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Ein lauer Dienstagabend in Linx, Flutlicht, Bratwurstduft - und am Ende wieder dieses bittere Gefühl: Der SV Linx verliert am 10. Spieltag der Regionalliga A gegen den TSV Havelse mit 1:2 (0:0). Vor 6028 Zuschauern lieferten sich beide Teams ein Duell, das erst in den letzten zehn Minuten so richtig Fahrt aufnahm - leider aus Sicht der Gastgeber in die falsche Richtung. Lange Zeit sah es so aus, als würde der SV Linx dem Favoriten aus Niedersachsen ein beachtliches Remis abringen. Havelse war spielerisch überlegen, hatte mit 52 Prozent Ballbesitz und 16 Torschüssen klar die Nase vorn. Doch Linx kämpfte, blockte, grätschte - und lebte vom unermüdlichen Einsatz seiner Defensive. "Wir wussten, dass wir nicht das Ballett der Liga sind", grinste Linx-Coach Michal Dickschat nach dem Spiel, "aber wir tanzen immerhin manchmal im richtigen Moment." In der ersten Halbzeit dominierte Havelse das Geschehen, doch die Linxer standen wie eine Betonwand in Turnschuhen. Mario Vencel, Havelser Linksaußen und mit 19 Jahren das personifizierte Tempo, prüfte Keeper Oscar Haase bereits in der zweiten Minute - vergeblich. Danach folgten Chancen im Minutentakt, vor allem Jacob Schmidt wirbelte auf der linken Seite. Aber Linx hielt dagegen, und wenn nichts mehr ging, half das Bein von Innenverteidiger Linus Schmitt. Kurz vor der Pause wurde es erstmals ruppig: Havelser Linksverteidiger Hatay Kas sah Gelb (41.), kurz darauf erwischte es Linx’ Youngster Christian Stein (44.). Im Kabinentrakt soll Stein laut Augenzeugen gemurmelt haben: "Na toll, jetzt hab’ ich wenigstens was in der Statistik." Nach dem Seitenwechsel blieb Havelse tonangebend, während Linx lauerte - leider meist vergeblich. In der 60. Minute musste Havelses Trainer Walter Rodekamp verletzungsbedingt wechseln: Gabor Varhidi, der gerade erst eingewechselt worden war, knickte unglücklich um und musste wieder raus. "Das war mein kürzester Arbeitstag seit dem Schulpraktikum", witzelte der 20-Jährige später mit Eisbeutel auf dem Knöchel. Dann kam die dramatische Schlussphase: In der 81. Minute belohnte sich Havelse endlich. Nach feinem Zuspiel von Marc Gonzalo traf der eingewechselte Asier Varela von rechts ins lange Eck - 0:1. Der Jubel war groß, die Erleichterung spürbar. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt wollte ich flanken", gab Varela lachend zu. Doch Linx hatte noch nicht aufgegeben. Nur sieben Minuten später fiel tatsächlich der Ausgleich: Nach einem Freistoß aus dem Halbfeld köpfte Linus Schmitt zum 1:1 ein (88.) - der Innenverteidiger, der eigentlich lieber hinten aufräumt, wurde zum kurzzeitigen Helden. "Fabian Kopp hat mir genau auf den Kopf gezirkelt, das war fast romantisch", sagte Schmitt nach Abpfiff mit einem breiten Grinsen. Die 6028 Zuschauer tobten, der Punkt schien greifbar - bis Mario Vencel in der 90. Minute plötzlich wieder auftauchte. Nach einem präzisen Pass von Gonzalo setzte der Teenager zum Sprint an, zog an zwei Abwehrspielern vorbei und traf eiskalt zum 1:2. Eiskalt, wohlgemerkt: Der Junge hat offenbar Eiswürfel im Blut. "Ich dachte kurz, ich bin zu schnell für den Ball", scherzte Vencel später. Die Nachspielzeit brachte dann noch etwas Farbe ins Spiel: Christian Stein, bereits verwarnt, sah Gelb-Rot (93.). Und als ob das noch nicht genug wäre, kassierte auch sein Kollege Andreas Menzel (94.) noch Gelb. Trainer Dickschat kommentierte trocken: "Wir wollten am Ende einfach zeigen, dass wir auch Karten sammeln können." Havelse brachte den Sieg über die Zeit, verdient, aber mit Mühe. "Linx hat uns das Leben schwer gemacht", lobte Havelser Coach Walter Rodekamp. "Aber am Ende zählen die Punkte - und die nehmen wir gerne mit nach Hause." Statistisch gesehen war alles klar: 16 zu 5 Torschüsse, 55 Prozent Zweikampfquote, mehr Ballbesitz, mehr Tempo. Doch Linx zeigte Moral, Leidenschaft und eine Portion Chaos, die das Spiel lange offenhielt. "Wenn wir so weiterkämpfen, holen wir unsere Punkte", versprach Kapitän Fabian Kopp beim Verlassen des Rasens. Und während die Havelser in der Kabine "Auswärtssieg" anstimmten, blieb auf den Rängen das Gefühl zurück, dass Linx mehr verdient gehabt hätte - oder wenigstens ein bisschen weniger Drama. Fazit des Abends: Fußball kann ungerecht sein, aber nie langweilig. Und in Linx weiß man jetzt, dass auch ein Innenverteidiger für kurze Zeit die Welt retten kann - bis Mario Vencel auftaucht. 23.02.643994 19:03 |
Sprücheklopfer
Als ich zuletzt Sergio in Eurosport gesehen habe, dachte ich mir auch nur: Das kann er nicht sein, da muss sich einer maskiert haben.
Rainer Calmund