// Startseite
| Football Today |
| +++ Sportzeitung für England +++ |
|
|
|
Das Old Trafford bebte am Freitagabend - und zwar nicht vor Spannung, sondern vor ungläubigem Staunen. Die Manchester Devils spielten beim 6:0 gegen Stoke City Fußball aus einem Guss, während die Gäste eher wie eine Schulklasse auf Wandertag wirkten, die versehentlich auf einem Profirasen gelandet war. 51.255 Zuschauer sahen ein Spiel, das schon nach 45 Minuten entschieden war: 5:0 hieß es zur Pause - und ehrlich gesagt hätte es auch 8:0 stehen können. Trainer Reto Klopfenstein grinste später in der Mixed Zone: "Ich wusste, dass meine Jungs heiß sind - aber dass sie gleich glühen, hat mich selbst überrascht." Und wie sie glühten: Bereits in der 11. Minute eröffnete Vincent Boulanger mit einem satten Schuss ins rechte Eck den Torreigen, vorbereitet von Agafon Swetlow, der auf dem linken Flügel mehr Tempo machte als ein Espresso doppio. Stoke-Keeper Simcha Amir streckte sich vergeblich. Nur acht Minuten später durfte das nächste Talent jubeln: Marcus Steffens, gerade einmal 19 Jahre jung, verwandelte eine butterweiche Flanke von Jacinto Alvaro zum 2:0 (19.). "Ich hab einfach den Fuß hingehalten", grinste Steffens später, "und gehofft, dass er nicht daneben geht - diesmal hat’s geklappt." Logan Nolan, der sich an diesem Abend in Galaform präsentierte, erhöhte in der 30. Minute auf 3:0, ehe Jeno Bozsik fünf Minuten später mit einem präzisen Distanzschuss den vierten Treffer nachlegte. Stoke wirkte zu diesem Zeitpunkt wie ein Boxer, der schon nach der ersten Runde taumelt. Als Nolan in der 37. Minute nach Vorlage von Boulanger auch noch zum 5:0 traf, sah man bei den "Potters" nur noch hängende Köpfe. "Ich hab zur Halbzeit gefragt, ob jemand weiß, in welchem Stadion wir sind", witzelte Stokes Coach Horst Fiedler später sarkastisch. "Keiner hat’s gewusst - das erklärt einiges." Tatsächlich blieb sein Team über weite Strecken des Spiels harmlos: Nur fünf Torschüsse, kaum nennenswerte Szenen in der Devils-Hälfte und Ballbesitz knapp unter 48 Prozent. Die zweite Halbzeit begann mit kosmetischen Korrekturen: Fiedler brachte Pedro Ruy und Jose Duran, aber der Effekt blieb aus. Stattdessen kassierte Jacinto Alvaro in der 51. Minute die einzige Gelbe Karte des Spiels - vermutlich aus Langeweile, weil sonst niemand für Dramatik sorgte. Kurz darauf humpelte Logan Nolan verletzt vom Platz, wurde durch Christopher Bancroft ersetzt - doch selbst das bremste den Spielfluss der Devils nicht. In der 81. Minute setzte Mika Kuqi den Schlusspunkt. Nach einer butterweichen Vorlage des jungen Verteidigers Heinz Haase drosch er den Ball aus zwölf Metern humorlos unter die Latte. 6:0 - und das Publikum stand Kopf. "Ich glaube, selbst der Rasen hat heute geklatscht", scherzte Klopfenstein später. Statistisch war der Abend eine klare Angelegenheit: 23 Torschüsse für Manchester, nur fünf für Stoke. Auch wenn der Ballbesitz mit 52 zu 47 Prozent fast ausgeglichen wirkte, hatte man nie das Gefühl, dass die Gäste irgendetwas kontrollierten - außer vielleicht ihre Rückfahrt. Der junge Bozsik brachte es nach dem Spiel auf den Punkt: "Wir wollten zeigen, dass wir mehr sind als eine Offensivmaschine. Aber anscheinend sind wir genau das." Eins steht jedenfalls fest: Wenn die Devils so weiterspielen, wird die Liga bald nur noch eine Frage haben - wer stoppt diese Mannschaft überhaupt? Stokes Trainer Fiedler hatte darauf schon eine Antwort: "Vielleicht nur der Wecker - wenn sie merken, dass das hier kein Videospiel war." Humor hat er, das muss man ihm lassen. Seine Mannschaft allerdings dürfte in den nächsten Tagen weniger lachen. Ein Spiel, das man getrost in die Kategorie "Lehrstunde" einordnen darf: Manchester zeigte, wie moderner, variabler und schlichtweg gnadenloser Offensivfußball aussieht. Und die Devils-Fans? Sie sangen sich in den Abend hinein, als hätten sie gerade die Meisterschaft gewonnen - was, wenn sie so weitermachen, gar kein allzu kühner Gedanke wäre. Oder, um es mit Klopfenstein zu sagen: "Heute war’s teuflisch gut." Und wer wollte ihm da widersprechen? 03.05.643987 01:50 |
Sprücheklopfer
Dann lebe ich in Oslo, spiele immer noch Fußball und bin immer noch so langsam.
Jan-Aage Fjörtoft auf die Frage, was er mit 85 Jahren machen wird