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Es war einer dieser Abende im März, an denen der Fußball in der Regionalliga A ein kleines Stück mehr Drama produziert, als ihm zusteht. Vor 4736 Zuschauern im Linxer Stadion besiegte der SV Linx den Gerda GFC Berlin mit 2:0 (0:0) - ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber alles andere als langweilig zustande kam. Die Partie begann mit einem Feuerwerk an vergebenen Chancen - zumindest auf einer Seite. Schon in der fünften Minute prüfte Wolfgang Seitz den Berliner Torhüter Robin Bach, der mit einer Mischung aus Glück, Reflex und Knieabwehr den frühen Rückstand verhinderte. "Ich hab’ einfach gehofft, dass er mich anschießt", grinste Bach nach dem Spiel. Er sollte an diesem Abend noch häufiger hoffen. Denn Linx, trainiert von Michal Dickschat, spielte mutig nach vorne, fast trotzig, als wolle man dem Tabellenstand die Stirn bieten. 16 Torschüsse am Ende sprechen Bände; dass davon nur zwei zählten, ist eher der Kategorie "unglaubliche Chancenverwertung" zuzuordnen. Berlin dagegen blieb blass - sechs Schüsse aufs Tor, die meiste Zeit damit beschäftigt, Seitz, Fritsch und Co. hinterherzuschauen. Bis zur Pause hielt das 0:0, aber kaum hatte der Schiedsrichter die zweite Halbzeit angepfiffen, lag der Ball schon im Netz. Mark Fritsch, der rechte Mittelfeldspieler mit dem Mut zum Risiko, traf in der 46. Minute nach Vorlage von Abwehrchef Joshua Gebhardt. Ein Schuss, trocken, flach, unhaltbar. "Ich dachte, der Ball sei zu weit rausgerollt", sagte Gebhardt später lachend. "Aber Mark rennt halt auch Bällen hinterher, die schon im Aus sind." Gerda GFC Berlin versuchte zu reagieren - zumindest theoretisch. Praktisch blieb das Team von Trainer Gerhard Großmann auffällig passiv. Kein Pressing, kein Risiko, kein Funken Aggression. "Wir wollten ruhig bleiben", erklärte Großmann, "leider waren wir dann zu ruhig." In der 62. Minute dann die Vorentscheidung: ein Angriff über die Mitte, der Ball landet bei Jan Hermann. Der 34-Jährige, sonst eher der Taktgeber als der Torjäger, zieht aus zwanzig Metern ab - 2:0. Der Assist kam von Bernt Kühne, der sich danach selbst ein kleines Lächeln erlaubte. "Ich hab’ ihm den Ball hingelegt, weil ich keine Lust hatte, wieder daneben zu schießen." Danach wurde es hitzig. Der junge Rechtsverteidiger Andreas Menzel, bis dahin mit solider Leistung, verlor in der 79. Minute die Nerven und sah glatt Rot. Was genau vorfiel, blieb unklar - der Schiedsrichter deutete auf ein zu hohes Bein, Menzel schwor Stein und Bein, er habe "nur den Ball gesehen". Trainer Dickschat kommentierte trocken: "Mit 18 darf man Fehler machen. Aber vielleicht nicht in der 79. Minute bei 2:0." Trotz Unterzahl hielt Linx den Vorsprung souverän. Dietz im Tor musste zwar noch zweimal ernsthaft eingreifen, aber der Sieg geriet nicht mehr in Gefahr. Als der Schlusspfiff ertönte, rissen die Spieler die Arme hoch, als hätten sie gerade den Aufstieg klargemacht. Statistisch gesehen war es ein ausgeglichenes Spiel - 49,6 Prozent Ballbesitz für Linx, 50,4 für Berlin -, doch das sagt in diesem Fall wenig. Denn Linx spielte mit Herz, Berlin nur mit Zahlen. "Wir haben uns endlich mal belohnt", sagte Dickschat nach dem Spiel, sichtbar zufrieden. "Und wenn man sieht, dass unser ältester Spieler trifft und der jüngste vom Platz fliegt - dann ist das irgendwie sinnbildlich für diesen Verein." Berlin dagegen wirkte ratlos. Kapitän Phillipp Krueger stand nach dem Abpfiff minutenlang auf dem Rasen, die Hände in die Hüften gestemmt. "Wir hatten eigentlich einen Plan", murmelte er, "aber Linx hatte irgendwie mehr davon." Vielleicht war es einfach so ein Abend, an dem Leidenschaft wichtiger war als System. Linx spielte nicht schön, aber ehrlich. Und am Ende jubelten sie eben - trotz Rot, trotz zitternder Beine in der Schlussphase. Oder, wie es ein Linxer Fan nach dem Abpfiff auf den Punkt brachte: "Wenn wir so weitermachen, braucht hier bald keiner mehr Herztabletten - wir gewöhnen uns einfach ans Zittern." Ein Abend, der zeigt: In der Regionalliga A lebt der Fußball noch - mit all seinen kleinen Dramen, großen Emotionen und einem Hauch von Chaos, der das Ganze erst richtig schön macht. 14.06.643993 08:33 |
Sprücheklopfer
In der Nacht von Samstag auf Montag.
Rudi Assauer auf die Frage, wann die Entscheidung zur Entlassung von Frank Neubarth gefallen sei