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Teuflisch gut: Manchester Devils zerlegen Boreham Wood mit 5:0

Wenn ein Spiel schon nach zwei Minuten entschieden scheint, weiß man: Es wird ein langer Abend für die Gäste. Genau so erging es Boreham Wood beim 23. Spieltag der 1. Liga England - ein 0:5 in Manchester, das sich anfühlte wie eine Lehrstunde im modernen Offensivfußball.

Bereits in der zweiten Minute zappelte der Ball zum ersten Mal im Netz. Rechtsverteidiger Alen Rajic - ja, der Verteidiger! - schob nach einem mustergültigen Zuspiel von Jean-Pierre Bettencourt eiskalt ein. "Ich dachte, ich träume. Normalerweise darf ich da gar nicht so weit vorne rumspazieren", lachte Rajic später. Trainer Ronnie Ekström grinste nur: "Wenn sogar der Außenverteidiger trifft, läuft’s wohl."

Boreham Wood, von Coach Sven Schliffke auf "balanciertes" Spiel eingestellt, hatte zu diesem Zeitpunkt vermutlich noch nicht einmal den ersten Schweißtropfen auf der Stirn. Und doch stand es 1:0. Es sollte schlimmer kommen - viel schlimmer.

Die Devils hatten Lust. 18 Torschüsse, 49,9 Prozent Ballbesitz (da lacht die Statistik), und eine Spielfreude, die selbst den eingefleischtesten Skeptiker überzeugt hätte. Zwar hatte Boreham Wood mit 50,1 Prozent den Hauch mehr Ballbesitz, aber wie sagte Ekström später trocken: "Ballbesitz ist wie Kaffeetassen - schön, wenn man sie hat, aber entscheidend ist, wer den Kaffee trinkt."

Nach der Pause folgte die Demontage. In der 51. Minute erhöhte Rafet Kisa nach feiner Vorarbeit von Christopher Bancroft auf 2:0. Nur sieben Minuten später traf Mika Kuqi, bedient von Agafon Swetlow, zum 3:0. Und als Bettencourt in der 60. Minute selbst zum 4:0 einschoss, diesmal nach Vorlage von Innenverteidiger Ivica Dordevic, war das Stadion längst in Feierlaune. 46.771 Zuschauer standen und sangen, als ginge es um den Titel - und vielleicht tat es das ja auch.

"Ich habe irgendwann aufgehört, mitzuschreiben", gestand ein Kollege auf der Pressetribüne, "zu viele Tore, zu wenig Kaffee."

Boreham Wood taumelte. Schliffke wechselte, fluchte, gestikulierte. Benjamin Donovan hatte sich bereits in der 27. Minute Gelb abgeholt, sein Nachfolger Ewan Lineback durfte zur Halbzeit ran. Später flogen auch andere raus - aber nur vom Spielfeldrand, metaphorisch gesprochen. "Wir wollten kompakt bleiben", erklärte Schliffke hinterher mit stoischer Miene. "Leider waren wir zu kompakt - alle auf einem Haufen."

In der 73. Minute setzte Logan Nolan den Schlusspunkt. Wieder Bancroft als Vorlagengeber, wieder eine Szene wie aus dem Lehrbuch: Flanke, Direktabnahme, Tor. 5:0 - und noch eine Viertelstunde zu spielen. Doch Ekström hatte Mitleid oder schlicht genug gesehen. Er wechselte durch, brachte Aad Putnam und Danijel Jarakovic, ließ seine Stars vom Feld spazieren, als wäre es eine Ehrenrunde.

Bettencourt verabschiedete sich dabei mit Gelb (67.) - "zurecht", wie er später selbst zugab. "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch defensiv kann."

Boreham Wood kam kaum noch aus der eigenen Hälfte. Ein letzter Schuss von Samuel Harrington in der 89. Minute - der erste seit einer gefühlten Ewigkeit - landete sicher in den Armen von Devils-Keeper Amram Hanegbi, der sich über einen ruhigen Arbeitstag freuen durfte. "Ich hatte Zeit, mir die Fans anzusehen", witzelte der Torwart.

Die Statistik erzählte am Ende eine seltsame Geschichte: Boreham Wood mit minimal mehr Ballbesitz, aber chancenlos; die Devils mit fast viermal so vielen Schüssen aufs Tor. Es war kein Zufall, dass Ekström seine Mannschaft nach dem Schlusspfiff in den Arm nahm. "Heute haben sie so gespielt, wie ich es mir an der Taktiktafel immer wünsche - nur dass sie mich sonst selten so ernst nehmen."

Und was bleibt für Boreham Wood? Eine lange Rückfahrt, zwei Gelbe Karten (Donovan, Lankford) und die Erkenntnis, dass 90 Minuten in Manchester auch 90 Minuten Hölle sein können.

Vielleicht tröstet sie der Umstand, dass die Devils nicht jeden Tag so teuflisch aufspielen. Oder wie Schliffke es formulierte, bevor er in den Mannschaftsbus stieg: "Wir haben heute nicht verloren, wir haben Unterricht bekommen. Leider mit Noten."

Fazit? Manchester war rot, laut und gnadenlos effizient. Boreham Wood war überfordert, tapfer und letztlich chancenlos. Ein Fußballabend, an dem alles passte - zumindest für die Devils.

Und irgendwo in der Kabine soll man Rajic singen gehört haben: "Ein Tor und kein Gegentor - das ist mein Job jetzt." Seine Mitspieler sollen gelacht haben. Wer weiß - vielleicht war das nicht nur Spaß, sondern ein Versprechen.

02.06.643993 12:37
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In der Schule gab's für mich Höhen und Tiefen. Die Höhen waren der Fußball.
Thomas Häßler
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