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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob Fußball wirklich nur ein Spiel ist oder doch ein Stück Theater - mit Dramatik, Pathos und gelegentlichem Slapstick. 43.711 Zuschauer im Beueler Stadion erlebten jedenfalls ein Spektakel, das irgendwo zwischen Shakespeare und Kreisliga rangierte: SV Beuel besiegte die Nottingham Magpies in der Conference-League-Quali mit 5:1 (2:0) nach Verlängerung. Dabei sah es zunächst gar nicht nach einem Beueler Triumphzug aus, sondern nach einer routinierten Pflichtaufgabe. Schon in der 9. Minute eröffnete Michel Herrero den Torreigen, als er einen präzisen Steckpass von Mario Sousa trocken ins linke Eck setzte - "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", grinste der 33-Jährige später, "aber dann war er halt drin." Drei Minuten später ließ Jorge Quaresma, der Mann mit der Frisur eines Rockstars und dem Abschluss eines Chirurgen, das 2:0 folgen. Der Pass kam von Linksverteidiger Max McGeady, der sich nach dem Treffer demonstrativ den Staub von den Stutzen klopfte. Trainer Rene Kuhl, bekannt für seine minimalistische Gestik (er hebt die Augenbraue, wenn andere jubeln), meinte zur Halbzeit: "Wir waren besser, aber ich habe den Jungs gesagt, das sei noch lange nicht vorbei." Wie prophetisch diese Worte waren, zeigte sich nach der Pause. Nottingham kam aggressiver aus der Kabine, spielte nun wirklich so, wie es ihre Taktikzettel von Beginn an versprochen hatten: offensiv, mit starkem Pressing und jeder Menge Mut zur Lücke. In der 58. Minute belohnte sich der englische Traditionsklub - Noach Van Keuren traf nach Vorlage von Diego Barbosa zum 2:1. "Da dachte ich kurz, jetzt kippt das Ding", gab Beuels Keeper Jay Reid später zu. Doch anstatt zu kippen, stabilisierte sich die Partie wieder - hauptsächlich, weil Nottingham nach dem Anschlusstreffer auf die Karte "Alles oder nichts" setzte, während Beuel auf "Geduld und Quaresma" vertraute. Der Portugiese mit der Nummer 11 hatte ohnehin einen dieser Abende, an denen jeder Schritt nach Tor roch. In der 79. Minute jagte er einen Pass von Jürgen Michels in die Maschen, 3:1. Die Magpies versuchten es weiter, aber spätestens nach der Gelb-Roten Karte für Filipe Bischoff (110.) war klar: Das wird nichts mehr mit dem englischen Fußballmärchen. In der Verlängerung zerlegte Beuel den Gegner dann mit eiskalter Effizienz. Erst traf wieder Quaresma (101.) - nach einem butterweichen Querpass von Pascal Charpentier, der sich kurz zuvor eingewechselt hatte und danach so tat, als sei das alles reine Routine. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand er hinterher, "aber Jorge hat das wohl anders gesehen." Zum endgültigen Knockout setzte schließlich Jose Galisteo in der 116. Minute an. Den Assist lieferte Yves Bridges, der Rechtsverteidiger mit der Präzision eines Uhrmachers. 5:1 - und ein Stadion stand Kopf. Statistisch war die Partie fast ausgeglichen: 50,7 Prozent Ballbesitz für Beuel, 49,3 für Nottingham. Doch bei den Torchancen (18:9) und in der Effizienz zeigte sich, wer hier das bessere Ende verdient hatte. Nottingham-Coach Christoffer Reedtz blieb nach dem Spiel nur Galgenhumor: "Wir wollten offensiv spielen - das haben wir getan. Leider auch beim Verteidigen." Rene Kuhl hingegen sprach von "einem Statement-Sieg": "Die Jungs haben nicht nur gekämpft, sie haben Fußball gespielt. Und Jorge? Wenn der so weitermacht, darf er bald wieder seinen Pass verlängern - aber nicht beim Amt, sondern im Finale." Kurz vor Mitternacht, als der Mannschaftsbus der Magpies vom Stadion rollte, brandete noch einmal Applaus auf. Einige Beuel-Fans hielten Schilder hoch: "Fünf Sterne für fünf Tore". Ob das übertrieben ist? Vielleicht. Aber an diesem Abend war SV Beuel tatsächlich eine Klasse für sich - taktisch, kämpferisch und, ja, ein bisschen theatralisch. Nach Abpfiff sah man Jorge Quaresma noch mit einem Becher Isodrink auf der Tribüne sitzen. "Ich wollte nur nochmal den Rasen sehen", sagte er und lächelte. "Der hat mir heute ziemlich viel Glück gebracht." Und Nottingham? Die flogen heim - mit dem Gefühl, 120 Minuten lang alles gegeben zu haben. Nur eben gegen eine Mannschaft, die an diesem Abend entschlossener, frischer und schlicht besser war. Manchmal ist Fußball eben kein Drama. Sondern eine klare Ansage. 04.12.643993 00:38 |
Sprücheklopfer
Oliver Kahn konnte ich gerade noch davon abhalten, sich zu ertränken. Der Rest hat sich auf der Toilette eingesperrt.
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