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Tasmania tanzt in Wiedenbrück: Ein Abend des klaren Willens und kühlen Fußes

Es war einer dieser Abende, an denen das Flutlicht heller leuchtet, als es eigentlich müsste - vielleicht, um die müden Gesichter der Wiedenbrücker zu trösten. 2.491 Zuschauer hatten sich zum 22. Spieltag der Verbandsliga I eingefunden, um dem SC Wiedenbrück gegen den SV Tasmania beizustehen. Doch schon nach zwei Minuten war die Stimmung so frostig wie der Märzabend selbst: Vicente Antonio, Tasmanias quirliger Rechtsaußen, versenkte den Ball nach Vorlage von Elias Scholz in die lange Ecke. 0:1 - und Wiedenbrück hatte noch nicht einmal richtig geschnürt.

"Ich dachte, wir spielen erst nach dem Anpfiff wirklich mit", knurrte später Friedrich Lohmann, Wiedenbrücks 50-jähriger Dauerläufer im Mittelfeld, mit einem Anflug von Selbstironie. Das Publikum lachte, doch auf dem Platz war den Blauen das Lachen vergangen. Tasmania spielte, als hätten sie den Bus direkt ins gegnerische Strafraumviertel geparkt.

Nach 16 Minuten folgte der nächste Nadelstich: Leon Seiler, zentraler Mittelfeldmotor mit Visionen und Präzision, zog aus 18 Metern ab. Wieder zappelte das Netz, diesmal nach feinem Zuspiel von Bernd Beier. 0:2 - und Wiedenbrück wirkte, als hätten sie das Memo zum Anpfiff verpasst. Trainer und Taktik? Das Heimteam blieb "balanciert", wie die Statistik trocken festhielt - was man auch als "ratlos" interpretieren konnte.

Tasmania hingegen, offiziell "offensiv ausgerichtet", spielte genau so. 16 Torschüsse insgesamt, dazu rund 52 Prozent Ballbesitz - die Gäste hatten das Spiel von Beginn an im Griff. Nach vorne kombinierten sie mit spielerischer Leichtigkeit, während Wiedenbrück zwischen Kurzpassversuchen und langen Verzweiflungsbällen schwankte. "Wir wollten sicher spielen", erklärte Trainer Müller (der Name blieb im Vereinsprotokoll ungenannt), "aber sicher war am Ende nur, dass die anderen das Tor treffen."

In der 58. Minute machte Seiler dann endgültig den Deckel drauf. Wieder war es Scholz, der über links Tempo machte, den Ball in die Mitte legte und Seiler fand. Der zögerte keine Sekunde - 0:3. Tasmania jubelte, Wiedenbrück schaute betreten auf die Anzeigetafel.

"Da war nichts mehr zu holen", seufzte Torhüter Hartmut Sommer später in der Mixed Zone. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft die auf mich zugerannt sind." Immerhin sechs Mal durften seine Vorderleute selbst aufs gegnerische Tor schießen - allerdings meist so ungefährlich, dass Tasmania-Keeper Timo Adam sich eher überlegte, ob er abends noch Milch kaufen müsse.

Die wenigen Wiedenbrücker Chancen entstanden aus Einzelaktionen. Besonders Friedrich Lohmann versuchte mit Erfahrung und Humor, das Offensivspiel anzukurbeln. In der 81. Minute zog er selbst ab, verfehlte aber knapp. "Wenn der reingeht, reden wir hier anders", meinte er grinsend - wohlwissend, dass man dafür ein Paralleluniversum bemühen müsste.

Tasmanias Abwehr dagegen arbeitete abgeklärt, bisweilen ruppig: Zwei Gelbe Karten (Julian Römer in der 70., Ellis Kirwan in der 77. Minute) belegen, dass man nicht nur mit Technik, sondern auch mit Körper verteidigte. Doch selbst das passte ins Gesamtbild - kontrollierte Aggressivität, kein wildes Getrete.

Interessant bleibt der taktische Kontrast: Während Wiedenbrück das gesamte Spiel über bei "balanciertem" Verhalten blieb, zog Tasmania ihre offensive Linie konsequent durch - von Minute 1 bis 90. Ein Lehrstück in Konsequenz, könnte man sagen. Oder wie Gästetrainer Schneider (angeblich) schmunzelnd meinte: "Wir wollten nicht nur gewinnen, wir wollten zeigen, dass man in Wiedenbrück auch schön Fußball spielen kann."

Und das taten sie. Vicente Antonio wirbelte, Seiler dirigierte, Scholz und Beier kurbelten über die Flügel - eine Vorstellung, die den neutralen Zuschauer erfreute und den heimischen eher an den Bierstand trieb.

Nach Abpfiff blieb bei den Gastgebern die Erkenntnis, dass man sich gegen Tasmania keine Pausen erlauben darf. "Das war wie ein Zahnarzttermin ohne Betäubung", fasste ein Fan auf der Tribüne trocken zusammen.

Fazit: Tasmania dominierte, Wiedenbrück kämpfte tapfer, aber ohne Fortune. 0:3, ein Ergebnis, das so klar ist, wie das Spiel es hergab. Tasmania bleibt damit das formstarke Team der Stunde - und Wiedenbrück? Wird hoffen, dass der nächste Gegner weniger präzise spielt und der Ball vielleicht mal auf ihrer Seite vom Pfosten ins Tor springt.

Am Ende bleibt ein Abend voller kleiner Geschichten, aber mit einem deutlichen Schlussstrich: Drei Tore, null Gegentor, und ein SV Tasmania, der in dieser Form in der Verbandsliga kaum zu stoppen scheint. Wiedenbrück indes muss sich neu sortieren - und vielleicht beim nächsten Mal schon vor der zweiten Minute aufwachen.

02.06.643993 04:53
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Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
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