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Wenn an einem frostigen Januarabend 4.996 Zuschauer ins Mommsenstadion pilgern, weiß man: Es gibt wieder Regionalliga mit Herz, Härte und Humor. TeBe Berlin empfing am 11. Spieltag der Regionalliga C den 1. FC Kaiserslautern - und servierte den frierenden Fans ein 2:2, das alles hatte: frühe Treffer, jugendlichen Leichtsinn und eine rote Karte, die selbst im Flutlicht noch nachglühte. Schon in der 15. Minute blitzte Lauterns Angriffslust auf. Der 17-jährige Freddie Munro - ein Flügelspieler mit der Unbekümmertheit eines Straßenfußballers - netzte nach feinem Zuspiel von Gerasim Afinogenow zum 0:1 ein. "Ich hab einfach draufgehalten, der Ball war plötzlich drin", grinste Munro später, während er sich die Mütze tief ins Gesicht zog. Kaum hatte TeBe sich sortiert, da drosch Swen Mann den nächsten Ball aufs Lauterer Tor. Doch Torwart Robin Ebert tauchte ab wie ein erfahrener Seehund und hielt die Führung fest - vorerst. In der 28. Minute stand das Stadion dann Kopf: Frank Braun, ebenfalls 17 und offenbar ohne Angst vor großen Momenten, verwandelte eine Hereingabe von Polikarp Schirkow zum 1:1. "Das war so ein Ball, der ruft ’Schieß mich!’ - also hab ich gehorcht", erzählte Braun und grinste in die Kameras. Doch Lautern wäre nicht Lautern, wenn sie nicht noch vor der Pause zurückschlagen würden. Wieder Munro, diesmal nach Vorarbeit von Lewis Delap - 42. Minute, 1:2. "Freddie hat heute gespielt, als gäbe’s keinen Winter", lobte Gästecoach Laura Hellström, die trotz des späten Ausgleichs später erstaunlich gelassen blieb. Denn in der zweiten Halbzeit drehte TeBe auf. 60 Prozent Ballbesitz, 13 Torschüsse - das Offensivkonzept von Trainer Axel Herr war so klar wie die Berliner Luft: Angriff ist die beste Abwehr. In der 55. Minute fiel dann auch der verdiente Ausgleich. Ausgerechnet Verteidiger Wolfgang Wirth stieg nach einer Ecke von Michael Franke am höchsten und köpfte das 2:2. "Ich hab einfach mal so getan, als wär ich Mittelstürmer", witzelte Wirth später. Danach wurde es hitzig. Kaiserslauterns Innenverteidiger Charles Grantham, schon früh Gelb verwarnt, verlor in der 86. Minute die Contenance - und flog mit Rot vom Platz. "Ich wollte nur den Ball treffen, ehrlich!", beteuerte er, während Hellström an der Seitenlinie verzweifelt die Stirn rieb. "Manchmal ist 17 eben noch nicht 27", seufzte sie später trocken. TeBe drückte in Überzahl, Schüsse von Braun (81., 89.) und Swen Mann (82.) rauschten knapp vorbei. Patrik Esser versuchte es in der Nachspielzeit aus 25 Metern - doch Ebert rettete Lautern den Punkt. "Wir wollten gewinnen, keine Frage", meinte Axel Herr nach dem Spiel, "aber ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen. Manchmal steht der Fußballgott eben im Abseits." Sein Gegenüber Hellström nickte: "Ein Punkt in Berlin - den nehmen wir mit. Auch wenn wir den Zettel mit den Nerven in der Kabine vergessen haben." Statistisch sah TeBe wie der Sieger aus: 60,4 Prozent Ballbesitz, 13:8 Torschüsse, leichte Vorteile in den Zweikämpfen. Doch die jungen Lauterer hielten dagegen, mit jugendlichem Elan und - zuweilen - jugendlichem Übermut. Nach dem Abpfiff applaudierte das Publikum beiden Teams. Ein älterer Fan rief Richtung TeBe-Bank: "War ja fast wie Bundesliga - nur ehrlicher!" Und tatsächlich: Dieses 2:2 war kein taktischer Schachkurs, sondern ehrlicher, wilder Fußball. Vielleicht war es nicht das perfekte Spiel, aber ein perfekter Abend für alle, die den Fußball noch lieben, wenn er quietscht, kratzt und nach Rasen riecht. Oder, wie TeBe-Stürmer Frank Braun es formulierte, als er mit roten Wangen in die Kabine verschwand: "Wenn wir so weitermachen, wird’s kein Wintermärchen - sondern eine Frühlingssensation." Und wer weiß - vielleicht schreiben die Regionalliga-Kicker von TeBe und Lautern ja bald wieder Geschichte. Zumindest die Art von Geschichte, die man nicht vergisst, weil sie nach ehrlichem Schweiß und kaltem Flutlicht schmeckt. 14.05.643987 21:13 |
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Der Addo gehört in den Zirkus.
Uli Hoeneß