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Es war einer dieser Abende, an denen Fußballstatistiker nervös mit dem Bleistift wippen: 57 Prozent Ballbesitz für Oberhausen, zehn Torschüsse - und am Ende doch ein 0:2 aus Gästesicht. Während die Rot-Weißen verzweifelt nach Lücken suchten, lauerte der SV Linx geduldig und schlug eiskalt zu. 5215 Zuschauer im Flutlicht des Linxer Stadions sahen am 26. Spieltag der Regionalliga A ein Lehrstück in Sachen Effizienz. Schon in der 17. Minute hallte der erste Jubel durchs Rund. Wolfgang Seitz, der quirlig-linke Flügelmann der Linxer, hatte gerade den Ball im Netz versenkt - und das nach einem Bilderbuchangriff über Robert Jahn. "Robert hat mir den Ball so serviert, ich musste ihn nur noch danken - mit dem Innenrist", grinste Seitz hinterher. Trainer Michal Dickschat stand derweil mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, nickte zufrieden und murmelte etwas, das wie "Genau so trainieren wir das nie" klang. Oberhausen dagegen wirkte, als hätte man sich auf einem Ballbesitzseminar verlaufen. Der Ball lief und lief, nur leider selten in Richtung Tor. Luis Baumann versuchte es gleich mehrfach, mal in Minute 13, mal kurz vor der Pause - doch Linx-Keeper Oscar Haase hatte offenbar Spinnweben in den Winkeln, so selten wurde er wirklich geprüft. "Wir haben eigentlich gut gespielt", meinte Baumann später mit leichtem Schulterzucken, "nur das mit den Toren, das üben wir dann morgen wieder." Nach dem Seitenwechsel wirkten die Gäste entschlossener, aber die Linxer hatten längst auf "Offensivmodus" geschaltet. Dickschat brachte in der 45. Minute den jungen Eduardo Henrico, offiziell Mittelstürmer, inoffiziell Unruheherd. Das Spiel wurde offener, hektischer - und dann kam die 72. Minute: Wieder war es eine Kombination über links, diesmal mit dem 17-jährigen Dieter Wagner als Vorbereiter. Der Youngster legte quer, Robert Jahn zog ab - 2:0. Der Torschütze rannte jubelnd zur Eckfahne, Wagner grinste schüchtern hinterher. "Ich hab einfach gedacht, ich renn mal", erklärte der Teenager nach dem Spiel bescheiden, "und dann war Robert halt da." Oberhausen reagierte mit wilder Entschlossenheit, was in der 90. Minute immerhin noch zu einer gelben Karte für Rechtsverteidiger Maurizio Pastorino führte. "Ich wollte nur zeigen, dass wir noch da sind", brummte dieser später und grinste dabei so, als hätte er gerade eine Trophäe gewonnen. Die Statistik sprach am Ende eine paradoxe Sprache: Oberhausen 57 Prozent Ballbesitz, Linx nur 43. Doch die Gastgeber trafen zweimal, die Gäste kein einziges Mal. Die Linxer Zweikampfquote von knapp 49 Prozent liest sich ebenfalls nicht furchteinflößend, aber wer braucht schon gewonnene Zweikämpfe, wenn man die entscheidenden Szenen gewinnt? Trainer Dickschat zeigte sich nach dem Schlusspfiff begeistert - auf seine Art. "Das war kein Schönheitspreis, aber wir nehmen die drei Punkte. Und wenn Oberhausen den Ball so gern hat, sollen sie ihn behalten - wir nehmen das Ergebnis mit." Auf der anderen Seite stand ein sichtlich ratloser Gästecoach, der nur murmelte: "Manchmal ist Fußball wie ein schlechter Witz - du erzählst die Pointe, aber keiner lacht." In den letzten Minuten tat Linx das, was man mit einer komfortablen Führung eben tut: Zeitschinden mit Stil. Karl Schwab kam für Mark Fritsch, später noch Routinier Joshua Gebhardt für den jungen Linus Schmitt - Erfahrung für Frische, sagt das Lehrbuch. Und während die Oberhausener noch nach Lücken suchten, ließ Seitz auf der Bank ein verschmitztes "Wir haben ja Zeit" verlauten. Als Schiedsrichterin Katrin Möller schließlich abpfiff, war der Jubel groß. Die Linxer Fans sangen sich die Kehlen heiser, während auf dem Rasen die Spieler ihre Fäuste in den Nachthimmel reckten. "Zwei Chancen, zwei Tore - das ist einfach Linx", rief ein Zuschauer, der offenbar schon länger an der Seitenlinie mitfiebert. Fazit: Linx hat gezeigt, dass Fußball kein Schönheitswettbewerb ist, sondern eine Frage des richtigen Moments. Oberhausen hatte den Ball, Linx hatte den Plan - und das 2:0. Oder, wie Trainer Dickschat es beim Verlassen der Pressekonferenz trocken zusammenfasste: "Manchmal reicht’s, wenn man weiß, wo das Tor steht." 07.07.643993 04:15 |
Sprücheklopfer
Ob rechts oder links, wo ich auftauchte, war ich schlecht.
Mario Basler