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Wenn der SV Linx an einem frostigen Januarabend zum Heimspiel bittet, dann weiß man: Es wird heiß auf dem Rasen. Am 20. Spieltag der Regionalliga A besiegte die Elf von Michal Dickschat den SV Friesen mit 3:0 - und das war noch schmeichelhaft für die Gäste. 4277 Zuschauer im Linxer Stadion sahen ein Spiel, das einseitiger kaum hätte verlaufen können. Von Beginn an drückte Linx aufs Gas, als wäre der Anstoß nur die Startflagge eines Autorennens gewesen. Schon in der zweiten Minute prüfte Bernt Kühne mit einem satten Schuss aus der zweiten Reihe den wackeren Friesen-Keeper Marco Brauer. Der hielt, was zu halten war - und das war an diesem Abend eine ganze Menge. "Ich hatte irgendwann das Gefühl, der Ball kommt im Minutentakt", stöhnte Brauer später schweißgebadet. Die Gäste aus Friesen versuchten es anfangs noch mutig. Ein Distanzschuss von Kay Hofer in der dritten Minute war allerdings mehr symbolischer Natur - danach war Linx im Dauerangriff. Zwischen Minute 10 und 30 flogen die Bälle wie Schneebälle auf das Friesen-Tor. Besonders der flinke Wolfgang Seitz prüfte mehrfach die Festigkeit des Tornetzes, während Robert Jahn und Karl Schwab die Flügel bearbeiteten, als wollten sie sie neu pflügen. In der 36. Minute platzte dann endlich der Knoten: Nach einer Ecke stieg Innenverteidiger Bernt Prinz höher als alle anderen und wuchtete den Ball per Kopf ins Netz - 1:0! Der Rest war Jubel, während Prinz mit einem Grinsen erklärte: "Normalerweise bleibe ich hinten, aber heute juckte es mich einfach im Fuß. Und siehe da - manchmal lohnt sich Ungehorsam." Mit diesem Vorsprung ging es in die Pause, doch Dickschat war noch nicht zufrieden. "Wir hätten schon 4:0 führen müssen", knurrte der Linx-Trainer beim Gang in die Kabine. Offenbar fanden seine Worte Gehör - oder zumindest den richtigen Nerv. Nur sieben Minuten nach Wiederanpfiff schlug der 18-jährige Eduardo Henrico zu. Nach feinem Zuspiel von Karl Schwab behielt der Youngster die Nerven und schob eiskalt ein. 2:0 und der Friesen-Widerstand war gebrochen. "Ich hab gar nicht nachgedacht", grinste Henrico danach. "Vielleicht war das mein Vorteil." Während Linx weiter kombinierte, als spiele man im Training, beschränkten sich die Gäste zunehmend aufs Schadensbegrenzen. Ein paar harmlose Schüsschen - drei insgesamt - waren alles, was Friesen zustande brachte. Linx dagegen feuerte 25 Mal aufs Tor. Die Ballbesitzquote von 58 Prozent sprach Bände, die Tacklingquote von fast 58 Prozent ebenso. In der 79. Minute machte Ralph Konrad, ebenfalls 18 Jahre jung, den Deckel drauf. Nach Vorarbeit von Bernt Kühne donnerte er den Ball ins rechte Eck. Die Zuschauer sprangen von den Sitzen, Trainer Dickschat ballte die Fäuste, und Friesen-Coach Rudolf Norrekamp starrte konsterniert ins Leere. "Wir waren heute einfach kein Gegner", gab er später offen zu. "Linx hat uns hergespielt - und das sage ich ohne Ironie." Die letzten zehn Minuten wurden zum Schaulaufen. Selbst der Linxer Torwart Thomas Dietz, 17 Jahre alt, durfte sich am Spielaufbau beteiligen und rief seinen Vorderleuten zu: "Lasst mich doch auch mal einen Ball halten!" Doch Friesen blieb harmlos. Nur Marcus Schultz schaffte in der Nachspielzeit noch einen halbwegs gefährlichen Abschluss - der Ball flog allerdings Richtung Parkplatz. Als der Schlusspfiff ertönte, war die Sache klar: Linx siegte hochverdient mit 3:0 (1:0) und zeigte eine Mischung aus jugendlichem Übermut und taktischer Reife. Der taktische Plan - erst abwarten, dann gezielt zuschlagen - ging perfekt auf. Die Umstellung auf eine offensive Ausrichtung in Halbzeit zwei war ein Volltreffer. "Wir wollten einfach Spaß haben", sagte Dickschat anschließend mit einem breiten Lächeln. "Und wenn man Spaß hat, kommt der Erfolg von allein." Sein Gegenüber Norrekamp konterte trocken: "Dann hatten wir wohl den falschen Spaß." So bleibt vom Abend ein klarer Eindruck: Der SV Linx spielt derzeit in einer anderen Liga - auch wenn die Tabelle das (noch) nicht ausdrückt. Und wenn die blutjungen Henrico und Konrad so weitermachen, werden bald ganz andere Vereine anklopfen. Ein Zuschauer brachte es beim Bierstand auf den Punkt: "Linx war heute wie eine gut geölte Maschine. Und Friesen? Nun ja - eher wie der Ersatzreifen." Ein Abend also, an dem Fußballherzen in Linx höher schlugen - und die Gäste wohl noch lange Albträume von 25 Torschüssen haben werden. 07.09.643987 13:07 |
Sprücheklopfer
Wunderschön, mit dem Außenspann, teilweise mit dem Vollspann.
Günter Netzer