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Lamstedt - Der Sonntagabend in der Regionalliga A bot alles, was ein guter Fußballkrimi braucht: frühe Verwarnungen, ein hitziges Publikum (3.875 Zuschauer!) und ein Gastteam aus Linx, das sich nach kurzem Wackeln zur kalten Effizienz aufschwang. Am Ende hieß es 1:3 (1:1), und Trainer Hardy Hate von der Heimmannschaft fasste es mit einem gequälten Lächeln zusammen: "Manchmal steht man einfach auf der falschen Seite der Mathematik." Dabei begann Lamstedt mit erstaunlich viel Mut. Schon in der 9. Minute prüfte Benjamin Berndt den Linxer Keeper Oscar Haase mit einem satten Schuss - ein Weckruf für die Gäste, die zu diesem Zeitpunkt mehr Staub von den Stollen schüttelten als Spielideen zeigten. Doch kaum hatte das Publikum sich in den Schal gewickelt, nutzte Linx die erste echte Kombination über Christian Stein und Detlev Miller zur Führung (20.). Ein Antritt, ein Schlenzer, ein Tor - so einfach kann Fußball sein, wenn man 20 Jahre jung und unbelastet ist. Miller grinste später: "Ich hab gar nicht gesehen, dass der Ball drin war. Ich hab’s nur am Jubel gerafft." Lamstedt brauchte genau neun Minuten, um zu antworten. Der ewige Marcus Zimmer, 37 Jahre alt und immer noch mit der Eleganz eines Sonntagsspielers im Park, köpfte eine Flanke von Florentin Custov zum 1:1 (29.). Das Stadion tobte, und auf der Trainerbank explodierte Hardy Hate beinahe vor Freude - oder Wut, man wusste es nicht so genau. "Endlich mal einer, der das Tor auch wirklich treffen will!", rief er Richtung seiner Bank, halb Lob, halb Mahnung. Bis zur Pause blieb das Spiel wild und unentschieden. Linx holte sich zwei Gelbe Karten (Seitz, Miller), Lamstedt eine (Devaney), und beide Teams schienen gleichermaßen unentschlossen, ob sie sich auf Kampf oder Kunst verlegen sollten. Der Ballbesitz sprach mit 53 Prozent leicht für die Gastgeber, die Statistik der klaren Chancen aber schon für Linx - 16 zu 9 Torschüsse im Endeffekt. Nach der Pause wechselte Linx doppelt. Und was für ein Wechsel: Der gerade eingewechselte 18-jährige Joshua Merz tauchte in der 47. Minute frei vor dem Tor auf und schob überlegt ein - Vorlage Dieter Wagner, ebenfalls 18. Jugend forscht, und Lamstedt staunte. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Merz später zu, "aber dann war der Ball halt im Tor. Ich beschwer mich nicht." Das 1:2 lähmte den Gastgeber. Zwar mühte sich Lamstedt weiter mit langen Bällen auf Zimmer und Hauser, doch die Präzision blieb so flüchtig wie ein Frühlingswind. Linx dagegen wirkte plötzlich abgeklärt, spielte ruhig, fast überheblich - und wartete auf die nächste Lücke. Die kam in Minute 74: Mark Fritsch, bisher unauffällig, zog nach Zuspiel von Fabian Kopp trocken ab - 1:3. Hardy Hate warf seine Wasserflasche in Richtung Coaching-Zone, verfehlte aber glücklicherweise den vierten Offiziellen. "Das war der Moment, in dem wir das Spiel wirklich kontrolliert haben", meinte Linx-Trainer Michal Dickschat nachher, die Hände tief in den Manteltaschen. "Wir wussten, Lamstedt läuft heiß, aber nicht klug." Ein Satz, der im Pressezelt noch für ein paar hochgezogene Augenbrauen sorgte. Die letzten Minuten vergingen mit Chancen auf beiden Seiten - Hauser (90.) und Zimmer (92.) scheiterten für Lamstedt, Fritsch und Wagner hätten das Ergebnis sogar noch höher schrauben können. Doch das 1:3 blieb, und es fühlte sich verdient an. Linx gewann mehr Zweikämpfe (52 Prozent), war gefährlicher im Abschluss und taktisch erstaunlich reif für ein Team mit zwei Teenager-Torschützen. Nach Abpfiff standen die Lamstedter Spieler lange auf dem Rasen, blickten ins Nichts. Zimmer klopfte dem jungen Torwart Kroll auf die Schulter und sagte nur: "Kopf hoch, Junge. Ich hab schon Spiele verloren, da hat’s geregnet." Ein Satz, der in seiner Einfachheit alles zusammenfasste - an diesem Abend war Lamstedt bemüht, aber Linx war besser. Und während Trainer Dickschat gelassen den Mannschaftsbus bestieg, murmelte ein Lamstedter Fan auf der Tribüne: "Wenn die wenigstens so kämpfen würden wie wir hier frieren." Vielleicht das ehrlichste Fazit des 7. Spieltags. 19.01.643994 21:28 |
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Mario Basler