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Wenn 5056 Zuschauer an einem Samstagabend in die Linxer Arena pilgern, dann wissen sie: Da fliegt der Ball nicht nur, da fliegen auch die Emotionen. Am 28. Spieltag der Regionalliga A setzte sich der SV Linx mit 2:1 (1:0) gegen TuS Ennepetal durch - und das in einem Spiel, das mehr Wendungen hatte als ein mittelmäßiger Krimi im Spätprogramm. Schon vor Anpfiff war klar: Trainer Michal Dickschat wollte mit seinem blutjungen Sturmtrio Henrico, Miller und Merz den Gästen Beine machen. "Die Jungs sind so schnell, dass ich manchmal beim Training rufen muss, sie sollen warten, bis ich den Ball überhaupt sehe", grinste Dickschat später. Auf der Gegenseite vertraute Ursula Lappe auf ihre spielstarke Achse um den 18-jährigen Federico Satriano - ein Name, den man sich auch in höheren Ligen merken sollte. Das Spiel begann furios. Nach gerade einmal einer Minute prüfte Satriano den Linxer Keeper Thomas Dietz mit einem strammen Schuss. Dietz, 18 Jahre jung und mit Reflexen wie ein Flummi, lenkte den Ball artistisch über die Latte. "Ich dachte kurz, der Ball fliegt mir durchs Netz in die Kantine", scherzte er danach. Dann nahm das Linxer Angriffsspiel Fahrt auf. Eduardo Henrico und Joshua Merz kombinierten sich immer wieder gefährlich nach vorne, doch erst in der 37. Minute fiel die Erlösung: Merz dribbelte sich frech über links durch, flankte halbhoch in den Strafraum - und Detlev Miller, der 19-jährige Rechtsaußen mit der Selbstsicherheit eines Routiniers, drosch den Ball humorlos ins Netz. 1:0 für Linx, das Stadion tobte. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Miller später und grinste so breit, dass man fast glaubte, er wolle sich selbst beglückwünschen. Nach der Pause kam Ennepetal mit Wut im Bauch zurück. Lappe hatte offenbar die richtigen Worte gefunden. Nur fünf Minuten nach Wiederanpfiff war es wieder Satriano, der nach einem präzisen Pass von Marwin Baumann eiskalt blieb und den Ausgleich markierte. 1:1 - und plötzlich wurde es still im Linxer Block. Doch Linx wäre nicht Linx, wenn sie sich davon beeindrucken ließen. Angetrieben vom unermüdlichen Jan Hermann im Mittelfeld - 34 Jahre alt, graue Schläfen, aber ein Passspiel wie aus dem Lehrbuch - übernahmen die Hausherren wieder das Kommando. In der 69. Minute dann der Moment des Abends: Otto Fritsch, der linke Verteidiger, marschierte über seine Seite und legte mustergültig für Hermann auf. Der zog aus 20 Metern ab, und der Ball zappelte unhaltbar im Winkel. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Hermann später zu, "aber wenn’s so reingeht, war’s natürlich Absicht." Ennepetal drängte in der Schlussphase, hatte durch Satriano (75.) und Robert Schwab (87.) noch Chancen, doch Linx verteidigte leidenschaftlich. Selbst als der junge Andreas Menzel in der 80. Minute Gelb sah, blieb die Defensive stabil. "Er hat den Ball gespielt - und den Gegner gleich mit", kommentierte Dickschat trocken. Am Ende standen für Linx 12 Torschüsse und 48 Prozent Ballbesitz, für Ennepetal 9 Abschlüsse und 52 Prozent Ballbesitz zu Buche - Zahlen, die das Spiel kaum widerspiegeln. Denn Linx spielte direkter, mutiger, ja fast trotzig. "Ballbesitz ist was für Statistiker", meinte Miller nach dem Abpfiff, "Tore zählen auf der Anzeigetafel." Trainerin Ursula Lappe zeigte sich dennoch kämpferisch: "Wir haben gut gespielt, aber Linx war heute einfach einen Tick frecher. Ich mag das Wort frech nicht - aber es passt." Als der Schlusspfiff ertönte, sprangen die Linxer Spieler wie in der Jugendzeit übereinander, während Dickschat auf die Uhr sah und lakonisch meinte: "Endlich mal ein Abend, an dem keine Nachspielzeit mein Herz ruiniert." Und so bleibt das Fazit: SV Linx gewinnt 2:1, bleibt zu Hause eine Macht und beweist, dass jugendlicher Übermut manchmal die beste Taktik ist - selbst wenn der Trainer dabei graue Haare riskiert. Oder, um es mit Jan Hermann zu sagen: "Wir spielen keinen schönen Fußball - aber einen ehrlichen." Und ehrlich gesagt: Genau dafür liebt man diesen Sport. 10.08.643993 18:56 |
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Wenn kein Sprit im Tank und die Birne leer ist, läuft nichts.
Rainer Calmund