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Ein Abend, der für Swindon Town so vielversprechend begann, endete in einem kleinen Desaster: Mit 1:4 (1:0) musste sich die Mannschaft von Trainer Barney Cheep am 23. Spieltag der 1. Liga England dem FC Millwall geschlagen geben. Vor 39.995 Zuschauern im County Ground drehte Millwall nach der Pause mächtig auf - und Swindon fand keinen Weg mehr aus dem eigenen Albtraum. Dabei hatte alles so charmant begonnen. Schon in der 14. Minute ließ Charles Warriner das Stadion beben, als er nach feinem Zuspiel von Louis Graysmark eiskalt zum 1:0 einschob. "Ich hab den Ball einfach getroffen, ohne groß nachzudenken", grinste Warriner nach dem Spiel, "vielleicht hätte ich das in der zweiten Halbzeit auch probieren sollen." Denn was danach geschah, war eine Lehrstunde in Sachen Effizienz - und Geduld. Millwalls Coach Sonny Crocket hatte seine Elf zunächst defensiv eingestellt, offenbar mit dem Plan, Swindon müde zu spielen. Und tatsächlich: Nach 45 Minuten lag sein Team zurück, aber Crocket wirkte in der Kabine auffällig gelassen. "Ich hab den Jungs nur gesagt: ›Lasst sie ruhig noch ein bisschen träumen‹", verriet der Trainer hinterher mit einem Lächeln. Direkt nach Wiederanpfiff platzte der Traum. In der 46. Minute traf Daniel Darabont nach Vorarbeit von Tyler Boyle - und plötzlich war Millwall da, als hätten sie in der Pause den Turbo gefunden. Nur sieben Minuten später war es Boyle selbst, der nach Pass von Riley Charpentier das Spiel drehte (53.). Und weil’s so schön war, legte Boyle in der 62. Minute gleich noch einen drauf, diesmal nach Flanke von Christopher Thackeray. Drei Tore binnen 17 Minuten - Swindon taumelte wie ein Boxer nach dem Gong. Trainer Cheep versuchte, mit frischen Kräften gegenzusteuern. Der junge Joseph Hawn kam schon zur zweiten Halbzeit für Freddie Monroe, später ersetzte Teemu Forssell den müde gewordenen Graysmark. Doch die Impulse verpufften. Swindon hatte zwar am Ende mehr Torschüsse (12 zu 10) und kämpfte tapfer, aber Millwall war schlicht cleverer. "Wir hatten den Ball, sie die Tore", fasste Swindons Mittelfeldmann Connor Bosworth trocken zusammen. In der 91. Minute setzte Elliot Lockwood den Schlusspunkt - und zwar in aller Ruhe, nachdem Darabont uneigennützig quergelegt hatte. Die Millwall-Bank verwandelte sich in ein Jubelmeer, während Swindons Ersatzkeeper Dylan Longfellow sich gerade für den letzten Wechsel warm machte - ein Schauspiel, das fast symbolisch für den Abend stand: Man wechselte, aber nichts änderte sich. Statistisch betrachtet war das Spiel enger, als es das Ergebnis vermuten lässt. Swindon lag mit 46,7 Prozent Ballbesitz kaum hinten, gewann sogar leicht mehr Zweikämpfe (50,8 Prozent). Doch Millwalls kaltschnäuzige Offensive um Boyle und Darabont nutzte beinahe jede Lücke. "Tyler war heute einfach on fire", schwärmte Crocket. Boyle selbst grinste nur: "Zwei Tore sind schön, aber ich hätte auch drei genommen." Das Publikum quittierte die Vorstellung der Gäste mit ehrlichem Applaus - und einer Prise Sarkasmus. "Wir kommen wieder!", rief ein Swindon-Fan aus der Kurve, worauf ein Millwall-Anhänger trocken antwortete: "Na hoffentlich nicht nächste Woche." Nach dem Spiel stand Barney Cheep lange an der Seitenlinie, die Hände in den Taschen. "Wir haben 45 Minuten gut gespielt", sagte er leise, "leider dauert Fußball 90." Eine Erkenntnis, die man in Swindon wohl noch ein paar Trainingseinheiten lang besprechen wird. Millwall dagegen feierte ausgelassen. Torwart Ethan Caviness tanzte mit den Ersatzspielern auf dem Rasen, während Crocket auf die Uhr sah und grinsend meinte: "Und das mit einer defensiven Taktik." Ironie, die man sich nach so einem Spiel leisten darf. Swindon Town hat nun eine Woche Zeit, um sich zu sammeln, ehe es zum nächsten Ligaspiel geht. Vielleicht erinnert man sich dann an jene Viertelstunde, in der man Millwall dominierte - und nicht an die 45 Minuten, in denen man sich selbst schlug. Oder, wie es Charles Warriner zum Schluss formulierte: "Manchmal gewinnst du, manchmal lernst du. Heute haben wir wohl ein ganzes Buch gelernt." Ein Abend voller Lektionen - für Swindon schmerzhaft, für Millwall ein Fest. 02.06.643993 12:30 |
Sprücheklopfer
Die Holländer sind vorne vom Feinsten bestückt.
Oliver Kahn