// Startseite
| Gazeta sporturilor |
| +++ Sportzeitung für Rumänien +++ |
|
|
|
Wenn ein Team auswärts aufspielt, als würde es im eigenen Wohnzimmer kicken, dann war das am Sonntagabend im Stadion von Arad der Fall. 21.075 Zuschauer sahen ein Spiel, das schon früh entschieden war - und einen gewissen Valentin Tararache, der ATU Arad praktisch im Alleingang in die Knie zwang. Nach 23 Minuten stand es 0:2, am Ende 0:3. Und ehrlich gesagt: Es hätte schlimmer kommen können. Arad startete mutig, Trainer Mister Zvenson hatte seine Mannschaft offensiv eingestellt, auf Konter lauernd, aggressiv im Anlaufen. In der dritten Minute prüfte Christian Willoughby den Keeper von Lupeni, Duarte Travassos, mit einem Schuss, der zwar Wucht, aber keine Richtung hatte. Danach übernahmen die Gäste das Kommando - und gaben es bis zum Abpfiff nicht mehr her. In der 17. Minute klingelte es zum ersten Mal: Valentin Ganea setzte sich auf der rechten Außenbahn durch, flankte scharf nach innen, und Tararache vollendete trocken. Sechs Minuten später stand Tararache wieder goldrichtig - diesmal nach feiner Vorarbeit von Mittelfeldmotor Dudu Bükössy. 0:2, und auf den Rängen von Arad wurde es schlagartig stiller. "Ich hab einfach gespürt, dass heute alles passt", grinste Tararache hinterher. "Der Ball wollte zu mir - und ich wollte Tore." Während Lupeni kombinierte, kämpfte Arad mit sich selbst. Cemalettin Demirel mühte sich im Zentrum redlich, Sergio Gome rannte unermüdlich die Linie entlang, aber jedes Mal, wenn sie in Tornähe kamen, stand irgendwo ein Bein von Gheorghe Niculescu oder Aaron Aldridge im Weg. Die Gäste verteidigten kompromisslos, aber ohne unfair zu werden - aggressiv, ja, brutal, nein. Mister Zvenson reagierte zur Pause nicht, vielleicht in der Hoffnung, dass der Fußballgott ein Einsehen haben würde. Hatte er nicht. Zwar kam Arad nach dem Seitenwechsel zu ein paar Chancen - Willoughby in der 60. Minute, Johnsson in der 73. -, doch es blieb beim Versuch. Spätestens nach dem dritten Treffer durch Dudu Bükössy in der 79. Minute war der Widerstand gebrochen. Ein satter Linksschuss aus 18 Metern, unhaltbar, und die wenigen noch hoffnungsvollen Fans auf der Haupttribüne griffen zum Handy, wohl um nach dem nächsten Spieltermin zu googeln. "Wir haben heute gezeigt, dass wir reifer sind", sagte Lupenis Trainer Karl-Heinz Müller, der nach Abpfiff so entspannt wirkte, als hätte er gerade eine Tasse Kräutertee getrunken. "Ballbesitz, Tempo, Übersicht - das war fast so, wie wir es uns im Training vorstellen." Tatsächlich: 55 Prozent Ballbesitz, 19 Torschüsse - und das alles aus einer kontrolliert-offensiven Grundordnung. Müller ließ offensiv spielen, aber ohne Harakiri. "Offensiv ja, naiv nein", so seine Formel. Zvenson hingegen rang um Fassung. "Wir haben’s probiert, aber wenn du ständig einem Rückstand hinterherläufst, wird’s schwer", sagte er und fügte mit einem gequälten Lächeln hinzu: "Vielleicht sollte ich Tararache einfach mal einladen, für uns zu spielen." In der Schlussphase gab’s noch ein kleines Kuriosum: Minerul wechselte in der 60. Minute den Torhüter - aus reiner Vorsicht, wie Müller später erklärte. "Travassos hatte einen Krampf im Oberschenkel, und wenn du 2:0 führst, riskierst du nichts." Ersatzmann Jannik Blume musste zwar kaum eingreifen, durfte sich aber über einen makellosen Einstand freuen. Arad brachte in der 75. Minute sogar den 17-jährigen Keeper Jorge Viqueira - eine Art symbolische Geste in Richtung Zukunft. Der junge Mann kassierte zwar prompt den dritten Treffer, konnte aber nichts dafür. "Da war ich einfach zu spät unten", sagte er ehrlich. "Aber wenigstens hab ich jetzt mein Debüt." Am Ende blieb der Eindruck eines Spiels, das deutlich machte, wo die beiden Teams aktuell stehen: Minerul Lupeni reif, zielstrebig, kaltschnäuzig. ATU Arad bemüht, aber überfordert. 10:19 Torschüsse und 44 Prozent Ballbesitz sprechen eine deutliche Sprache. Ein Fan brachte es beim Verlassen des Stadions auf den Punkt: "Wir hätten noch zwei Stunden spielen können - und kein Tor gemacht." Bitter, aber wohl wahr. Und so reist Lupeni mit breiter Brust zurück in die Berge, während Arad sich an die alte Fußballweisheit klammern darf: Nach dem Spiel ist vor dem nächsten. Vielleicht, ganz vielleicht, dann wieder mit einem Ball, der reinfällt - und nicht nur am Tor vorbeifliegt. 14.05.643987 20:52 |
Sprücheklopfer
Mit David Odonkor will ich mich dennoch nicht messen. Fußball ist nicht nur rennen, da ist auch der Ball dabei. Und es ist wichtig, dass man den trifft.
Michael Ballack