Heraldo de Mexico
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Tapatios irre Wahnsinns-Comeback: 4:3 gegen Pumas Nacional

Es gibt Fußballspiele, die man am liebsten auf Rezept verschreiben würde - als Mittel gegen graue Wintertage. Das Pokalduell zwischen dem FC Tapatio und Pumas Nacional am Samstagabend gehörte zweifellos dazu. 46.270 Zuschauer erlebten ein Torfestival, das mit einem 4:3-Sieg für die Gastgeber endete - nach einem Halbzeitrückstand von 2:3 und mit reichlich Drama, Gelb, Schweiß und einem leicht überforderten Linienrichter, der irgendwann nur noch hilflos grinste.

Schon die Anfangsphase hatte es in sich: Kaum war der Rasen betreten, da drosch Tapatios Jakob Nilsson in der ersten Minute den Ball Richtung Tribüne, als wolle er den Balljungen erschrecken. Stattdessen erschreckte er wohl eher seine Mitspieler, die kurz darauf zusehen mussten, wie Pumas Nacional richtig loslegte. In der 11. Minute traf Theo Hiliard nach feiner Vorarbeit von Diego Meireles - 0:1 aus Sicht der Gastgeber. "Wir wollten früh Zeichen setzen", sagte Hiliard später trocken. Ein Zeichen war’s, nämlich ein Ausrufezeichen.

Doch kaum war der Jubel verklungen, konterte Tapatio. Nur eine Minute später stürmte der 20-jährige Gustav Pettersson auf und davon und schob eiskalt ein - 1:1. "Ich dachte, ich sei im Abseits", grinste der Youngster, "aber der Schiedsrichter hatte wohl bessere Augen als ich."

Das Spiel blieb wild. In der 21. Minute war es wieder Hiliard, der mit einem wuchtigen Schuss unter die Latte das 1:2 erzielte. Und als Meireles in der 30. Minute nach einer Ecke per Volley sogar auf 1:3 stellte, schien Pumas Nacional schon auf Kurs zur nächsten Runde. Selbst Trainer Andy Nordlicht wirkte da noch entspannt - zumindest bis Innenverteidiger Javi Bernal in der 27. Minute verletzt raus musste. "Das hat uns wehgetan", gab Nordlicht später zu.

Doch Tapatio wäre nicht Tapatio, wenn sie nicht das Chaos lieben würden. Noch vor der Pause, in der 38. Minute, hämmerte Innenverteidiger Zoltan Varga den Ball nach einem Freistoß von Nino Carevic ins Netz - 2:3. Der Anschlusstreffer war wie ein Espresso für die müden Gastgeberbeine.

Zur zweiten Halbzeit brachte Trainer San Santa gleich drei frische Männer, darunter den quirlig agierenden Mahir Gürsoy, der prompt das Spiel anzog. "Ich hab ihm gesagt, er soll mutig sein", erzählte Santa später. "Er hat das wohl sehr wörtlich genommen."

Die Partie wurde nun ruppiger. In der 58. Minute sah Pumas-Verteidiger Srdan Tadic Gelb, nachdem er Nilsson eher rustikal stoppte. Der Gefoulte kommentierte das später süffisant: "Er hat mich nicht getroffen, nur meine Frisur."

Pumas hatte mehr Ballbesitz (51,6 %), mehr Torschüsse (10:9) und dennoch das Nachsehen. Denn die Schlussviertelstunde gehörte Tapatio - und wie! In der 74. Minute legte Gürsoy den Ball butterweich in den Lauf von Ingo Ze Castro, der trocken vollstreckte: 3:3, Stadionexplosion. Drei Minuten später drehte Nilsson nach Carevic-Flanke das Spiel endgültig - 4:3!

"Ich hab einfach reingehalten", sagte Nilsson, "und gehofft, dass keiner im Weg steht." Stand keiner. Nur Keeper Corey Locklear schaute dem Ball hinterher, als würde er gerade seine Lebensentscheidungen überdenken.

Die letzten Minuten wurden zur Zitterpartie. Pumas warf alles nach vorn, Hiliard schoss in der 88. Minute noch einmal gefährlich, doch Torwart Petar Lazovic parierte mit den Fingerspitzen. Auf der Bank des FC Tapatio betete Trainer Santa inzwischen offenbar still. Nach dem Schlusspfiff war er heiser, aber glücklich: "Ich hab gesagt, wir brauchen Herz. Offenbar hatten wir vier davon."

Andy Nordlicht hingegen stapfte wortlos in die Kabine, bevor er dann doch kurz stehen blieb und sagte: "Wenn du drei Tore auswärts schießt, solltest du eigentlich nicht verlieren. Aber Fußball ist halt kein Mathematikunterricht."

Das Publikum feierte seine Mannschaft minutenlang, Nilsson ließ sich auf die Schultern nehmen, und irgendwo im Hintergrund stimmte jemand ein altes Fangesang-Fragment an, das nach purem Glück klang.

Am Ende bleibt ein Spiel, das alle Emotionen bot: frühe Rückstände, Verletzungen, ein gelber Karton, taktische Wechsel und ein Comeback, das in die Pokalgeschichte des FC Tapatio eingehen dürfte.

"Wir haben nie aufgehört zu glauben", sagte Pettersson zum Abschied in die Mikrofone. Und man wollte ihm glauben - nicht nur, weil der junge Schwede noch immer grinste, als hätte er gerade den Jackpot gezogen.

Ein denkwürdiger Abend also in Guadalajara. Wer da nicht ins Stadion kam, hat nicht nur sieben Tore verpasst, sondern eine ganze Gefühlsachterbahn. Und vermutlich ein paar graue Haare mehr auf dem Kopf von Trainer Santa.

19.11.643990 14:16
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