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Es war ein Abend, an dem die "Manchester Devils" ihrem Namen alle Ehre machten. 52.113 Zuschauer im Old Trafford sahen ein Spiel, das mehr einem Exorzismus als einem Fußballklassiker glich. Die "Liverpool Reds" kamen mit stolzem Brustton nach Manchester - und gingen mit hängenden Köpfen und sieben Gegentoren zurück an die Mersey. Endstand: 7:2 (4:0). Und das war, ehrlich gesagt, noch schmeichelhaft. Schon nach sieben Minuten begann das Unheil: Aad Putnam, der rechte Teufelsflügel, zirkelte den Ball nach Vorlage von Mika Kuqi ins linke Eck - 1:0. Liverpool-Torwart Carl Rodrigo konnte nur hinterherschauen. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", murmelte er später, halb entschuldigend, halb fassungslos. Die Devils rochen Blut. In der 25. Minute legte Agafon Swetlow nach, nach feiner Vorarbeit von Putnam. Zehn Minuten später war es wieder Swetlow, diesmal nach einem Pass des wuseligen Außenverteidigers Danijel Jarakovic. Und als Putnam in der 38. Minute das 4:0 markierte, fragte man sich: Hat Liverpool die Busroute verwechselt? Trainer Reto Klopfenstein grinste in der Pause schelmisch: "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen einfach weitermachen. Und dass sie bitte nicht vergessen, wer heute Heimrecht hat." Mehr Motivation brauchten seine Spieler offenbar nicht. Liverpool-Coach Kurt Kaiser hingegen wirkte, als wolle er sich im Boden vergraben. Drei Wechsel zur Pause - frische Verteidiger, neue Ideen. Und tatsächlich: Kurz nach Wiederanpfiff (49.) traf der eingewechselte Pim Voores nach Pass von Aki Hjelm zum 4:1. Hoffnung? Kurzzeitig. Elf Minuten später netzte Filipe Arias nach Vorlage von Voores zum 4:2 ein. Das Gästeblock jubelte - für knapp drei Minuten. Denn dann kam wieder Manchester. In der 63. Minute schraubte Mika Kuqi das Ergebnis auf 5:2, nach einer feinen Kopfballverlängerung von Innenverteidiger Ivica Dordevic. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Kuqi später mit einem Grinsen. "Aber wenn’s reingeht, war’s halt Absicht." Und weil es an diesem Abend offenbar keine Gnade gab, machten die Devils weiter. Jamie Kirwan hämmerte in der 74. Minute einen Abpraller aus 20 Metern unter die Latte - 6:2. Eine Minute später durfte sogar Rechtsverteidiger Jacinto Alvaro ran, der nach Vorarbeit von Alfie Perlman das 7:2 erzielte. Es war sein erstes Saisontor - und er feierte, als hätte er gerade die Champions League entschieden. Liverpool versuchte sich an Schadensbegrenzung, hatte am Ende sogar mehr Ballbesitz (52,8 %) und 11 Torschüsse - aber was nützt Statistik, wenn man hinten offen ist wie ein Scheunentor? Manchester schoss 15-mal aufs Tor, und gefühlt jeder zweite Versuch saß. Sechs Gelbe Karten (vier für Manchester, zwei für Liverpool) zeugten davon, dass es nicht an Einsatz mangelte. Besonders aktiv: Linksverteidiger Jarakovic, der schon nach acht Minuten verwarnt wurde, aber unermüdlich nach vorne rannte. "Ich hab halt Temperament", lachte er nach dem Spiel, "und der Schiri hatte wohl schlechte Laune." In der Schlussphase wechselte Klopfenstein munter durch, gönnte Perlman und Alvaro Applausminuten. "So ein Spiel will man genießen", erklärte er später. "Wir hätten heute wahrscheinlich auch mit zehn Mann gewonnen." Trainer Kaiser starrte derweil in die Statistikblätter: "Ballbesitz ist schön, Tore sind besser. Leider hatte Manchester beide." Als der Schlusspfiff ertönte, klang das Stadion wie ein brodelnder Hexenkessel. Die Fans sangen, die Spieler tanzten, und irgendwo in der Nordkurve soll ein Transparent gehangen haben: "Teufel tragen Rot - die anderen nur Trikot." Ein Abend, den man in Manchester noch lange erzählen wird - und in Liverpool lieber schnell vergisst. Fazit: Die Devils spielten mit Feuer, und die Reds verbrannten sich gründlich die Finger. Wenn die Form so bleibt, könnte Klopfenstein mit seinem Team bald ganz oben stehen. Oder wie Putnam es trocken formulierte: "Manchmal ist Fußball eben einfach - man schießt sieben Tore und geht glücklich nach Hause." Teuflisch einfach, eben. 15.10.643990 21:00 |
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