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Ein kalter Februarabend, Flutlicht an, 34.433 frierende, aber hoffnungsvolle Seelen im Bet365 Stadium. Stoke City empfing am 33. Spieltag der 1. Liga England die Nottingham Magpies - und bekam in der ersten Halbzeit eiskalt gezeigt, warum Fußball kein Wohlfühlprogramm ist. Am Ende stand ein 1:2 (0:2) auf der Anzeigetafel, das sich für die Hausherren mindestens so bitter anfühlte, wie der Wind über den Trent. Dabei fing alles verheißungsvoll an. Die Potters legten los, als wollten sie den Gegner gleich in der dritten Minute vom Platz fegen. Archie Browning, gerade mal 18 und mit jugendlichem Übermut gesegnet, prüfte Magpies-Keeper Antonio Jordao früh - doch der blieb cool. "Ich dachte, der Junge schießt mir den Ball gleich durchs Netz", grinste Jordao später. Keine drei Minuten später wieder Stoke, diesmal Dusko Jovanovic, dann Marco Travassos - aber kein Durchkommen. Und dann kam die 15. Minute, und mit ihr der erste Nadelstich der Gäste. Rafael Leao, gerade einmal 17, sprintete auf der rechten Seite los, bekam den Ball von Morgan Sterling perfekt in den Lauf und drosch ihn aus spitzem Winkel ins lange Eck. 0:1. Die Magpies jubelten, als hätten sie gerade den Pokal gewonnen. "Das war kein Zufall", sagte Trainer Christoffer Reedtz später mit einem kaum zu verbergenden Lächeln. "Wir wussten, dass Stoke weit aufrückt." Zehn Minuten später folgte der zweite Schlag, diesmal von ganz links: Iker Velazquez, eigentlich Linksverteidiger, schlich sich nach vorne und verwandelte nach Vorlage von Rafael Amir eiskalt zum 0:2. In den Fanreihen von Stoke machte sich eine Mischung aus Unglauben und leiser Verzweiflung breit. Trainer Horst Fiedler stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und kaute sichtbar auf einem imaginären Bleistift. "Wir haben gespielt, als ob das Tor der Gegner zu einer anderen Postleitzahl gehört", schimpfte er später. Zur Halbzeit folgte Fiedlers erste Konsequenz: Torwart Adam Perlman, 17, durfte unter die warme Dusche; Simcha Amir kam. Auch Alfie Yeates, der junge Linksverteidiger, wurde durch Carles Prieto ersetzt. Fiedler wollte Erfahrung und Feuer - und beides bekam er. Die zweite Halbzeit gehörte den Hausherren. Stoke hatte am Ende 12 Torschüsse, doppelt so viele wie Nottingham. Das Pressing zog an, der Einsatz stieg. In der 58. Minute endlich der verdiente Anschluss: Marco Travassos, der zuvor schon dreimal am starken Ersatzkeeper Marek Szymanowski gescheitert war, drosch den Ball nach schöner Flanke von Carles Prieto in die Maschen. 1:2 - das Stadion erwachte. "Da hab ich kurz gedacht, jetzt ziehen wir’s noch", sagte Travassos nach Abpfiff. "Aber wir waren zu gierig, zu offen." Und tatsächlich: Stoke drückte, aber Nottingham blieb ruhig, diszipliniert, fast stoisch. Ballbesitz leicht zugunsten der Gäste (53 Prozent), aber die Zweikampfquote sprach für Stoke. Nur: Statistiken gewinnen keine Spiele. Dann wurde es ruppig. Zwischen der 61. und 74. Minute gab es vier Gelbe Karten - zwei auf jeder Seite. Linus Scherfke und Callum Morrison, beide 17, sammelten ihre ersten Verwarnungen im Profifußball. "Ein bisschen nervös, klar", gab Morrison zu, "aber wenigstens hab ich gezeigt, dass ich da bin." Fiedler kommentierte trocken: "Nerven sind kein Verstoß gegen die Spielordnung." Die Magpies verlegten sich im letzten Drittel komplett aufs Verteidigen. Kein Pressing, kein Risiko - einfach cleveres Ballhalten. Reedtz stand mit verschränkten Armen am Spielfeldrand, rief nur ab und zu "Keep it simple!". Sein Plan ging auf. In der Nachspielzeit warfen die Potters alles nach vorne, selbst Torhüter Amir schien kurz zu überlegen, ob er bei der letzten Ecke mitstürmen sollte. Doch die Magpies schlugen den Ball weg, der Schlusspfiff ertönte - und Stoke stand mit leeren Händen da. "Wir haben heute Lehrgeld bezahlt", bilanzierte Fiedler. "Unsere Jungs sind jung, hungrig, aber manchmal zu wild. Nottingham war abgebrühter." Reedtz dagegen zeigte sich zufrieden: "Zwei Tore aus sechs Schüssen - Effizienz ist auch eine Kunst." Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft mit Applaus, wohl wissend, dass Einsatz und Leidenschaft gestimmt hatten. Nur das Ergebnis eben nicht. Zum Trost: Wer so viel jugendlichen Übermut auf den Platz bringt, wird Fehler machen - aber auch wachsen. Vielleicht war dieses 1:2 genau der Schuss Realität, den Stoke City gebraucht hat. Und Horst Fiedler? Der lächelte zum Abschied in die Kameras und meinte: "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Stil. Und mit drei Teenagern in der Startelf." Ein bisschen Ironie, ein bisschen Hoffnung - und jede Menge Arbeit für die kommende Woche. 24.04.643990 16:22 |
Sprücheklopfer
Wir sind in der Arena der Buhmann der Nation. Es geht um Millionen, und die Fehlentscheidungen häufen sich. Sobald es strittig wird, wird gegen uns gepfiffen. Da müssen wir das Ding eben wieder abreißen.
Rudi Assauer