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Was für ein Abend im Old Trafford! 44.691 Zuschauer sahen ein Spiel, das alles bot: Drama, Verletzungen, Gelbe Karten, eine taktische Kehrtwende - und am Ende einen Helden namens Mika Kuqi. Der Mittelstürmer der Manchester Devils erzielte zwei Treffer, darunter den entscheidenden in der Nachspielzeit. Nottingham Magpies, nach starker erster Halbzeit schon mit einem Bein im Siegerbus, mussten den Platz mit hängenden Köpfen verlassen. Dabei hatte alles so vielversprechend für die Gäste begonnen. Filipe Bischoff brachte die Magpies in der 20. Minute mit einem satten Schuss aus 18 Metern in Führung, nach feinem Zuspiel von Matthew Barthez. Nur vier Minuten später legte Noach Van Keuren nach - wieder nach Vorarbeit, diesmal von Sergi Baiao. 0:2 - die Devils schauten verdutzt, Trainer Reto Klopfenstein reckte die Arme gen Himmel, als wolle er dort oben nach einer Erklärung suchen. "Wir haben gespielt wie Touristen im eigenen Stadion", sagte Klopfenstein später mit einem bitteren Lächeln. "Ich musste in der Pause nur noch an den Feuerlöscher denken - und offenbar hat ihn jemand gefunden." Denn nach der Pause war Manchester kaum wiederzuerkennen. Die Statistik spricht Bände: 20 Torschüsse zu 12, 54,5 Prozent Ballbesitz, 52 Prozent gewonnene Zweikämpfe - vor allem aber eine Wucht, die Nottingham schlicht überrollte. In der 51. Minute fiel der Anschluss. Mika Kuqi, bis dahin eher ein Schatten seiner selbst, nahm eine Kopfballverlängerung von Innenverteidiger Timofej Tertyschny direkt ab - 1:2. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Tertyschny später. "Aber Mika hat halt einen Riecher für alles, was nach Tor riecht." Das Spiel drehte sich. Die Devils liefen an, als wäre das Tor magnetisch. Nottingham fand kaum noch Entlastung, und der eingewechselte Asen Christow sorgte in der 89. Minute für den Ausgleich. Wieder war Tertyschny beteiligt - diesmal mit einem langen Ball, den Christow technisch fein verarbeitete. "Ich hab nur noch gedacht: Wenn der jetzt reingeht, glaub ich an Wunder", meinte ein Fan auf der Tribüne, während sein Bier fast aus dem Becher sprang. Und dann kam die Nachspielzeit. 92. Minute, Flanke von Vicente Peyroteo, Kuqi steigt hoch - 3:2! Das Stadion explodierte. Die Magpies-Spieler sanken zu Boden, als hätte jemand die Luft aus ihnen gelassen. Trainer Christoffer Reedtz stand reglos an der Seitenlinie, die Hände in den Taschen. "Wir haben 89 Minuten lang geführt und dann vergessen, dass ein Spiel 90 dauert", murmelte er später. Zuvor hatte Reedtz noch versucht, mit drei Wechseln zur Pause Stabilität zu bringen: Dusko Neziri kam für den glücklosen Cabell, Egidius Schermerhorn ersetzte den verwarnten Van Keuren, und Marcio Ze Castro sollte hinten dichtmachen. Doch die Maßnahme verpuffte - im Gegenteil: Ab der 60. Minute standen die Magpies so tief, dass selbst ihre eigenen Fans Schwierigkeiten hatten, sie auf dem Feld zu finden. Für zusätzlichen Ärger sorgte die Gelbe Karte gegen Van Keuren (34.) und eine Verletzung auf Devils-Seite: Jean-Pierre Bettencourt musste in der 37. Minute raus, Christow kam - und wurde später zum Matchwinner. Manchmal schreibt der Fußball Drehbücher, die selbst Hollywood nicht genehmigen würde. Nach Abpfiff tanzten die Devils-Spieler ausgelassen vor der Fankurve, während Kuqi von seinen Teamkollegen fast erdrückt wurde. "Ich hab gar nicht gemerkt, dass ich der Held bin - ich wollte nur noch Luft", lachte der Doppeltorschütze später. Trainer Klopfenstein zeigte sich erleichtert: "Ich hab ihnen in der Pause gesagt: Wenn ihr schon den Teufel im Namen tragt, dann zeigt ihn auch mal." Bei Nottingham klang der Frust durch. "Wir haben uns selbst geschlagen", sagte Kapitän Alfonso Sousa. "Zwei Tore aus dem Nichts, dann stehen wir da wie Schuljungen. Das ist bitter." So endet ein denkwürdiger 9. Spieltag der Premier League - pardon, der "1. Liga England" - mit einem Ergebnis, das in Manchester für Euphorie und in Nottingham für Kopfschütteln sorgt. Und während die Fans auf den Rängen noch den Namen Kuqi skandierten, murmelte ein älterer Herr auf der Pressetribüne: "Früher hätten sie das in der 85. noch vergeigt." Vielleicht stimmt das. Aber an diesem Abend war der Teufel los - und er trug Rot. 30.08.643990 13:50 |
Sprücheklopfer
Bei Werder habe ich sechs Jahre um ein eigenes Klo gekämpft. Bei Real würden sie mich fragen: Welche von den zehn Toiletten möchten Sie benutzen?
Otto Rehhagel