Ende das, was Fußball so großartig macht: ein letzter Schuss, ein letzter Schrei, drei Punkte für Manchester. 23.11.643993 02:15 |
Sprücheklopfer
Das Chancenplus war ausgeglichen.
Lothar Matthäus